Der günstige Preis zählt zu den grössten Stärken des neuen Dacia Sandero, doch auf dem Gebrauchtwagenmarkt sieht die Rechnung mitunter ganz anders aus.
Vom Budgetmodell zum europäischen Spitzenreiter: Mit der 2021 eingeführten dritten Generation machte der Dacia Sandero im Vergleich zu seinen Vorgängern einen deutlichen Schritt nach vorn. Er wirkt wesentlich reifer und vollständiger und hat sich vom reinen Low-Cost-Image entfernt.
Eine moderne Plattform, mehr Platz, ein besseres Fahrverhalten und eine Präsentation, die den Kauf nicht mehr allein über den Preis rechtfertigen muss, prägen das Modell.
Das Ergebnis ist unbestritten: 2024 war er Europas meistverkauftes Auto und erreichte im selben Jahr auch in Portugal den ersten Platz. Zudem führte er die Verkaufsstatistik bei Privatkunden an, während sein Anteil im Flotten- und Rent-a-Car-Geschäft gering blieb.
Das niedrige Preisniveau blieb gegenüber früheren Generationen erhalten. Allerdings entschied sich die Mehrheit der Käufer für den abenteuerlicher auftretenden und teureren Sandero Stepway. Dieser Kaufratgeber konzentriert sich auf den bivalenten Benzin-/LPG-Antrieb, der besonders niedrige Kraftstoffkosten verspricht.
Tatsächlich verkörpert der 1.0 TCe ECO-G die Dacia-Formel am besten: Er ist günstig im Unterhalt, bietet eine sehr hohe Reichweite und verlangt bei den Fahrleistungen keine gravierenden Kompromisse.
Auf Pisca Pisca finden sich Exemplare dieser Generation für etwa 13.000 Euro, während jüngere und besser ausgestattete Fahrzeuge fast 19.000 Euro kosten können. Das Angebot ist gross, doch nicht jeder Sandero ist deshalb automatisch ein guter Kauf.
Der Dacia Sandero wirkt nicht mehr wie ein Billigauto
Die wichtigste Neuerung dieser Generation steckt unter der Karosserie. Der Sandero nutzt nun die CMF-B-Plattform des Renault Clio, allerdings in einer einfacheren und kostengünstigeren Ausführung.
Das zeigt sich sofort am Steuer. Gegenüber dem Vorgänger fährt er solider, komfortabler und berechenbarer, zudem fällt die Sitzposition natürlicher aus. Seine Konstruktion bleibt klar preisorientiert, vermittelt aber nicht länger den Eindruck eines überholten Produkts.
2022 führte Dacia das neue Markendesign mit dem DC-Emblem und einem überarbeiteten Kühlergrill ein. Die Änderungen betreffen überwiegend die Optik, weshalb es keinen überzeugenden technischen Grund gibt, für ein späteres Fahrzeug mehr zu bezahlen.
2024 kamen neue Fahrerassistenzsysteme hinzu, um die europäischen Vorschriften zu erfüllen. Dazu gehören ein Spurhalteassistent, eine Verkehrszeichenerkennung für Geschwindigkeitsbegrenzungen sowie eine Fahreraufmerksamkeitsüberwachung.
In diesem Jahr erhielt der Dacia Sandero eine umfangreichere Modellpflege, die vor allem mehrere Neuerungen bei den Motoren brachte, darunter einen neuen ECO-G mit 1,2 Litern Hubraum und 120 PS. Er ist bereits in Portugal erhältlich und wird im untenstehenden Artikel ausführlicher vorgestellt:
Schlichtes Exterieur, gefragter Stepway
Der reguläre Sandero tritt unauffällig auf und geht leicht im Verkehr unter. Der Stepway ergänzt ihn um Karosserieschutz, mehr Bodenfreiheit und modulare Dachreling, wodurch er sich in eine Art kleinen Crossover verwandelt.
