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Hyundai Tucson Hybrid im Test: Der markante Familien-SUV

Grüner Hyundai Tucson Hybrid SUV steht in einem Autohaus neben Ladestationen auf glänzendem Boden.

Er könnte sich kaum stärker von seinem Vorgänger unterscheiden. Ob man ihn nun mag oder nicht: Das Design des neuen Hyundai Tucson bricht nicht nur radikal mit der Vergangenheit, sondern macht den erfolgreichen SUV auch zu einem der markantesten Modelle seines Segments. Zahlreiche Passanten drehten sich nach dem neuen SUV um, besonders wegen seiner ungewöhnlichen Lichtsignatur an der Front.

Der neue SUV fällt durch seine ausdrucksstarke, mutige Gestaltung und die dynamische Linienführung auf. So weit wie Hyundai würde ich allerdings nicht gehen und diesen neuen Stil als „Sensuous Sportiness“ (sinnliche Sportlichkeit) bezeichnen – sinnlich ist dafür meiner Ansicht nach nicht gerade das treffendste Adjektiv …

Die Neuerungen der vierten Tucson-Generation beschränken sich jedoch keineswegs auf den auffälligen Auftritt. Bereits die Basis ist neu: Die Plattform N3 ließ ihn in allen Dimensionen leicht wachsen, was sich auch in großzügigeren Innenraummaßen gegenüber dem Vorgänger bemerkbar macht.

Ein echtes Familienauto

Das reichliche Platzangebot an Bord ist ein starkes Argument für den neuen Hyundai Tucson als Familienfahrzeug. Trotz seines sehr expressiven Exterieurs wurde zudem die Übersicht für die Insassen nicht vernachlässigt. Auch die Fondpassagiere können vergleichsweise problemlos nach draußen sehen – was bei manchen heutigen Modellen keineswegs selbstverständlich ist.

Bedauerlich ist lediglich, dass selbst die getestete Topausstattung Vanguard keine Luftausströmer im Fond bietet. Dafür stehen dort zwei USB-C-Anschlüsse zur Verfügung.

Eine interessante Besonderheit: Der neue Hyundai Tucson Hybrid besitzt mit 616 l den größten Kofferraum innerhalb der Baureihe. Vermutlich ist er auf dem Markt ein Einzelfall, bei dem die Hybridvariante mehr Gepäckraum bietet als die einfacheren Benzin- und Dieselversionen. Möglich wird das, weil die Batterie unter der Rückbank statt unter dem Kofferraumboden untergebracht ist.

Optisch wirkt der Innenraum zwar weniger expressiv als die Karosserie, vollzieht aber ebenfalls einen deutlichen Bruch mit der Vergangenheit. Horizontale Linien dominieren, ergänzt durch sanfte Übergänge, die den Eindruck von Eleganz verstärken. Trotz zweier großzügig dimensionierter Digitaldisplays entsteht ein wohnlicher, fast schon „zenartiger“ Eindruck.

In der Ausstattung Vanguard umgeben die Insassen überwiegend Materialien, die sowohl optisch als auch haptisch überzeugen. An den am häufigsten berührten Flächen dominiert Leder. Alles ist zudem solide verarbeitet, wie man es von Hyundai kennt, sodass der neue Tucson in dieser Disziplin ohne Weiteres zu den besten Angeboten im Segment zählt.

So gelungen der Innenraum insgesamt ist, gibt es einen Kritikpunkt: die Touch-Bedienelemente auf der Mittelkonsole. Sie sind in eine glänzend schwarze Fläche integriert und sorgen damit für ein aufgeräumteres, hochwertigeres Erscheinungsbild. Funktional bleiben sie jedoch etwas hinter den Erwartungen zurück: Der Blick muss länger von der Straße abgewandt werden, und haptisches Feedback fehlt. Beim Antippen geben sie allerdings einen Ton aus.

Elektrifizieren, elektrifizieren, elektrifizieren

Auch bei den Antrieben bringt der neue Hyundai Tucson zahlreiche Veränderungen. Sämtliche in Portugal angebotenen Motorisierungen sind elektrifiziert. Die normalen Benzin- und Dieselversionen werden mit einem 48-V-Mild-Hybrid-System kombiniert, während der hier getestete Tucson Hybrid eine völlig neue Variante im Programm darstellt. Später wird außerdem ein Plug-in-Hybrid folgen.

