Moment mal: Type S? Meinst du nicht Type R?
Nein, aber der Gedanke geht in die richtige Richtung. Der Integra Type S ist Acuras Interpretation des enorm gefragten Honda Civic Type R – entsprechend fällt seine Ausstattungsliste länger aus, ebenso wie der Preis.
Trotzdem ist er keine bloß lederbezogene Kopie von Hondas beeindruckendem Kompaktsportler. Im Gegenteil: Der Integra Type S besitzt einen ganz eigenen Charakter. Er geht etwas sanfter und komfortabler zur Sache, ist aber genauso reizvoll. Als sportlicher Kompakter lässt er sich im Alltag leichter nutzen – und das ist ganz ohne Zweifel ein Vorteil.
Komfortabler und weicher? Es geht doch um einen Kompaktsportler …
Keine Sorge: Acura hat einen tadellosen Civic Type R nicht zu einer schwammigen Luxuslimousine umgebaut. Der Integra Type S macht ausgesprochen viel Spaß, wirkt lediglich etwas weniger kompromisslos.
Das zeigt sich etwa am Fahrwerk. Wie der Civic verfügt auch der Integra über adaptive Dämpfer, allerdings mit einer komfortableren Abstimmung. Laut Acura entspricht der Sport-Modus des Integra ungefähr dem Comfort-Modus des Civic; Sport+ im Type S orientiert sich wiederum am Sport-Modus des Type R.
Da die Unterschiede zwischen den Fahrprogrammen nicht extrem ausfallen, leidet weder das Durchpflügen enger Kehren noch die Stabilität auf schnellen Landstraßen. Der Integra Type S ist von Beginn an auf Agilität ausgelegt. Seine spezielle Abstimmung sorgt nur dafür, dass er im Comfort-Modus bei einer einstündigen Autobahnfahrt weniger hoppelt als der Civic. Extrem harte Sportwagen sind schließlich nur begrenzte Zeit angenehm.
Acura Integra Type S: Macht er weiterhin richtig Spaß?
Absolut. Das Sperrdifferenzial des Integra verteilt die Kraft auf dieser Plattform mit Frontantrieb hervorragend, greift aber nicht so übertrieben korrigierend ein, dass beim Beschleunigen aus Kurven jedes spielerische Antriebseinfluss-Lenkmoment verschwindet. Eine gelungene Lenkungsabstimmung gehört zu Hondas Stärken – und damit auch zu denen von Acura. Die direkte Lenkung macht den Integra leichtfüßig und handlich.
Michelin Pilot Sport 4S-Sommerreifen sitzen auf 19-Zoll-Rädern, die man durchaus in Bronze bestellen sollte. Ihr Grip reicht locker für kurvenreiche Bergstraßen und alles, was unterhalb eines Rennstreckeneinsatzes liegt. Schnell wird klar, dass der Integra Kurven mit höherem Tempo nimmt, als zunächst erwartet. Auch die großen Brembo-Vorderradbremsen mit 350 mm Durchmesser verkraften wiederholte harte Bremsmanöver. Je entschlossener man den Integra fährt, desto mehr möchte er mitspielen. Vielleicht ist er nicht ganz so kompromisslos wie der Civic Type R, doch nach einigen Stunden am Steuer spielt das keine Rolle mehr.
Und der Motor überzeugt ebenfalls, oder?
Und wie. Im Integra Type S arbeitet derselbe aufgeladene 2,0-Liter-Reihenvierzylinder wie im Civic Type R, wobei der Acura sogar minimal mehr Leistung bietet: 320 PS gegenüber 315 PS beim Honda. Beide Fahrzeuge stellen 420 Nm Drehmoment bereit, die ab 2.600 U/min mit voller Wucht einsetzen.
Wer Type R und Type S direkt hintereinander fährt, spürt die unterschiedliche Abstimmung des Antriebsstrangs deutlich. Der Civic liefert Leistung abrupter und unmittelbarer ab, während der Integra sein Drehmoment – vor allem bei mittlerer Gaspedalstellung – wesentlich linearer entfaltet. Deshalb muss man vor einer Kurve beim Bremsen nicht automatisch herunterschalten und kann im sechsten Gang auf der Autobahn einfach Gas geben, um einen langsameren Verkehrsteilnehmer zu überholen.
Bedeutet das, dass der Type S die automatische Zwischengasfunktion des Type R hat?
Ja, und das ist gut so. Puristen beklagen bei dieser Technik gern, sie nehme dem klassischen Zwischengasgeben mit Ferse und Spitze etwas weg. Doch im Berufsverkehr bei jedem Herunterschalten Ferse und Spitze einsetzen zu müssen, nur um sauber die Gänge zu wechseln, ist ausgesprochen unerquicklich. Und wer bei einer unterhaltsamen Wochenendausfahrt selbst aktiv werden möchte, kann die Zwischengasfunktion ganz einfach deaktivieren.