Den praktischen Nutzen steigert das nicht grundlegend, doch die Version sieht attraktiver aus und ist auf dem heimischen Markt stärker gefragt. Auch der spätere Wiederverkauf fällt leichter, sofern der Aufpreis nicht überzogen ist.
Achten Sie vor dem Kauf auf unterschiedliche Farbtöne im Lack, ungleichmässige Spaltmasse und Spuren intensiver Nutzung. Selbst bei niedrigerem Kilometerstand sollte der tatsächliche Zustand des Autos höher gewichtet werden.
Beim Stepway sollten Sie die Dachreling ausprobieren. Sie lässt sich drehen und als Querträger verwenden, doch bei falscher Handhabung können die Befestigungen beschädigt werden.
Auch der Lack gehört nicht zu den widerstandsfähigsten. Kleine Kratzer, Steinschläge und Verschleissspuren an Kontaktflächen treten vergleichsweise häufig auf.
Viel Raum, wenig Luxus
Im Innenraum wird die preiswerte Herkunft keineswegs kaschiert. Die Kunststoffe sind hart und die Geräuschdämmung lediglich durchschnittlich, doch die Verarbeitung ist meist robust.
Die Ausstattungen Comfort und Expression verwenden Stoffbezüge auf Armaturenbrett und Türen, was die Atmosphäre freundlicher macht. Ausserdem bringen sie die wirklich wichtigen Extras mit: Klimaanlage, Infotainmentsystem und Smartphone-Integration.
Das Raumangebot zählt zu den stärksten Argumenten des Sandero. Vier Erwachsene finden problemlos Platz, und der Kofferraum genügt für die Nutzung als Familienauto. Der LPG-Tank sitzt dort, wo normalerweise das Reserverad untergebracht ist, und verringert das nutzbare Volumen daher nicht.
Mit zunehmender Laufleistung können Klapper- und Knarzgeräusche vom Armaturenbrett, den Türen oder dem Kofferraumbereich auftreten. Meist sind sie nicht schwerwiegend, dennoch sollte das Fahrzeug auf Kopfsteinpflaster oder einer schlechten Strasse getestet werden.
Prüfen Sie ebenfalls das zentrale Display, Bluetooth sowie Apple CarPlay oder Android Auto. Vereinzelt kommt es zu Hängern oder Verbindungsproblemen, die sich normalerweise durch ein Update oder einen Neustart beheben lassen.
LPG: Hier ergibt der Sandero besonders viel Sinn
Bei der dritten Generation des Dacia Sandero war das Motorenangebot zumindest bis 2025 ausschliesslich auf den Dreizylinder mit 999 cm³ Hubraum beschränkt. Als Basismotor gab es den turbolosen SCe mit nur 65 PS, am beliebtesten war jedoch der aufgeladene 1.0 TCe. Die LPG-Ausführung leistet rund 100 PS und 170 Nm, die Benzinvariante kommt auf 90 PS. Später folgte eine stärkere Version mit 110 PS.
Im LPG-Sandero ist ausschliesslich ein manuelles Sechsganggetriebe verbaut. Die Schaltung arbeitet nicht besonders schnell oder präzise, aber der sechste Gang senkt das Drehzahlniveau auf der Autobahn.
Die Fahrleistungen reichen aus, grosse Dynamik sollte man jedoch nicht erwarten – besonders nicht bei voller Beladung. In der Stadt und auf Landstrassen spricht der Motor dennoch gut an. Mit LPG wirkt er sogar etwas kräftiger als im Benzinbetrieb.
Der Fahrkomfort gehört zu seinen besten Eigenschaften. Die Federung kommt mit schlechtem Asphalt gut zurecht, das Fahrverhalten bleibt vorhersehbar, obwohl sich die Karosserie des Stepway stärker neigt. Die Lenkung ist leichtgängig und wenig rückmeldungsstark, dennoch lässt sich der Sandero stets einfach fahren.
Auf der Autobahn treten seine Grenzen deutlicher hervor. Wind- und Abrollgeräusche gelangen in den Innenraum, und der Motor wird hörbar, wenn er höher drehen muss.
