Der Opel Corsa GSE bringt alles mit, um die elektrische Fortsetzung der früheren GSi- und OPC-Modelle zu werden. Entscheidend war nur noch, ob er sich auch so fährt.
Für viele Menschen einer bestimmten Generation gehörten der Opel Corsa GSi und später der Corsa OPC zu den Autos, die sie unbedingt besitzen wollten. Nun kehrt der sportlichste Corsa zurück – mit neuen Zutaten für das bewährte Konzept: mehr Leistung, mehr Performance und mehr Fahrspaß.
Er trägt nun das Kürzel GSE, doch der entscheidende Unterschied verbirgt sich unter der Haube. Beim neuen Corsa GSE weichen Oktan den Elektronen, womit er zu einer neuen Klasse kleiner elektrischer Sportmodelle zählt: Volkswagen ID. Polo GTI, Alpine A290, CUPRA Raval VZ und Peugeot E-208 GTi.
Mit 207 kW (281 PS) und 345 Nm ist er der leistungsstärkste Serien-Corsa aller Zeiten. Doch kann diese elektrische Interpretation eines Pocket Rockets tatsächlich an die Tradition seiner Vorgänger anknüpfen?
Genau das wollte ich bei seiner dynamischen Präsentation in Wien, Österreich, herausfinden, bei der ich ihn sowohl auf öffentlichen Straßen als auch auf einer Rennstrecke fahren konnte.
Ein schärferer Opel Corsa GSE
Wie bei jedem echten Pocket Rocket machen schon außen erste Details klar, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Corsa handelt, sondern um die sportlichste Variante der Baureihe.
Vorn besitzt der Stoßfänger eine dynamischere Gestaltung mit versionseigenen Linien und Sicken. Darüber fällt – wie bei jedem aktuellen Opel – die schwarze, über die gesamte Fahrzeugbreite verlaufende Frontmaske auf, in welche die Scheinwerfer integriert sind.
Dazu kommen ein schwarz lackiertes Dach und ein schwarzer Spoiler, die den sportlichen Auftritt zusätzlich betonen. Die 18″-Räder geben zudem den Blick auf Alcon-Bremssättel mit vier Kolben an der Vorderachse frei.
Im Innenraum gibt es Sportsitze mit integrierten Kopfstützen, Alcantara-Einsätzen sowie einem Karomuster in Schwarz, Grau und Gelb.
Die Unterschiede beschränken sich allerdings nicht auf die Optik. Gegenüber den Sitzen eines normalen Corsa bieten jene des GSE mehr Halt im Lenden-, Seiten- und Beinbereich. Auf der Rennstrecke hatte ich deshalb in keiner dieser Zonen das Gefühl, Unterstützung zu vermissen.
Auch die Sitzposition verdient Anerkennung. Bei Elektroautos ist eine ähnlich tiefe Position wie bei vergleichbaren Verbrennermodellen häufig wegen des unter dem Boden montierten Batteriepakets nicht möglich. Beim deutschen Kleinwagen stellte dies jedoch kein Hindernis dar: Ich konnte den Sitz erstaunlich weit absenken und genau nach meinen Vorstellungen einstellen.
Macht der Opel Corsa GSE noch Spaß?
Ein Pocket Rocket steht normalerweise für Fahrspaß. Jede Modellreihe, die diesen Anspruch für sich erhebt, muss sich daran messen lassen – und der neue Opel Corsa GSE bildet keine Ausnahme.
Obwohl er nun vollständig elektrisch fährt, soll er dem Rezept dieser Fahrzeugklasse treu bleiben: kompakte Abmessungen und deutlich mehr Leistung, als seine Größe erwarten lässt. Die 1554 kg fallen aus diesem Rahmen, sind aber der Preis für den Elektroantrieb und die vielen hundert Kilogramm Batterie.
Die 207 kW (281 PS) und 345 Nm Drehmoment werden ausschließlich an die Vorderachse geleitet. Damit beschleunigt er in 5,5 s von 0 auf 100 km/h, während die Höchstgeschwindigkeit auf 180 km/h begrenzt ist. Bei diesem Modell geht es jedoch nicht allein um die Daten im technischen Datenblatt.
Neben den optischen Änderungen hat Opel an den für ein Auto mit solchen Ambitionen entscheidenden Stellen nachgebessert. Er liegt 25 mm tiefer, verfügt vorn wie hinten über breitere Spurweiten und besitzt an der Vorderachse ein mechanisches Sperrdifferenzial.
