Ein Mild-Hybrid-System ist eine gute Möglichkeit, einen Dieselmotor noch effizienter zu machen.
Tucson: Gemeint ist nicht die amerikanische Stadt im Bundesstaat Arizona, sondern das kompakte SUV, das wir 2004 kennenlernten. Für Hyundai war es eine der größten Investitionen in ein Segment, das damals noch nicht so stark umkämpft war wie heute.
In den knapp 20 Jahren seitdem hat sich enorm viel getan: Der Hyundai Tucson ist inzwischen in seiner vierten Generation angekommen.
Raffiniertere Linien beim Hyundai Tucson
Vor allem mit seinem Design hebt sich der Hyundai Tucson der vierten Generation ab. Die Gestaltung der Front und die Anordnung des Tagfahrlichts lassen sich kaum übersehen.
Hyundai bezeichnet sie als parametrische Leuchten, auch wenn das System nicht so ausgeklügelt ist wie beim IONIQ 5. Ehrlich gesagt würde ich es eher eine originelle, ungewöhnliche Designlösung nennen.
Auch nach fast drei Jahren gehört der Tucson noch zu den auffälligsten SUV seiner Klasse. Dieses Exemplar ist am „48V“-Emblem seitlich neben den Vorderrädern zu erkennen. Dazu später mehr.
Weiterentwicklung auch im Innenraum
Nicht nur die Karosserie trägt eigenständige Züge: Auch das Erscheinungsbild des Hyundai Tucson hat sich im Innenraum deutlich weiterentwickelt. Die Linien des Armaturenbretts sorgen beispielsweise für eine einladendere Atmosphäre für die beiden Personen vorn.
Bei den allermeisten Bauteilen ist die Materialqualität hoch. Dank der elektrischen Sitzverstellung lässt sich am Steuer zudem leicht eine gute Fahrposition finden.
Das Instrumentendisplay direkt vor dem Fahrer ist keine angepasste Version einer früheren analogen Anzeige. Seine Gestaltung orientiert sich vielmehr am übrigen Gesamtbild.
Auch in der Mitte des Armaturenbretts zeigt sich, dass auf die optische Integration des recht großen Touchscreens Wert gelegt wurde.
Weniger überzeugend ist die Entscheidung für berührungsempfindliche Bedienelemente anstelle herkömmlicher Tasten. Hinzu kommt eine hochglänzend schwarze Oberfläche.
Das sieht zwar hübscher aus, macht aber jedes Staubkorn sichtbar und zieht schnell Fingerabdrücke an. Manche wirken, als würden sie nie wieder verschwinden. Für die Bedienung der Klimaanlage etwa sind diese Tasten allerdings unverzichtbar.
Dafür bietet der Bildschirm viele Funktionen, eine gute Auflösung und verschiedene Möglichkeiten zur Vernetzung. Apple CarPlay benötigt jedoch weiterhin ein Kabel. Das Telefon lässt sich dagegen kabellos laden.
In dieser Dieselversion mit Mild-Hybrid-System wird das Automatikgetriebe über einen klassischen Hebel bedient. Er ist womöglich das einzige Element, das im Innenraum dieses Hyundai Tucson nicht ganz ins Bild passt. Die Hybridversion besitzt beispielsweise nur dezente und elegantere Tasten.
Die Stärke des Platzangebots
Der Raum ist zweifellos eines der wichtigsten Argumente für dieses SUV. Auf den Rücksitzen gibt es nicht nur ordentlich Beinfreiheit, sondern auch genügend Platz in der Breite und über dem Kopf.
Wenn hinten sogar drei Personen sitzen, die Türen bereits geschlossen sind und alle ihren Gurt anlegen müssen, ohne sich zu beklagen, spricht das für das Platzangebot. Selbst in diesem Segment ist das nicht besonders häufig.
Noch etwas weiter hinten bietet der Hyundai Tucson mit Dieselmotor einen Kofferraum von 560 l.
Beim 48-V-Mild-Hybrid-System dieser Version sitzt dessen Batterie jedoch unter dem Kofferraum. Dadurch sinkt das Volumen von 560 l auf 521 l. Für die meisten Fahrten reicht das dennoch mehr als aus, auch für den Urlaub.
Diesel und Mild-Hybrid: eine gute Kombination?
Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht mehr so häufig Autos mit Dieselmotor fahre. Mein erster Eindruck ist jedenfalls, dass der Diesel lauter arbeitet, als ich es mir wünsche.
Der Motor ist mit einem Mild-Hybrid-System gekoppelt. Wer dessen Funktionsweise noch nicht kennt, sollte sich das Video ansehen, das Guilherme dazu gemacht hat. Zufällig entstand es ebenfalls am Steuer eines Hyundai Tucson.
