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Zukunft von Renault: Mégane bleibt, MPV und weitere Modelle verschwinden

Weißer Renault Elektro-Limousine mit futuristischem Design in modernem Showroom.

Ali Kassai, Direktor für Produkte und Programme der Renault-Gruppe, hat gegenüber dem französischen Magazin L’Argus erläutert, was für die Zukunft von Renault zu erwarten ist. Dabei räumte er nicht nur mit den Spekulationen über den Nachfolger des Mégane auf, sondern skizzierte auch die Perspektiven weiterer Modelle der Marke. Diese Entscheidungen sind eine Folge des umfassenden Restrukturierungsplans, der derzeit umgesetzt wird.

Ein solcher Plan ist notwendig, denn Renault durchlebt ebenso wie Allianzpartner Nissan eine schwierige Phase und kämpft an mehreren Fronten. Neben sinkenden Verkaufszahlen und Marktanteilen – 2019 endete mit Verlusten – muss der Konzern wie die gesamte Branche nun auch die Folgen der Pandemie bewältigen.

Um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen, sieht das vorgestellte Programm Einsparungen von zwei Milliarden Euro vor. Um dieses Ziel zu erreichen, wird jeder Bereich des Geschäfts überprüft – die Renault-Modellpalette steht vor tiefgreifenden Veränderungen.

Der Mégane bleibt, doch in der Zukunft von Renault gibt es keine MPV mehr

Äußerungen von Renault-Chefdesigner Laurens van den Acker hatten Zweifel an der langfristigen Zukunft des Mégane aufkommen lassen. Ali Kassai stellt die Gerüchte jedoch klar: „Wir haben nicht gerade in eine neue elektronische Architektur auf der CMF-C/D-Plattform investiert, die der Mégane nutzt, um ihn anschließend einzustellen.“ Damit ist klar: Das Projekt BFN, aus dem die fünfte Mégane-Generation hervorgehen wird, läuft.

Der für 2023 erwartete Mégane könnte sich allerdings deutlich von der aktuellen Ausgabe unterscheiden. An die Stelle des klassischen fünftürigen Schräghecks dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach ein Modell mit Crossover-Charakter treten. Zugleich soll dies die einzige verfügbare Karosserieform sein, denn der Mégane Kombi wird offenbar mit der gegenwärtigen Generation eingestellt. Auch Kombis verlieren gegenüber SUVs an Popularität und Verkaufsvolumen.

Die weiterhin ungebrochene Bedeutung der SUVs ist auch der Hauptgrund dafür, dass der für 2022 erwartete Kadjar-Nachfolger wohl zu den wichtigsten Modellen für die Zukunft von Renault zählt. Die neue Kadjar-Generation soll in zwei Varianten angeboten werden: als reguläres Modell und als Langversion. Vergleichbar ist das etwa mit dem Volkswagen Tiguan, der als siebensitziger Allspace erhältlich ist.

Die neue Bedeutung des Kadjar wird zu einer erheblichen Bereinigung der Renault-Modellpalette führen. Der Mégane Kombi verschwindet, ebenso der Scénic, der Espace, der Talisman und sogar der große SUV der Marke, der Koleos.

Die Marke, die Ende des 20. