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Renault Kwid für 4.000 Euro: Die Benzin-Cousine der Dacia Spring

Roter Renault KWID 4000 Elektro-Kleinwagen in moderner Ausstellungshalle mit Ladestation im Hintergrund.

Die Renault Kwid beweist, dass ein solcher Preis tatsächlich möglich ist: Sie ist eng mit der Dacia Spring verwandt, dem kleinen Elektroauto, das auf Europas Straßen bekannt ist. Noch überraschender ist jedoch, dass sich unter der Haube dieser Cousine ein Benzinmotor verbirgt.

Renault führt dieses Modell nicht in den deutschen Katalogen. Die Renault Kwid wurde für Märkte entwickelt, in denen der Preis das entscheidende Kaufkriterium bleibt, und erfüllt damit Bedürfnisse, die sich deutlich von denen europäischer Kundinnen und Kunden unterscheiden. Wer von einem einfachen, leichten und günstigen neuen Dacia mit Verbrennungsmotor träumt, wird diesen Wunsch wohl kaum verwirklichen können.

Ein Kleinwagen für 4.000 Euro, der vieles verändert

Die Renault Kwid kam 2015 in Indien auf den Markt. Ihr klares Ziel: möglichst vielen Menschen ein Neufahrzeug zugänglich zu machen. Je nach Variante und Markt lag der Einstiegspreis damals bei rund 2.900 Euro. Inzwischen ist sie teurer geworden, doch ein Basispreis von etwa 4.000 Euro bleibt im Vergleich zu europäischen Preisen bemerkenswert.

Seit ihrer Einführung hat das Modell bereits sehr viele indische Autofahrer überzeugt: Nahezu 300.000 Fahrzeuge wurden verkauft. Dank ihrer kompakten Abmessungen kommt sie im dichten Stadtverkehr gut zurecht, während Anschaffungs- und Betriebskosten möglichst niedrig bleiben sollen. Für zahlreiche Familien ist sie ein deutlich realistischerer Einstieg in ein neues Auto als ein westlicher Kleinwagen.

Dacia Spring und Renault Kwid: elektrisch oder mit Benzin je nach Land

Die Kwid teilt ihren Grundgedanken und einen großen Teil ihrer Architektur mit der in Europa angebotenen Dacia Spring. Auf den ersten Blick sind die beiden kleinen Stadtautos leicht zu verwechseln: kurze Karosserie, auffällige Bodenfreiheit und die Silhouette eines urbanen Mini-SUV. Bei der Antriebstechnik unterscheiden sie sich allerdings grundlegend.

In Deutschland fährt die Dacia Spring ausschließlich elektrisch und startet bei rund 16.900 Euro, noch vor möglichen Sonderaktionen. Die Kwid besitzt dagegen einen 1,0-Liter-Benzinmotor mit etwa 70 PS. Damit erreicht sie ungefähr 150 km/h – ausreichend, um Stadtzentren zu verlassen und Schnellstraßen zu nutzen.

Die auffälligsten Unterschiede dieser beiden Cousinen betreffen den Alltag unmittelbar:

  • Die Kwid wird mit Benzin betrieben, während die Spring auf eine Elektro-Batterie setzt.
  • Auf einigen Schwellenmärkten zielt die Kwid auf einen Preis von rund 4.000 Euro.
  • Die in Deutschland verkaufte Spring kostet ein Vielfaches davon.
  • In vielen Regionen, für die die Kwid vorgesehen ist, bleibt das Laden eines Elektroautos schwierig.
  • Europäische Vorschriften verhindern einen einfachen Import dieses günstigen Modells.

Warum Benzin in manchen Ländern weiterhin die praktische Lösung ist

In verschiedenen Teilen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas kann die Suche nach einer Ladesäule noch sehr kompliziert sein. Besonders außerhalb großer Metropolen ist das Stromnetz teils instabil oder unzuverlässig. Ein kleiner Benzinmotor vermittelt unter diesen Bedingungen Sicherheit: Tankstellen sind bereits vorhanden, und ein Tankvorgang dauert nur wenige Minuten.

Auch der Kaufpreis hat enormes Gewicht. Die Batterie ist ein kostspieliger Bestandteil eines Elektroautos, während ein einfacher Benzinmotor die anfänglichen Kosten senken kann. Renault richtet seine Strategie deshalb an den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten aus, statt eine Technik durchzusetzen, die Kundinnen und Kunden mit geringerem Einkommen ausschließen könnte.

Ein europäisches Angebot, das ungerecht wirkt, aber Gründe hat

Es liegt nahe zu fragen, weshalb Renault oder Dacia diese Kwid mit Benzinmotor nicht in Europa anbieten. Schließlich dürfte ihr Preis Tausende Autofahrer begeistern, die neue Fahrzeuge zunehmend als unerschwinglich empfinden. Das Fahrzeug erfüllt jedoch nicht zwangsläufig dieselben Anforderungen an Zulassung, Sicherheit, Schadstoffemissionen und Ausstattung, die auf dem europäischen Markt gelten.

Eine vollständige Anpassung wäre teuer und würde den Endpreis erhöhen. Technische Komponenten müssten überarbeitet, vorgeschriebene Ausstattungen ergänzt und strengere Umweltvorgaben erfüllt werden. Damit würde ein 4.000-Euro-Auto rasch sein wichtigstes Argument verlieren – weshalb Renault keinen Import plant.

Die Dacia Spring profitiert weiter von der Elektropolitik

In Europa fördern Regierungen den Kauf von Elektrofahrzeugen mit Zuschüssen, die sich je nach Land und Zeitraum unterscheiden. Italien konnte beispielsweise besonders großzügige Programme anbieten, durch die der Preis der Spring unter bestimmten Voraussetzungen auf fast 4.900 Euro sank. Dadurch entsteht ein erstaunlicher Vergleich mit der Benzin-Kwid, die am anderen Ende der Welt verkauft wird.

Deutschland verfolgt einen anderen Weg: Die in China produzierte Spring erhält keinen nationalen Umweltbonus mehr. Für deutsche Käuferinnen und Käufer bleibt ihr Preis daher deutlich höher, was Frust auslösen kann. Dennoch ist die Benzin-Kwid keine realistische Alternative: Wer sie zu diesem Preis fahren möchte, müsste in ein Land reisen, in dem Renault sie offiziell vertreibt.

Diese Geschichte zeigt vor allem, dass der Preis eines Autos weniger von seinem Erscheinungsbild als vom Land des Kaufs abhängt. Zwei nahezu baugleiche Modelle können gegensätzliche Motoren haben und mehrere Tausend Euro auseinanderliegen. Die Kwid lässt wegen ihres Preises träumen, erinnert aber zugleich an eine weniger erfreuliche Realität: Ein wirklich günstiges Neufahrzeug wird in Europa immer seltener.

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