Ein Konzeptauto, das keine Erklärung braucht
Manche Konzeptfahrzeuge wirken, als müsste man erst eine Schutzbrille aufsetzen und ein Datenkabel in die linke Augenhöhle stecken – als nähmen sie den „Konzept“-Teil viel zu wörtlich. Der Mazda Iconic SP gehört nicht in diese Kategorie. Fast schon im Gegenteil: Er sieht auf eine beinahe unverschämt saubere Weise seriennah aus – so makellos, dass man sich schwer vorstellen kann, wie das in einer Welt voller Vorschriften exakt so durchginge. Trotzdem bleibt der Kern: Das Beste an diesem Mazda ist, dass er keine Hintergrundgeschichte verlangt und nichts entschlüsselt werden muss. Man muss ihn nicht „verstehen“, um ihn gut zu finden: ein klassischer Zweisitzer mit traditionellen Proportionen. Eine Idee aus der nahen Zukunft. Und ja – möglicherweise ist er der neue RX-7.
Oder… vielleicht auch nicht. Wie so oft sind Absicht und Realitätsnähe bewusst nebulös, selbst wenn man die Hinweise zusammensetzt. Vorgestellt wurde das Auto zeitgleich mit einem aufgefrischten MX-5, und einige Details – vor allem die Front – ließen vermuten, hier könnte der nächste Roadster-Entwurf stehen. Nur wäre er, falls er tatsächlich käme, flacher, breiter und stärker als jeder MX-5. Und dann ist da noch: ein Rotationsmotor. Das schreit doch nach RX-7, oder?
Fotos: John Wycherley
8 Minuten 4 Sekunden
Antrieb des Mazda Iconic SP: Elektro mit Rotationsmotor als Range-Extender
Ganz so, wie es auf den ersten Blick wirkt, ist es allerdings nicht: Ja, ein Wankelmotor steckt drin – aber als kompakter Zweischeiben-Rotationsmotor, vorne so platziert, dass eine perfekte 50:50-Gewichtsverteilung möglich ist. Seine Aufgabe ist nicht der direkte Vortrieb, sondern das Nachladen des Akkupakets in der Mitte. Dieses speist wiederum den hinten montierten Elektromotor. Die Systemleistung wird im Bereich von 365bhp angegeben, und das angestrebte Gewicht mit Hinterradantrieb liegt bei 1.450kg. Damit wäre er sehr schnell, aber nicht auf eine unangenehme, überfordernde Art – eher ein Gewicht, das sich noch mit normalen Fahrwerkskonzepten sinnvoll bändigen lässt.
Im Kern ist es also ein Elektroauto mit Reichweitenverlängerer. Mazda sagt zudem, der Verbrenner könne mit unterschiedlichen nachhaltigen Kraftstoffen laufen. Das klingt nach klassischem Konzeptauto-Vokabular, doch das Grundprinzip arbeitet bereits im Mazda MX-30 R-EV SUV. Es für etwas „würzigeres“ hochzurüsten, ist daher weniger abwegig, als es zunächst klingt. Und hochrüsten ließe es sich: Der Antriebsbaukasten ist im Grunde modular – größere Motoren, größere Batterien, ein stärkerer Generator.
Dazu kommt eine Vehicle-to-Load-Funktion, mit der sich etwa Campinglampen betreiben ließen – oder im Fall eines Stromausfalls möglicherweise sogar das eigene Zuhause. Bedeutet: Man könnte ein Haus mit Rotationsmotor haben.
„Er ist der Sohn des RX-7… Mazdas legendärer und vielfach vermessener Sportwagen, auf den neuesten Stand gebracht“
RX-7-Erbe, Exterieur und Innenraum: weniger Show, mehr Substanz
Damit ist er – egal, was irgendwer behauptet – der Sohn des RX-7. Mazdas legendärer Sportwagen, modernisiert nach dem Ende des FD im Jahr 2002. Den RX-8 und das RX Vision Concept von 2015 blenden wir an dieser Stelle aus und halten uns an das, was man hier sieht: Der Iconic SP trägt eine Art Rudiment von Klappscheinwerfern – eher als hochklappbare LED-Klappen – und eine straffe, reduzierte Formensprache, die ihre Freude aus der Einfachheit zieht. Ehrlich gesagt steckt in der Abwesenheit offensichtlicher Aero-Spielereien mehr Gedanke als in einem dramatischen Heckflügel. Mehr Faszination für das Strenge als für das Aufgesetzte. Er ist wunderschön.
Dieses Gefühl setzt sich im Innenraum fort. Auch hier ist es ein ruhiges, klares Cockpit, das weder eine Präsentation noch drei Tage Schulung braucht, um verstanden zu werden. Es gibt einen dezenten zentralen Touchscreen, ein Fahrerdisplay und ein kleines, kräftig dimensioniertes Lenkrad. Auf der Mittelkonsole sitzen ein paar Schieberegler, die beim Konzept zwar wie eine Gangwahl beschriftet sind, sich aber eher so anfühlen, als würden sie als Klimabedienung oder Fenster-Schieber Sinn ergeben. Die Übersicht wirkt ordentlich, und das Auto trägt innen nicht übermäßig auf – genau die Art von Eigenschaften, die man bei einem Straßenauto sucht.
Natürlich bestehen die Materialien aus nachhaltigen und recycelten Komponenten – BioMaterial hier, aus Flachs abgeleitet dort. Entscheidend ist aber etwas anderes: Die erstaunlich bequemen Sitze sind mit blauem Cord bezogen. Und Cord ist bekanntermaßen das Revier der Modebewussten. Näher an der Realität geht es kaum.
[Inline-Galerie: thematisch, Delta 0]
Menschen hinter dem Projekt
Der eigentliche Grund zur Freude am Iconic SP ist jedoch das Team, das ihn entwickelt hat. Chefdesigner Masashi Nakayama – bekannt durch den MX-5 – ist überzeugt, dass die Rückkehr elektrischer Antriebe in Ordnung ist, solange die Idee von Fahrfreude erhalten bleibt. Und genau so jemanden möchte man an der Spitze einer Traumabteilung: ein mentaler Kraftprotz, dessen Begeisterung aus ihm herausperlt wie Champagner aus einer geöffneten Flasche.
Für Masashi-san ist die direkte Verbindung zwischen Fahren und Glück selbstverständlich. Er trägt die Überzeugung in sich, dass das richtige Auto mehr sein kann als nur eine Transportlösung. Er beschreibt, dass ein Fahrzeug vor allem instinktiv ansprechen soll – nicht über rationales Abwägen. Er will Autos gestalten, die zu Verbündeten von Abenteuern werden, statt nur Mittel zum Zweck zu sein.
In vielerlei Hinsicht sind Menschen wie er der Grund, beim Blick auf elektrische Sportwagen optimistisch zu bleiben: Er begreift, dass Schönheit und Fahrspaß zusammengehören – eine enthusiastische Verbindung statt einer Zweckgemeinschaft. Und wenn der Iconic SP das Ergebnis dieses Denkens ist, sieht die Zukunft gut aus.
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