Spart er wirklich?
Ja, sofern LPG-Tankstellen gut erreichbar sind. Laut Spritmonitor, das reale Verbrauchswerte von Nutzern erfasst, liegt der Durchschnitt bei 7,36 l/100 km. Das sind rund 1,2 Liter mehr als im Benzinbetrieb, doch der deutlich niedrigere LPG-Preis reduziert die Kosten pro Kilometer erheblich.
Ein wichtiges Detail gibt es allerdings: Das Fahrzeug startet stets mit Benzin und schaltet erst anschliessend auf LPG um. Der Benzintank sollte daher nicht dauerhaft auf Reserve gefahren werden.
Ist der Dacia Sandero ECO-G zuverlässig?
Im Grundsatz ja. Beim 1.0 TCe ECO-G sind keine schwerwiegenden oder weit verbreiteten internen Motorschäden bekannt, und die Steuerkette macht einen regelmässigen Wechsel eines Zahnriemens überflüssig.
Das LPG-System bringt jedoch zusätzliche Bauteile und damit weitere mögliche Fehlerquellen mit. Berichtet wird von Problemen beim Umschalten, ungenauen Füllstandsanzeigen, unrundem Motorlauf, Einspritzwarnungen und einem unerwarteten Wechsel zurück auf Benzin.
Das bedeutet nicht, dass Injektoren, Druckminderer oder Sensoren bei jedem Sandero ausfallen. Es bedeutet lediglich, dass das System sorgfältig geprüft werden sollte.
Starten Sie das Auto bei kaltem Motor und warten Sie ab, bis es automatisch auf LPG umschaltet. Der Übergang sollte ohne Ruckeln, Zögern oder Warnhinweise im Kombiinstrument erfolgen. Wechseln Sie anschliessend manuell zwischen Benzin und LPG und beschleunigen Sie in mehreren Gängen gleichmässig.
Treten Aussetzer, Leistungsverlust oder ein unruhiger Lauf auf, akzeptieren Sie nicht die Erklärung, „das machen alle“. Ursache können eine Zündkerze, Zündspule, ein Sensor, ein Injektor oder ein Problem mit dem Gasdruck sein.
Kontrollieren Sie zudem die jährliche Wartung und suchen Sie nach Rechnungen für Arbeiten am LPG-System. Ein Service, bei dem lediglich Öl und Filter gewechselt wurden, erzählt nicht die ganze Geschichte.
Was sollten Sie bezahlen?
Die Gebrauchtwagenpreise des Dacia Sandero sind durchaus ironisch. Die Nachfrage ist hoch und der Wertverlust gering, wodurch die Preise höher ausfallen als erwartet. Teilweise sind gebrauchte Sandero sogar teurer als vergleichbare Neuwagen. Das ist gut für Verkäufer, aber nicht für Käufer.
Wer einen sucht, sollte den Preis insbesondere bei neueren Fahrzeugen aus 2024 und 2025 mit einem neuen Sandero vergleichen. Der Unterschied kann zu klein sein oder ganz fehlen, um einen Gebrauchtwagenkauf zu rechtfertigen.
Nach der Auswertung von Pisca Pisca und Motor CV liegt der Durchschnittspreis eines Exemplars von 2025 beispielsweise bei 18.300 Euro. Das ist mehr als die 17.650 Euro für einen neuen Sandero Stepway Expression ECO-G 120, der bereits den neuen 1,2-Liter-Motor mit 120 PS besitzt. Damit kann der Kauf eines Gebrauchten seinen Sinn verlieren.
Die untenstehende Grafik veranschaulicht die Preisentwicklung besser. Entscheidend ist aber nicht nur das Baujahr: Ausstattungsniveau, Stepway-Version, Laufleistung und Historie können den Preis deutlich verändern.
Für ein Fahrzeug aus 2021 oder 2022 erscheinen 13.000 bis 15.000 Euro angemessen, sofern eine vollständige Historie vorliegt, keine intensive Nutzung erkennbar ist und das LPG-System fehlerfrei arbeitet.