Der Hybrid kombiniert einen 1,6 T-GDI-Benziner mit 180 PS mit einem Elektromotor mit 60 PS. Daraus ergibt sich eine Systemleistung von 230 PS und ein Drehmoment von 350 Nm. Die Kraft gelangt ausschließlich an die Vorderräder – in anderen Märkten ist ein Hybrid mit Allradantrieb erhältlich – und wird über eine Sechsgang-Automatik mit Drehmomentwandler übertragen.

Als Vollhybrid lässt sich der Hyundai Tucson Hybrid nicht an einer Steckdose aufladen. Seine Batterie gewinnt Energie beim Verzögern und Bremsen zurück. Mehr ist auch nicht erforderlich, denn ihre Kapazität beträgt lediglich 1,49 kWh – also sieben- bis achtmal weniger als bei den meisten Plug-in-Hybriden. Hyundai hat daher nicht einmal eine elektrische Reichweite angegeben; bei solchen Hybriden liegt sie üblicherweise ohnehin nicht über 2–3 km.

Das erklärt auch das Fehlen eines rein elektrischen Fahrmodus – und ehrlich gesagt wird er nicht vermisst. Schließlich fährt man erstaunlich häufig ausschließlich mit dem Elektromotor, obwohl dieser nur 60 PS leistet. Dafür stehen jedoch „sofort“ 264 Nm bereit.

Wer behutsam mit dem rechten Pedal umgeht, kann im Stadt- und Vorstadtverkehr bis 50–60 km/h beschleunigen, ohne den Verbrennungsmotor zu wecken. Selbst bei höherem Tempo kann unter passenden Bedingungen – abhängig von Batterieladung, Gaspedalstellung und weiteren Faktoren – der Elektromotor allein arbeiten. Sogar bei 120 km/h auf der Autobahn ist das für kurze Strecken möglich, was ich selbst feststellen konnte.

Soll er sparsam sein …

Theoretisch … ja. Ich schreibe theoretisch, weil die zunächst ermittelten Verbrauchswerte höher ausfielen als erwartet. Dabei muss berücksichtigt werden, dass dieses Testfahrzeug noch sehr wenige Kilometer gefahren war. Zusammen mit der herrschenden Kältewelle scheint dies zu den ungewöhnlichen Ergebnissen beigetragen zu haben – insbesondere in der heutigen WLTP-Ära, in der die Abweichungen zwischen offiziellen und realen Werten meist gering ausfallen.

Dieses Exemplar schien eine ausgiebige Einfahrphase zu benötigen. Gesagt und beinahe getan: Eine lange Fahrt über Landstraßen und Autobahnen war ideal, um dem Tucson zusätzliche Kilometer zu verschaffen und Klarheit zu schaffen. Nach einigen hundert weiteren Kilometern zeigten die Verbrauchswerte eine erfreuliche Entwicklung, doch leider neigte sich die Testzeit mit dem Tucson Hybrid bereits dem Ende zu.

Dennoch ließen sich im Stadtverkehr Verbräuche zwischen knapp über fünf und knapp über sechs Litern erzielen. Bei gleichmäßigem, moderatem Tempo lagen sie leicht unter 5,5 l/100 km. Das ist für 230 PS und knapp 1600 kg durchaus beachtlich. Mit mehr Kilometern und einer längeren Testdauer schien sogar noch etwas Verbesserungspotenzial vorhanden zu sein – vielleicht bei einer nächsten Gelegenheit. Diese letzten Werte passen auch besser zu unseren Ergebnissen mit anderen Hybrid-SUV des Segments wie dem Toyota RAV4 oder dem Honda CR-V.

Sanft im Betrieb, aber …

Abseits des Verbrauchs fährt man hier ein Fahrzeug mit einem komplexen Antriebsstrang, bei dem Verbrennungsmotor, Elektromotor und Automatikgetriebe harmonisch zusammenspielen müssen. Im Großen und Ganzen gelingt das gut. Der neue Hyundai Tucson Hybrid vermittelt einen geschmeidigen und kultivierten Fahreindruck.