Wie wirkungsvoll dieses Paket arbeitet, konnte ich auf dem kleinen Kurs in Pachfurth in Wien erproben. Mit engen Kurven, kurzen Geraden und einer Slalomübung dazwischen schien die Strecke wie geschaffen, um zu prüfen, wie gut der Corsa GSE seine Leistung umsetzt. Der Regen erhöhte den Schwierigkeitsgrad zusätzlich.
Für ein Auto dieser Art waren die Bedingungen nicht ideal, doch gerade deshalb ließ sich hervorragend beurteilen, wie souverän es sein Drehmoment auf die Straße bringt. Bereits beim Einlenken ist das Sperrdifferenzial spürbar: Es leitet die Kraft an das Rad mit mehr Grip und hilft vor allem dabei, die Linie zu halten, wenn die Haftung nachlässt.
Meiner Ansicht nach überrascht der Corsa GSE genau in diesem Punkt am stärksten. Seine Fahrleistungen sind wichtig, doch die Art, wie er sie nutzbar macht, hebt seine Fähigkeiten deutlich über das hinaus, was ich zunächst erwartet hätte.
Auch die Bremsanlage verdient Lob. Das Pedalgefühl könnte für meinen Geschmack etwas fester sein, erwies sich aber als ausreichend kommunikativ und vorhersehbar. Noch wichtiger: Selbst nach mehreren Runden und anspruchsvolleren Bremsmanövern zeigte sich keine Ermüdung.
Nach einigen Runden hatte ich daher unweigerlich ein Lächeln im Gesicht. Es kommt nicht jeden Tag vor, dass ein elektrischer Kleinwagen mit Frontantrieb ein solches Maß an Einbindung vermittelt. Ja, auch im Elektrozeitalter sorgt der neue Opel Corsa GSE für Fahrspaß.
Wie schlägt er sich bei „normalem“ Tempo?
Bei gemäßigter Fahrweise zeigt der Opel Corsa GSE eine weitere Seite, die mir ebenfalls gefiel. Das Fahrwerk ist straff abgestimmt, federt Unebenheiten aber mühelos weg – ein wichtiger Aspekt für ein Modell, das auch im Alltag überzeugen muss.
Im Eco-Modus wird die Leistung auf 190 PS und 300 Nm begrenzt, was für den täglichen Einsatz weiterhin mehr als ausreichend ist. Weniger überzeugend ist die Geräuschdämmung: Abrollgeräusche dringen deutlich in den Innenraum, was auch mit den größeren Rädern und den serienmäßigen Michelin Pilot Sport 4S zusammenhängt.
Apropos Reifen: Sie beeinflussen die Reichweite unmittelbar. Nach Angaben der Marke sind bis zu 374 km zwischen zwei Ladevorgängen möglich (WLTP), allerdings nur mit den optionalen Hankook-Reifen. Diese weisen einen geringeren Rollwiderstand auf und tragen daher dazu bei, den Verbrauch zu senken.
Mit den serienmäßigen Michelin Pilot Sport 4S des Corsa GSE beträgt die Reichweite zwischen den Ladevorgängen 350 km.
Ab 42 740 Euro
Beim Preis verliert der neue Opel Corsa GSE die meisten Punkte: Er ist ab 42 740 Euro erhältlich. Damit bewegt er sich auf dem Niveau der Konkurrenz, doch das ändert nichts daran, dass dieser Betrag sehr hoch ist.
Zugleich entfernt er sich damit vom Geist der früheren Pocket Rockets beziehungsweise kleinen Sportwagen. Sie waren zwar die teuersten Varianten ihrer Baureihen, blieben aber verhältnismäßig erschwinglich. Sie galten als erreichbarer Traum für junge Menschen und für alle, die sich jung fühlten.
Der letzte sportliche Opel Corsa, der noch von einem Benzinmotor angetriebene Corsa OPC, verschwand vor 11 Jahren aus dem Verkauf. Er hatte etwas mehr als 200 PS und kostete rund 25 Tausend Euro. Unter Berücksichtigung der aufgelaufenen Inflation entspräche das heute ungefähr 31 500 Euro.
In diesen 11 Jahren hat sich vieles verändert, und die Elektrifizierung trägt erheblich zum Endpreis bei. Doch die mehr als 40 Tausend Euro für den Corsa GSE nehmen ihm die Rolle eines relativ erschwinglichen kleinen Sportwagens, die Modelle dieser Art über Jahrzehnte so begehrenswert gemacht hatte.
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