Wer sich neu erfinden will, kann das genauso gut in grellem Orange auf der Start-Ziel-Geraden einer französischen Rennstrecke tun. Damen und Herren: Das ist die Zukunft von Genesis.
Den Anfang macht dieses Modell: der Genesis GV60 Magma – bitte „magma“ mit Ihrer besten „Dr Evil“-Stimme aus Austin Powers aussprechen. Er ist das erste Serienauto der neuen Performance-Sparte von Genesis und zugleich der Auftakt zu dem, was die Marke recht selbstbewusst als ihr kommendes Jahrzehnt der „Luxus-High-Performance“ bezeichnet.
Die Idee Magma hat Genesis bereits seit einiger Zeit behutsam vorbereitet. Zu sehen waren schon ein leuchtend oranges GV80 Coupé Concept, G80-Magma-Sondermodelle, das radikale Showcar X Gran Berlinetta sowie diverse Prototypen auf Strecken wie der Nordschleife. Beim GV60 dürfen die Ingenieure ihre Ambitionen nun erstmals mit Kennzeichen versehen und tatsächlich verkaufen. Und jetzt liegen erstmals konkrete technische Daten vor.
Genesis GV60 Magma: Sportliche Basis mit deutlichem Umbau
Technisch bleibt er ein kompakter elektrischer Crossover auf derselben Plattform wie Hyundai Ioniq 5 und Kia EV6. Ähnlich wie deren N- und GT-Versionen erhält der Magma jedoch ein umfangreiches Paket sportlicher Modifikationen, das die Marke in eine neue Richtung führen soll. Selbst ohne seine knallorange Lackierung wäre die veränderte Haltung ein klarer Hinweis darauf.
Der Magma steht 20 mm tiefer, besitzt eine breitere Spur und trägt ausgeformte Kotflügelverbreiterungen mit geschmiedeten 21-Zoll-Rädern sowie Reifen der Dimension 275. Bereits der normale GV60 ist ein gelungenes Design aus der Feder des legendären Luc Donckerwolke. Er zeichnete unter anderem für Lamborghini Murciélago und Bentley Flying Spur verantwortlich und half dabei, Hyundai vom visuellen Witz zum ernstzunehmenden koreanischen Autobauer zu machen.
Vorn verfügt die Schürze über größere, tiefer gezogene Lufteinlässe und ein kleines Erkennungszeichen mit drei Öffnungen, das zugleich zusätzliche Kühlung ermöglicht. Seitenschweller und Heckschürze sind außerdem so geformt, dass sie den Luftstrom dorthin leiten, wo ihn die Ingenieure benötigen – und nicht bloß dorthin, wo die Designer ihn attraktiv finden.
Am Heck sitzen ein auffälliger Flügel und ein funktionierender Diffusor, die Abtrieb erzeugen. Genesis betont ausdrücklich, dass die Aerodynamik im Windkanal und nicht in einer Marketingrunde freigegeben wurde. Schließlich kann die Marke auf ein WEC-Programm zurückgreifen.
Bei den Leistungswerten hält sich Genesis keineswegs zurück – besonders nicht für diese Karosserieform. Zwei Elektromotoren sorgen für Allradantrieb und liefern serienmäßig kräftige 609 PS sowie 545 lb-ft beziehungsweise 739 Nm Drehmoment. Per Boost-Taste stehen kurzfristig bis zu 650 PS bereit. Die angegebene Höchstgeschwindigkeit liegt bei 164 mph beziehungsweise rund 264 km/h; mit aktivierter Launch Control sprintet der Wagen in 3,4 Sekunden von 0 auf 62 mph beziehungsweise 100 km/h. Zähne zusammenbeißen und festhalten ist dabei vermutlich ratsam.
Innenraum und Fahrwerk des Genesis GV60 Magma
Im Innenraum lautet die Richtung weniger Rennstrecken-Verkleidung als zurückhaltender Privatclub. Genau das versteht Genesis unter luxuriöser Performance. Es gibt stark konturierte Vordersitze mit gestepptem, wildlederähnlichem Bezug, orange Sicherheitsgurte und Nähte passend zum Lack sowie dunkle, reflexionsarme Oberflächen statt des Klavierlacks, zu dem sich offenbar jedes andere Premiumauto vertraglich verpflichtet fühlt.
Die beiden Displays, der auffällige drehbare Kristall-Wählhebel und die gewohnte Genesis-Technik bleiben erhalten. Dennoch entsteht der Eindruck, als habe jemand den gesamten Innenraum behutsam auf einen „Fahrer, der sich darauf konzentriert, nicht zu verunglücken“ abgestimmt.
In dieser Elektroauto-Ära sind hohe Leistungswerte und spektakuläre Zahlen vergleichsweise leicht zu erzielen. Nach Unternehmenslesart geht es bei Magma allerdings um Souveränität und Kontrolle statt Einschüchterung: Die Leistung soll nutzbar sein und offenbar weniger aggressiv oder ruppig einsetzen als im 5 N. Sollte man doch einen beschädigen, dürfte er in der örtlichen Landschaft allerdings kaum zu übersehen sein.