Im Sport-Modus – neben ihm bietet der Tucson Hybrid nur noch den Eco-Modus – zeigt sich jedoch ausgerechnet das Getriebe als weniger stimmig, wenn man die 230 PS auf kurvigen Straßen entschlossener nutzen möchte. Es neigt dazu, einen Gang zu lange zu halten oder beim Herausbeschleunigen aus Kurven unnötig zurückzuschalten. Dieses modus operandi ist allerdings nicht nur bei diesem Modell anzutreffen, sondern findet sich häufig auch bei Automatikgetrieben anderer Marken.

Besser gefällt die Getriebesteuerung im Eco-Modus, wo sie stets zu wissen scheint, was zu tun ist. Idealerweise ließe sie sich mit der Lenkung im Sport-Modus kombinieren: Diese wird gegenüber Eco angenehm, wenn auch nicht übermäßig, schwergängiger.

Eher Langstreckenwagen als Sportler

Zunächst muss festgehalten werden, dass die 230 PS vollständig verfügbar sind, wenn man sie benötigt. Bei entschlossenem Tritt aufs Gaspedal beschleunigt der neue Tucson kraftvoll – die Fahrleistungen bewegen sich auf einem sehr guten Niveau.

Treffen diese Fahrleistungen jedoch auf eine kurvenreiche Strecke, wird deutlich, dass der Hyundai Tucson den Komfort seiner Insassen höher bewertet als den Anspruch, der dynamischste SUV des Segments zu sein. Schließlich bleibt er ein SUV für Familien. Und für alle, die noch mehr Leistung und fahrdynamische Schärfe suchen, soll noch in diesem Jahr ein Tucson N folgen.

Davon abgesehen bleibt das Fahrverhalten jederzeit gesund und berechenbar, mit progressiven Reaktionen, guter Wirksamkeit und ohne unangenehme Eigenheiten. Bei zügiger Fahrweise bewegt sich die Karosserie allerdings etwas stärker. Seine eigentliche Stärke zeigt dieser Tucson eindeutig auf langen Fahrten über offene Straßen.

Auf wichtigen Landstraßen und Autobahnen fühlt sich der neue Hyundai Tucson besonders wohl. Er überzeugt dort mit hoher Stabilität und einer sehr guten Fähigkeit, die meisten Unebenheiten zu absorbieren. Zum Komfort tragen auch die Sitze bei, die selbst über längere Zeit nicht ermüden und gleichzeitig einen angemessenen Halt bieten. SUV-typisch sitzt man höher als üblich, doch dank der umfangreichen Einstellmöglichkeiten von Sitz und Lenkrad findet sich leicht eine gute Fahrposition.

Die einzige Schwachstelle in seiner Rolle als Langstreckenfahrzeug ist die Geräuschdämmung, vor allem die aerodynamische. Windgeräusche sind deutlich stärker wahrnehmbar als beispielsweise in einem Volkswagen Tiguan.

Ist er das richtige Auto für mich?

Der neue Hyundai Tucson Hybrid erweist sich als eines der kompetentesten und wettbewerbsfähigsten Angebote seines Segments.

Ich hatte auch kurz Gelegenheit, den Tucson 1.6 CRDi 7DCT (Diesel) zu fahren, und empfinde ihn wegen seiner spürbar größeren Leichtigkeit, Agilität und stärkeren Verbindung zum Fahrzeug sogar als interessanter zu fahren als den Hybrid – obwohl der Hybrid den kultivierteren Antrieb besitzt. Objektiv betrachtet „zerlegt“ der Hybrid den Diesel jedoch.

Er bietet nicht nur Fahrleistungen auf einem anderen Niveau – immerhin stehen 94 PS mehr zur Verfügung –, sondern ist sogar etwas … günstiger. Hinzu kommt das große Sparpotenzial, vor allem im Stadtverkehr, wo der Elektromotor die Hauptarbeit übernimmt. Es fällt schwer, einen anderen Tucson als diesen in Betracht zu ziehen.

Auch im Vergleich mit Toyota RAV4 und Honda CR-V, seinen engsten Hybrid-Rivalen, verliert dieses Angebot nichts von seiner Wettbewerbsfähigkeit, denn der neue Hyundai Tucson Hybrid ist günstiger als beide. Ob man den mutigen Stil des Tucson nun mag oder nicht: Er verdient es definitiv, näher kennengelernt zu werden.

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