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GMC Sierra EV, Ford Maverick Lobo und Rivian R1T Quad: Die besten neuen Trucks

Drei moderne Elektro-Pickup-Trucks von Ford, Rivian und GMC auf einem Parkplatz bei Sonnenlicht.

„Das kann doch nicht euer Ernst sein.“ Vermutlich war das auch Ihr erster Gedanke beim Blick auf unsere, nun ja, eklektische Finalauswahl. Der kleinste Pick-up auf dem Markt tritt gegen zwei gewaltige Elektrofahrzeuge an, die ihn in jeder Hinsicht überragen. Das Auswahlprinzip war jedoch klar: die besten neuen Trucks, die in den vergangenen zwölf Monaten auf dem US-Markt eingeführt wurden. Jeder Kandidat unseres Trios hat sich seinen Platz auf der Shortlist verdient.

GMC Sierra EV: riesiger Elektro-Truck für Arbeit und Gelände

Der GMC Sierra EV ist eine grosse Sache – und vor allem schlicht riesig. Mit knapp 6,1 Metern Länge und rund 4.080 kg Gewicht wirken seine Daten fast wie aus einer Paul-Bunyan-Legende. „Ich habe gehört, der Sierra EV schafft mit einer Ladung 644 km!“ Tatsächlich kann er das, zumindest erzählt man es sich so.

Die Batterieplattform mit den daran montierten Motoren hat bereits einen bemerkenswerten Weg hinter sich. Ihr Debüt gab sie im spektakulären – weil selbst ein Spektakel – Hummer EV: einem Fahrzeug einer eingestellten Marke, das mit Elektrizität wiederbelebt wurde, wie Frankensteins allradgetriebene Schöpfung. Anschliessend bildete sie die Grundlage für den Cadillac Escalade IQ, der dem Konzept noch eine weitere Facette verlieh. Als Geländepanzer oder als cooler Cadillac für den Clubbesuch taugt die Plattform also – doch eignet sie sich auch für die Arbeit?

Fotografie: John Wycherley

GM ist davon überzeugt. Je nach Ausführung stellt der Sierra EV 625 bis 725 PS bereit; zudem ist ein 205-kWh-Akkupaket erhältlich, das eine erstaunliche Reichweite ermöglicht. Die Rede ist von 660 bis 769 km. Als AT4-Version bietet er darüber hinaus deutlich mehr Geländetauglichkeit als die Standardmodelle.

Ist er ein echter Truck für Truck-Fans und zugleich ein überzeugendes Elektroauto für EV-Enthusiasten? An diesem Punkt wird es etwas zäh – ähnlich wie der Truck selbst abseits befestigter Wege, schliesslich wiegt er verdammte 4.080 kg. Reichweite, ein technologiegeladenes Interieur, Nutzwert und genug Platz für die gesamte Familie Clampett mitsamt ihrem bescheidenen Hab und Gut bei einem Umzug quer durchs Land bringt er zweifellos mit. Dennoch beeindruckt der Sierra EV bei allem, was er kann, irgendwie trotz seiner selbst.

Ford Maverick Lobo: der kompakte Pick-up als Fahrspassmaschine

Als „David“ gegenüber den Elektro-Goliaths dieser Auswahl hat sich der Ford Maverick seit seiner Einführung vor wenigen Jahren für Tausende Menschen als echte Offenbarung erwiesen. Offenbar genügt den meisten für gelegentliche Arbeiten ein Pick-up, der tatsächlich in einen gewöhnlichen Parkplatz passt. Zunächst war er entweder als Hybrid mit Frontantrieb oder als EcoBoost-Modell mit Front- beziehungsweise Allradantrieb erhältlich. Ford hat inzwischen auf die Klagen seiner Kundschaft gehört und dem Hybrid-Allradantrieb spendiert. Ausserdem kam ein eigenständiger Tremor hinzu, Fords Baureihe geländetauglicher Truck-Varianten.

Man könnte meinen, damit seien fast alle Wünsche erfüllt. Doch in diesem Jahr stellte Ford den Lobo vor: eine stilvolle, verspielte Maverick-Variante, die – man höre und staune – einfach nur Spass machen soll. Neben seinem grundsätzlichen Nutzwert übernimmt der Maverick Lobo einige Komponenten vom Focus ST und erhält ein Fahrwerk, das auf Autocross-taugliches Handling abgestimmt ist. Eine Hinterachsantriebseinheit ermöglicht Torque Vectoring; abgerundet wird das Paket durch einen Lobo-spezifischen Fahrmodus. So wird aus dem kleinen Pick-up ein spielerisches Driftgerät, wenn er nicht gerade die täglichen Aufgaben erledigt.

Seine Gestaltung verweist auf die traditionelle Lowrider-Kultur der Street Trucks. Zwar liegt er nicht extrem tief auf der Strasse, doch etwa 2,5 cm niedriger. Ein eigenständiger Kühlergrill, tellerartige Räder und zahlreiche dezente Details heben ihn sichtbar von den übrigen Modellen ab.

Passend zur Optik setzt der Maverick Lobo auf den 2,0-Liter-EcoBoost-Turbovierzylinder mit Allradantrieb. Statt der üblichen Achtgang-Automatik des Maverick besitzt er allerdings ein eigenes Siebengang-„Quick-Shift“-Getriebe.