Während der Fahrt bemerkt man das System kaum. Eine Ausnahme sind die Momente, in denen sich der Verbrennungsmotor abschaltet, weil er gerade schlicht nicht gebraucht wird. Das kann mehrfach vorkommen.
So geschah es beispielsweise, als ich mich einer roten Ampel näherte, und zwar lange bevor der Tucson zum Stillstand kam. Ist die 48-V-Batterie nahezu voll, schaltet sich der Motor gelegentlich sogar auf der Autobahn ab.
Keine Sorge: Sobald das System erkennt, dass der Verbrennungsmotor gebraucht wird oder die Batterie mehr Energie benötigt, springt er sofort wieder an. Das Energiemanagement zählt tatsächlich zu den größten Stärken dieses Systems.
Wozu dient das System?
Die Antwort ist einfach: Es soll Kraftstoff sparen. Wird der Verbrennungsmotor etwas entlastet, dürfte der Verbrauch sinken. Bei einem Mild-Hybrid-System werden mehrere Komponenten ausschließlich mit Energie versorgt, die beim Bremsen oder Verzögern gewonnen wird.
Laut den Angaben des Herstellers kann der Unterschied bei rund 0,3 l pro 100 km liegen. Den offiziellen Wert von 5,3 l/100 km konnte ich allerdings nicht erreichen. Nach dem Test standen letztlich 6,4 l/100 km zu Buche.
Auf der Autobahn wird mir schnell wieder klar, weshalb Diesel bis vor nicht allzu langer Zeit so gefragt waren: Hier fallen die Durchschnittsverbräuche niedriger aus. Bei gemäßigtem Tempo sinkt der Wert leicht unter die Marke von sechs Litern.
Mit einer etwas längeren Gesamtübersetzung ließe sich der Tucson meiner Meinung nach dennoch zu geringerem Verbrauch bewegen und das Mild-Hybrid-System effizienter nutzen.
In der Stadt muss man das System zunächst besser kennenlernen, um mehr daraus zu machen. Danach gehen die Durchschnittswerte zurück. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass dieser Tucson 1660 kg wiegt, was die Aufgabe erschwert.
Auch das Doppelkupplungsgetriebe gibt keine Rätsel auf. Hyundai hat den Tucson so gut abgestimmt, dass er auf den meisten Fahrten mühelos dahinrollt.
Je nach Stimmung können auch die Fahrmodi helfen. In 99 % der Fälle bleiben sie aber auf der Einstellung „Normal“, mit der die Fahrt beginnt.
Eine sichere Wahl
Der Hyundai Tucson ist eines jener Modelle, die ich wählen könnte, wenn ich „nur“ fahren müsste. Dynamisch setzt er zwar keine Maßstäbe, doch er „toleriert“ alles, was man ihm abverlangt.
Das Fahrwerk ist so abgestimmt, dass im Innenraum viel Komfort ankommt, selbst wenn die Fahrbahn schlecht ist.
Die Felgen mit 18 Zoll (45,72 cm) Durchmesser ermöglichen zudem Reifen mit großzügigerem Querschnitt, sodass viele grobe Fahrbahnunebenheiten einfach herausgefiltert werden.
Fast alles serienmäßig
In der Ausstattungslinie Vanguard sind für den Hyundai Tucson kaum noch Optionen zu finden, denn fast alles ist bereits enthalten.
Optional lässt sich vielleicht eine der Karosseriefarben wählen, die den Endpreis um etwa 520 Euro erhöht. Alternativ gibt es die Konfiguration mit Schiebedach. Dafür liegt der Aufpreis bei rund 1200 Euro.
Das Fahrzeug, das ich in der Ausstattung Vanguard testen konnte, kostet 45.400 Euro.
Bei diesem Betrag stellt sich allerdings die Frage, ob man im Alltag tatsächlich einen Dieselmotor braucht. Denn derzeit ist für 750 Euro mehr bereits die HEV-Hybridversion erhältlich, die einen Benzin- mit einem Elektromotor kombiniert und dieselbe Ausstattung bietet.
Die Systemleistung steigt dabei auf 230 PS, während der angegebene Durchschnittsverbrauch nur um 0,5 Liter je 100 Kilometer zunimmt. Zwar handelt es sich um Benzin statt Diesel. Im Stadtverkehr kann der Hybrid aber lange Zeit zu 100 % elektrisch fahren und dabei weniger Kraftstoff als der Diesel verbrauchen.
Darüber rangiert der Plug-in-Hybrid, der noch effizienter ist und eine maximale Systemleistung von 265 PS bietet. Hier liegt der Preis allerdings bereits bei knapp 52.000 Euro.
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