Was können Reparaturen kosten?
Die reguläre Wartung ist unkompliziert und vergleichsweise günstig. Ein Service mit Öl und Filtern sollte in einer freien Werkstatt zwischen 170 und 250 Euro kosten, im Vertragsnetz etwa 250 bis 350 Euro.
Vordere Bremsscheiben und -beläge können ausserhalb der Marke 200 bis 300 Euro kosten, beim Vertragshändler hingegen 320 bis 450 Euro. Für eine komplette Kupplung sind in einer freien Werkstatt etwa 600 bis 850 Euro möglich, im Vertragsnetz können es annähernd 1.000 Euro werden.
Im LPG-System kann ein einfacher Defekt an Sensor, Anschluss oder Magnetventil 100 bis 250 Euro kosten. Der Austausch von Injektoren oder Komponenten des Druckreglers kann bei einem spezialisierten Betrieb 300 bis 600 Euro kosten, beim Vertragshändler auch mehr.
Tauschen Sie keine Teile ohne eine konkrete Diagnose aus. Eine defekte Zündkerze oder Zündspule kann Symptome verursachen, die denen eines Fehlers an den LPG-Injektoren ähneln.
Und was ist mit Rückrufen?
Die ersten Fahrzeuge waren von Rückrufaktionen wegen der Motorhaubenschlosses und einer möglichen Undichtigkeit im Kraftstoffsystem betroffen. Nicht alle Sandero waren betroffen, und eine der Aktionen bezog sich auf eine bestimmte Motorisierung.
Lesen Sie den Bericht von PiscaPisca/Motor CV, um die Einzelheiten der Rückrufkampagnen zu erfahren, und fragen Sie mit der Fahrgestellnummer bei Dacia nach, ob noch Arbeiten offen sind.
Zusätzlich lässt sich die Plattform Recall nutzen: Dort können Sie das Kennzeichen oder die VIN eingeben und prüfen, ob das gewünschte Fahrzeug alle vorgesehenen Rückrufaktionen erhalten hat.
Unsere Wahl
Wir würden einen älteren Dacia Sandero Stepway ECO-G Comfort oder einen neueren Stepway Expression wählen.
Objektiv ist der Stepway dem normalen Sandero nicht wesentlich überlegen, doch sein Auftritt ist attraktiver, er bietet mehr Bodenfreiheit und eine praktische Dachreling. Zudem ist er die gefragtere Variante, was den Wiederverkauf erleichtern dürfte.
Comfort oder Expression bieten die im Alltag nötige Ausstattung: Klimaanlage, Infotainmentsystem, Smartphone-Integration und Parksensoren. Die Essential-Version ist nur dann sinnvoll, wenn sie eindeutig günstiger angeboten wird. Sie ist zu spartanisch, und die anfängliche Ersparnis kann nach einigen Monaten weniger überzeugend wirken.
Ein normaler Sandero Expression wäre dennoch nicht ausgeschlossen. Kostet er 1.500 oder 2.000 Euro weniger als ein vergleichbarer Stepway, ist er vermutlich der klügere Kauf.
Alternativen
Wer eine zeitgemässe LPG-Alternative sucht, findet im Renault Clio, der dieselbe Technik wie der Sandero verwendet, die einzige Option. Er bietet eine bessere Innenraumqualität, Geräuschdämmung und ein besseres Fahrverhalten, allerdings ist das LPG-Angebot kleiner.
Der SEAT Ibiza 1.0 TSI bietet mindestens genauso viel Platz, fährt sich angenehmer und besitzt einen hochwertigeren Innenraum. Da er ausschliesslich mit Benzinmotor angeboten wird, erreicht er jedoch nicht die Kosten pro Kilometer des Sandero ECO-G.
Auf dem Gebrauchtwagenmarkt gibt es weitere, ältere Alternativen mit LPG ab Werk. Lernen Sie sie kennen:
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