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Lamborghini Huracán STO: der ultimative Rennstrecken-Supersportwagen

Blauer Lamborghini Huracán STO mit orangen Akzenten und schwarzem Heckspoiler in Innenraum-Ausstellung.

Super Trofeo Omologata – auf Italienisch klingt einfach alles besser. Dafür steht das neue Kürzel STO bei Lamborghini; in diesem Fall bezeichnet es den neuen Huracán STO, die kompromissloseste, für den Straßenverkehr zugelassene Rennstreckenversion des italienischen Supersportwagens. Vielversprechend …

Ausgerechnet an dem Tag, an dem die Rückkehr von Stephan Winkelmann als Lamborghini-CEO offiziell bestätigt wurde – parallel zu seiner weiterhin bestehenden Funktion bei Bugatti –, enthüllt die Marke mit dem wütenden Stier eines ihrer radikalsten Modelle aller Zeiten.

Der neue Huracán STO setzt dort an, wo der Huracán Performante aufhört. Lamborghini nutzte sämtliche Erfahrungen aus dem Rennsport mit dem Huracán Super Trofeo Evo und dem Huracán GT3 Evo. Gemeinsam mit der Squadra Corse, der eigenen Motorsportabteilung, entstand so der ultimative Huracán, der uns auf jeder Rennstrecke zum „Gott“ machen soll.

Zunächst verzichtet der STO im Unterschied zum Performante auf Allradantrieb. Allein das Fehlen des angetriebenen Vorderachssystems trägt maßgeblich dazu bei, dass er 43 kg weniger auf die Waage bringt. Sein Trockengewicht beträgt 1339 kg.

Neben dem Verzicht auf den Frontantrieb kommen nun Magnesiumräder zum Einsatz, die leichter als Aluminiumräder sind. Die Windschutzscheibe wiegt 20 % weniger, mehr als 75 % der Karosserieteile bestehen aus Kohlefaser, und selbst der bereits aus Kohlefaser gefertigte Heckflügel erhielt eine neue Sandwichstruktur. Dadurch werden 25 % weniger Material benötigt, ohne dass die Steifigkeit darunter leidet. Und dann wäre da noch der „Cofango“ …

„Cofango“?!

Dieses von Lamborghini geschaffene Wort wirkt fast so rätselhaft wie Donald Trumps Tweet mit dem Begriff Covfefe. „Cofango“ setzt sich aus cofano und parafango zusammen, den italienischen Begriffen für Motorhaube und Kotflügel. Gemeint ist ein neu entwickeltes, einteiliges Bauteil, das diese beiden Elemente einschließlich der vorderen Stoßstange miteinander verbindet.

Nach Angaben von Lamborghini senkt diese Lösung nicht nur das Gewicht, sondern ermöglicht zugleich einen besseren und schnelleren Zugang zu den Komponenten unter dem „Cofango“ – ganz wie im Rennsport. Als Vorbilder nennt die Marke außerdem den legendären Miura sowie den jüngeren, äußerst seltenen Sesto Elemento, die beide eine vergleichbare Lösung aufweisen.

Noch wirksamere Aerodynamik des Huracán STO

Am „Cofango“ befinden sich zudem mehrere Aerodynamik-Komponenten: neue Luftkanäle an der Stelle der üblichen vorderen Motorhaube, ein neuer Frontsplitter und Luftauslässe oberhalb der Räder. Sie optimieren den Luftstrom für Aufgaben wie die Kühlung – vorne sitzt ein Kühler – und senken gleichzeitig den Luftwiderstand, während sie den Abtrieb erhöhen.

Vom Super Trofeo EVO übernimmt der neue Huracán STO einen hinteren Kotflügel, der die Stirnfläche reduziert und damit weniger Luftwiderstand sowie mehr Abtrieb erzeugt. Darin ist außerdem ein NACA-Lufteinlass für den Motor integriert. Damit der V10 besser atmen kann, gibt es zusätzlich einen Lufteinlass oberhalb des Dachs. Eine senkrechte Finne an dieser Stelle stabilisiert den STO aerodynamisch, vor allem in Kurven.

Der Heckflügel mit seinen zwei ebenen Profilen lässt sich manuell einstellen. Das vordere Profil kann in drei Positionen verstellt werden, was den Abtrieb verändert: Je kleiner der Abstand zwischen vorderem und hinterem Profil ausfällt, desto höher ist der Abtrieb.