Davon abgesehen dürfte Einigkeit darüber herrschen, dass das Getriebe des Integra hervorragend ist: Die Schaltwege sind kurz, und die Kupplung lässt sich präzise dosieren. Der kurze Schalthebel von Acura ist seitlich mit Leder bezogen, seine Metallkuppe liegt jedoch frei – bereit, an einem heißen Sommertag das Schaltschema in die Handfläche zu brennen.
Klingt erstklassig. Aber wie steht es um den Klang des 2,0-Liter-Motors?
Der Turbomotor selbst ist akustisch nicht gerade ein Genuss, doch die drei großen Endrohre am Heck erzeugen einen sonoren Auspuffsound. Außerdem öffnet im Sport+-Modus eine aktive Abgasklappe, sodass all die knisternden und ploppenden Geräusche zu hören sind, die Kompaktsportler so sympathisch machen.
Gleichzeitig bleibt es im Innenraum des Integra vergleichsweise ruhig – jedenfalls leiser als im Civic Type R. Honda entfernte im Type R etwas Dämmmaterial, um Gewicht zu sparen, während Acura dieses im Type S beibehielt. Das senkt Wind- und Reifengeräusche bei höherem Tempo. Auch der Gewichtsnachteil hält sich in Grenzen: Mit 1.460 kg wiegt der Integra Type S nur 14 kg mehr als ein Civic Type R. Das ist durchaus respektabel.
Gibt es denn auch Nachteile?
Ja, ein paar, aber meist handelt es sich um kleinere Kritikpunkte. Am meisten stört, dass der Integra keinen Heckscheibenwischer besitzt – an regnerischen Morgen ist das unerquicklich. Acura erklärt, das Auto sei aerodynamisch genug, um während der Fahrt Wasser von der Scheibe abzuleiten, doch das hat sich nach meiner Erfahrung nie bestätigt. Außerdem hat der Civic einen Heckscheibenwischer. Wirklich jetzt.
Auch beim Infotainment liegen Acura und Honda meines Erachtens etwas hinter der Zeit. Der zentrale 9-Zoll-Bildschirm ist ordentlich, aber die Software ist schlicht und die Menüführung umständlich. Wenigstens funktionieren Apple CarPlay und Android Auto kabellos. Jeder Integra Type S hat zudem serienmäßig Acuras kraftvolle ELS-Stereoanlage mit 16 Lautsprechern sowie ein vollständiges Paket an Fahrerassistenzsystemen an Bord. Sogar ein adaptiver Tempomat ist vorhanden – ja, trotz Handschaltung.
Wie ist der restliche Innenraum des Integra Type S?
Er wirkt hochwertig und ist eindeutig luxuriöser als der des Civic Type R. Die vorderen Ledersportsitze sind elektrisch verstellbar, dreistufig beheizbar und stützen ausreichend, um den Körper bei zügiger Fahrt sicher an Ort und Stelle zu halten. Auch die Sitzposition überzeugt: Selbst bei niedrigster Einstellung ist der Blick über die Motorhaube gut.
Auf der Rückbank finden tatsächlich Erwachsene Platz, wobei größere Personen wegen der stark abfallenden Dachlinie etwas beengt sitzen. Bei aufgestellten Rücksitzen fasst der Kofferraum zudem respektable 688 Liter, wobei Acura keinen Wert für umgelegte Rücksitze nennt. Die relativ hohe Ladekante macht das Einladen schwerer Gegenstände allerdings etwas umständlich. Besser, man holt sich Hilfe.
Die Entscheidung: Integra Type S oder Civic Type R?
Beide Autos sind großartig, und letztlich entscheidet, worauf man persönlich Wert legt. Der Civic ist das deutlich fokussiertere Fahrzeug, auf der Straße etwas präziser und für die Rennstrecke klar besser geeignet. Dafür wirkt er kantiger, und sein großer Heckflügel verkündet seine Ambitionen lautstark – auch wenn das Design des Type R heute zurückhaltender ausfällt als früher.
Der Acura hingegen ist ein Kompaktsportler, mit dem man problemlos täglich zum seriösen Job für Erwachsene fahren und dennoch ernst genommen werden kann. Er ist komfortabler als der Civic und bietet im Innenraum deutlich mehr Annehmlichkeiten, ohne beim Fahrspaß zu sparen. Allerdings kostet der Acura ab 51.995 US-Dollar einschließlich 1.195 US-Dollar Überführungsgebühr und damit 7.105 US-Dollar mehr als ein Civic. Das ist keineswegs wenig.
Ich sagte „Entscheidungszeit“. Kein Herumdrucksen mehr.
Also gut: Für mich wäre es der Integra. Ich halte ihn für den attraktiveren der beiden Kompaktsportler und – seufz – ich bin Ende 30 und möchte auf schnellen Bergstraßen den behaglichen Komfort beheizter Sitze genießen. Sein größter Vorzug besteht darin, dass er kaum etwas von der beeindruckenden Performance des Type R einbüßt und zugleich mein Bedürfnis nach luxuriöser Ausstattung in einem Alltagsauto erfüllt. Der Civic Type R ist ein Kracher, aber der Integra Type S ist ohne Frage das bessere Gesamtpaket.
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