Der Marktanteilsverlust ausländischer Automobilhersteller in China ist keine neue Entwicklung. In den vergangenen Jahren haben chinesische Marken deutlich an Bedeutung gewonnen. Treiber sind der schnelle Fortschritt bei Elektroautos und Verbraucher, die einheimischen Herstellern zunehmend offen gegenüberstehen.
Die Folgen dieses Wandels sind historisch: Im ersten Halbjahr dieses Jahres sank der Marktanteil ausländischer Hersteller auf 28 % – einschließlich der Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Partnern. Wie tiefgreifend die Veränderung ausfällt, zeigt der Vergleich mit 2020: Damals hielten diese Marken laut Daten der China Association of Automobile Manufacturers (CAAM) noch mehr als 60 % des chinesischen Automobilmarkts.
Deutsche Automobilhersteller in China besonders unter Druck
Zu den am stärksten betroffenen Unternehmen zählen die deutschen Automobilhersteller. Über Jahrzehnte war China das wahre Eldorado für Marken wie Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW. Zwischen 2019 und 2021 entfielen rund 40 % ihrer weltweiten Verkäufe auf den chinesischen Markt.
Inzwischen hat sich die Lage grundlegend verändert. Im ersten Halbjahr gingen die Volkswagen-Verkäufe in China laut Yicai um 26 % zurück. Mercedes-Benz verzeichnete ein Minus von 28 %, Audi von 19 % und BMW von 20 %. Der Druck trifft jedoch nicht nur europäische Marken: Toyota verlor 17 %, Nissan 15 % und Honda sogar 35 %.
Das Kräfteverhältnis hat sich verschoben
Der Übergang zum Elektroauto war nach Angaben von Wang Qian, stellvertretender Geschäftsführer des chinesischen Automobilherstellers Dongfeng, einer der Auslöser für diese Entwicklung.
Über viele Jahrzehnte beherrschten ausländische Hersteller den chinesischen Markt dank ihres technologischen Vorsprungs. Während die lokalen Partner Produktion und Vertrieb übernahmen, lieferten die internationalen Konzerne die Technik. Mit der Elektrifizierung geriet dieses Gleichgewicht ins Wanken.
Statt europäischen, nordamerikanischen und japanischen Herstellern zu folgen, übernahmen chinesische Marken bei Elektroautos die technologische Führung. Dabei profitieren sie von einer stärker etablierten Batterie-Lieferkette, wettbewerbsfähigen Produktionskosten und kürzeren Entwicklungszyklen.
Hersteller wie BYD, Geely, Li Auto, Xiaomi, Aito und Xpeng konkurrieren inzwischen nicht allein über den Preis. Auch Technologie, Reichweite, Software und Fahrerassistenzsysteme spielen eine Rolle – Bereiche, in denen ausländische Hersteller noch vor wenigen Jahren als Maßstab galten.
Neue Strategien für den chinesischen Markt
Um wieder wettbewerbsfähiger zu werden, verabschieden sich ausländische Automobilhersteller zunehmend vom Ansatz, globale Modelle lediglich an China anzupassen. Stattdessen setzen sie auf Fahrzeuge, die von Beginn an speziell für diesen Markt entwickelt werden.
Volkswagen verfolgt diesen Weg mit der Modellreihe ID. UNYX. Audi hat sogar eine eigene Marke ausschließlich für China geschaffen: AUDI ohne die ikonischen vier Ringe. Sie wurde gezielt darauf ausgelegt, die Anforderungen chinesischer Verbraucher zu erfüllen.
Chinesische Automobilhersteller expandieren in Europa
Die Vorliebe für chinesische Fahrzeuge beschränkt sich längst nicht mehr auf den heimischen Markt. Auch in Europa bauen chinesische Hersteller ihre Präsenz deutlich aus.
Im ersten Halbjahr dieses Jahres erreichte ihr Anteil am europäischen Markt 10,9 %. Zudem wird das Verkaufsranking bei Plug-in-Hybriden inzwischen von chinesischen Automobilherstellern angeführt.
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