Lamborghini zufolge erreicht der Huracán STO den höchsten Abtrieb seiner Klasse und zugleich die beste aerodynamische Balance unter den Fahrzeugen mit Hinterradantrieb. Die Zahlen der Marke sprechen gegenüber dem Huracán Performante für eine um 37 % verbesserte Luftstromeffizienz und 53 % mehr Abtrieb.

„Performante“-Herz

Während die Aerodynamik über das Niveau des Performante hinausgeht, behält der Huracán STO dessen Saugmotor-Spezifikationen bei. Diese entsprechen auch denen der aktuellen „normalen“ Huracán EVO – falls man einen Huracán überhaupt als normal bezeichnen kann. Der 5,2-Liter-V10 liefert weiterhin markerschütternde 640 PS bei 8000 U/min; das Drehmoment beträgt 565 Nm bei 6500 U/min.

Langsam ist er keineswegs: Von 0 auf 100 km/h geht es in 3,0 s, die 200-km/h-Marke fällt nach 9,0 s, und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 310 km/h.

Auch das Fahrwerk ist klar auf die Rennstrecke ausgerichtet. Breitere Spurweiten, steifere Buchsen und spezielle Stabilisatoren arbeiten weiterhin mit MagneRide 2.0, einer magnetorheologischen Dämpfung. Das verleiht dem STO die gewünschte Effektivität auf der Rennstrecke, ohne seinen Einsatz auf öffentlichen Straßen auszuschließen. Hinzu kommen eine Hinterachslenkung sowie eine nun feste statt wie bei den anderen Huracán variable Lenkübersetzung, um die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Fahrer zu verbessern.

Besonders erwähnenswert sind auch die Brembo-CCM-R-Keramikbremsen, die noch leistungsfähiger als andere vergleichbare Systeme sein sollen. Lamborghini nennt für die CCM-R eine viermal höhere Wärmeleitfähigkeit als bei herkömmlichen Carbon-Keramik-Bremsen, 60 % mehr Ermüdungsfestigkeit, 25 % höhere maximale Bremsleistung und 7 % mehr Längsverzögerung.

Beeindruckend fallen die Bremswege aus: Aus 100 km/h steht der Wagen nach nur 30 m, aus 200 km/h benötigt er 110 m bis zum Stillstand.

ANIMA: die Fahrmodi

Um das gesamte dynamische und aerodynamische Potenzial auszuschöpfen, erhält der Huracán STO drei exklusive Fahrmodi: STO, Trofeo und Pioggia. Der erste Modus, STO, ist für das Fahren auf der Straße abgestimmt, erlaubt bei Bedarf jedoch die separate Deaktivierung des ESC, der Stabilitätskontrolle.

Der zweite Modus, Trofeo, ist darauf ausgelegt, auf trockener Rennstrecke die schnellsten Rundenzeiten zu erzielen. Das LDVI (Lamborghini Veicolo Dinamica Integrata), das alle Aspekte der Huracán-Fahrdynamik steuert, sorgt unter diesen Bedingungen mit Drehmomentverteilung und spezifischen Strategien der Traktionskontrolle für maximale Leistung. Neu ist außerdem eine Bremsentemperaturüberwachung, BTM oder Brake Temperature Monitoring, die auch die Kontrolle des Bremsenverschleißes ermöglicht.

Der dritte Modus, Pioggia, also Regen, ist – wie sein Name nahelegt – auf nasse Fahrbahn abgestimmt. Traktionskontrolle, Drehmomentverteilung, Hinterachslenkung und ABS werden dann so angepasst, dass sich der Gripverlust unter diesen Bedingungen möglichst gering hält. In diesem Modus kann das LDVI die Drehmomentabgabe des Motors zusätzlich begrenzen, damit der Fahrer genau die erforderliche Leistung erhält, um möglichst schnell voranzukommen, ohne dabei „rückwärts herum“ zu enden.

Innenraum mit klarer Aufgabe …

… genau wie das Exterieur. Der Leichtbaugedanke prägt auch das Interieur des Huracán STO: Kohlefaser kommt im gesamten Innenraum umfangreich zum Einsatz, einschließlich der Sportsitze und sogar der Fußmatten. Für die Verkleidungen wird zudem Alcantara verwendet, ebenso Carbonskin, eine Carbonhaut.

Seinem Rennstreckenfokus entsprechend verfügt der Wagen über Vierpunktgurte und ein vorderes Fach zur Aufbewahrung von Helmen.

Was kostet er?

Die ersten Auslieferungen waren für das Frühjahr 2021 vorgesehen. Der neue Lamborghini Huracán STO startete bei 249.412 Euro … ohne Steuern.

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