Damit es gar nicht erst dazu kommt, haben sich die Fahrwerksingenieure gründlich ausgetobt. Im Mittelpunkt stehen Geometrie und Fahreigenschaften, die mit der Leistung umgehen können, statt einfach nur das Drehmoment zu erhöhen und darauf zu hoffen, dass die Traktionskontrolle mithält. Die Aufhängung erhält veränderte Wankzentren, neu abgestimmte Dämpfer mit spezieller Endanschlag-Hardware sowie Lager, die dort steifer sind, wo es nötig ist, und dort nachgiebiger, wo es möglich ist.
Die Bremsanlage weicht deutlich größeren Scheiben, während die Karosseriesteifigkeit dezent erhöht wurde. Laut Genesis ist das gesamte Setup darauf abgestimmt, bei Tempo präzise die Linie zu halten, ohne das Auto auf normalen Straßen in einen Gummiball zu verwandeln.
Die Reifen sind maßgeschneiderte Pirellis, die eigens für dieses Fahrzeug entwickelt wurden – etwas, das man gewöhnlich nur von Herstellern von Hypercars hört. Zugleich wurde viel Aufwand betrieben, damit das zusätzliche Gummi und die neue Hardware den Komfort nicht beeinträchtigen. Schließlich muss der Wagen in der Stadt weiterhin wie ein vornehmer Genesis auftreten und auf der Rennstrecke schnell sein.
Magma-Fahrmodi, Drift-Modus und virtuelle Gangwechsel
Weil wir 2025 schreiben und es sich um ein schnelles Elektroauto handelt, darf selbstverständlich ein spezieller Modus nicht fehlen. Ein Druck auf die Magma-Taste verwandelt das digitale Kombiinstrument in eine Drei-Anzeigen-Darstellung mit Motor- und Batterietemperaturen, G-Meter, Rundenzeitmesser und weiteren Spielereien für Technikfans. Gleichzeitig rückt das Head-up-Display Geschwindigkeit und entscheidende Informationen in den Vordergrund.
Hinzu kommen spezifische Magma-Fahrprogramme: Sprint für den maximalen Angriff, GT für schnelles Reisen und ein individueller My Mode. Letzterer erlaubt es, e-LSD, ESC, Lenkung, Fahrwerk und Leistungsverteilung wie ein leicht zwanghafter Renningenieur einzustellen.
Dazu kommt der obligatorische Drift-Modus, der die Balance stärker zur Hinterachse verlagert und die elektronische Kontrolle lockert. Ebenfalls an Bord ist Hyundais umbenanntes Virtual Gear Shift. Ja: Wie der Ioniq 5 N und der 6 N besitzt auch dieses Elektroauto künstliche Gangwechsel.
Das System soll Rhythmus und Timing eines klassischen Performance-Autos vermitteln und das Gehirn austricksen. Der Magma ahmt deshalb das Gefühl eines hochdrehenden Motors nach, der feste Übersetzungen durchläuft – einschließlich synthetisiertem Antriebsgeräusch und Drehzahlbegrenzer. Nach ausführlichen Erfahrungen mit dem 5 N und 6 N ist das ein wirklich gelungener Partytrick.
Bis hierhin also ein ausgesprochen heißer Crossover. Doch das laute orange Auto erzählt nur die halbe Geschichte.
Genesis weiß sehr genau, dass inzwischen praktisch jede Marke eine Performance-Submarke besitzt. BMW hat M, Mercedes AMG, Audi RS und Hyundai selbst N. Der Welt mangelt es nun wirklich nicht tragisch an Emblemen, die Autos schneller machen sollen. Statt Magma als weiteres Projekt nach dem Motto „Unsere Nürburgring-Zeit ist besser als eure Nürburgring-Zeit“ zu positionieren, versuchen die Koreaner daher, das Konzept breiter zu fassen.
Intern spricht man bei Magma vom „Superhelden-Alter-Ego“ der Marke, was manche dazu bringen dürfte, ihre Finger an den Rachen zu führen. Das bisherige Design-Leitmotiv heißt „Athletic Elegance“; Magma ergänzt es um „Luxus-High-Performance“. Außerdem gibt es ein neues Emblem, damit jeder erkennt, dass dies die Marke für mehr Tempo ist. Doch es gibt auch echtes Motorsportengagement. Die zweite Hälfte des Plans fährt auf Slicks und trägt einen großen Heckflügel.
Parallel zum Straßenwagenprogramm startet Genesis Genesis Magma Racing, ein Langstrecken-Rennteam, das ab 2026 einen LMDh-Prototypen in der Langstrecken-Weltmeisterschaft einsetzen wird. Die Begründung ist bekannt: Langstreckenrennen verlangen Autos alles ab und liefern wertvolle Daten für Performance-Projekte. Zudem hat Genesis bereits einige markante, schnelle Konzepte präsentiert.
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