Die Doppelkupplungs-Hinterachsantriebseinheit ist die Geheimwaffe des Lobo. In seinem exklusiven Lobo-Fahrmodus erlaubt sie Torque Vectoring und verbessert damit das Einlenkverhalten. Das Konzept erinnert an den Track-Modus des Mustang: Einige der üblichen Sicherheitssysteme für den Strassenbetrieb werden für bessere Performance auf abgesperrter Strecke deaktiviert.

Mit lediglich 250 PS und einem Preis von rund 36.000 US-Dollar verfügt er nur über einen Bruchteil der Leistung seiner beiden Shortlist-Konkurrenten und kostet nur einen kleinen Teil von deren Preis. Trotzdem fährt er ihnen mit allem davon, was er zu bieten hat.

Der Charme des Maverick hätte ihn beinahe zu unserem Sieger gemacht. Doch der Rivian R1T Quad war einfach zu beeindruckend, um ihn zu übergehen. Anders als bei den üblichen Modellwechseln sind Rivians R1 der zweiten Generation im Grunde komplette Neuanfänge – einschliesslich dieser neuen, stärkeren Quad-Motor-Ausführung.

Rivian R1T Quad und RAD Tuner: Leistung gezielt nutzbar machen

Rivian nutzte die Gelegenheit für Innovationen, statt einfach nur mehr Leistung hineinzupacken und es dabei zu belassen. Natürlich sind 1.025 PS und 1.198 lb-ft Drehmoment beeindruckend. Aber was sollte ein auf Outdoor-Abenteuer ausgerichtetes Elektrofahrzeug damit anfangen, ausser ahnungslose Sportwagen an der Ampel stehen zu lassen? Zunächst machte Rivian den R1 im Gelände wendiger – ganz im Einklang mit dem Naturgeist der Marke. Willkommen, Kick-Turn.

Vielleicht erinnern Sie sich an den „Tank Turn“ aus Rivians ersten Tagen in der Automobilwelt. Er demonstrierte, was ein Fahrzeug mit vier unabhängig angetriebenen Rädern leisten kann, hatte über den Showeffekt hinaus aber wenig praktischen Nutzen. Fragen Sie Besitzer eines Mercedes-Benz G580, wie oft sie die „G-Turn“-Funktion ihres Fahrzeugs tatsächlich sinnvoll einsetzen.

Der Kick-Turn ist dagegen eine vernünftige, alltagstaugliche Umsetzung dieses Konzepts und passt zur Rolle des R1 als Offroad-Entdecker. Er kann sich drehen, allerdings nur auf losem Untergrund und bei einer exakt festgelegten Geschwindigkeit – etwa in einem Basislager oder auf einem engen Trail. Interessant wird es beim „Kick“-Anteil: Dasselbe System kann das Heck des R1 kontrolliert und gezielt herumwerfen, um enge Kurven sauber zu umrunden. Es ist kein Drift-Modus, erledigt die Aufgabe aber zuverlässig.

Einen Drift-Modus gibt es trotzdem. Die jüngsten Rivian-Modelle verfügen über Fahrprogramme, durch die sich Fahrer wie die Drift- und Rallyeprofis fühlen können, welche sie programmiert haben. Es ist schon erstaunlich, ein im Kern familienfreundliches Nutzfahrzeug mit einer Präzision herumzuwerfen, die normalerweise Sportwagen vorbehalten ist, die ganz auf hemmungsloses Fahren ausgelegt wurden.

Letztlich waren es jedoch weder der Kick-Turn noch die hervorragenden Fahrmodi, die uns wie Superstars fühlen liessen. Entscheidend war die Möglichkeit, das Auto mit dem Rivian RAD Tuner zum Besseren oder Schlechteren abzustimmen. Dieselben Werkzeuge, mit denen Profifahrer die erwähnten Fahrprogramme einstellen konnten, gehören nun beim R1 Quad zur Ausstattung. Dieser direkte, beispiellose Zugang vom Hersteller erlaubt es Fahrern, zahlreiche Einstellungen nach ihren Vorlieben zu verändern. Mit dem RAD Tuner kann der Rivian zu einem schwerfälligen Rekuperationsmonster oder zu einem wilden Rodeo-Ritt mit Heckantrieb werden. Entscheidend ist: Sie dürfen wählen, und die Bedienung ist absurd einfach.

Wer nichts kaputtoptimieren möchte, kann bei den voreingestellten Modi bleiben, sie bei Bedarf aber ebenfalls anpassen. Vielleicht wünschen Sie etwas mehr Leistung für steinige Anstiege oder möchten die Traktionsbegrenzung an der Hinterachse leicht lockern. Die Entscheidung liegt bei Ihnen – und genau das zählt. Bei softwarebasierten Fahrzeugen dieser Art hätten wir mit einem solchen Zugang nie gerechnet. Eine neue Generation von Garagentunern steht bereit: mit Laptops statt Werkzeugkoffern. Rivian empfängt sie mit offenen Armen. Achtung, Hersteller von Performance-Elektroautos: Rivian hat euch gerade den Fehdehandschuh vor die Füsse geworfen.

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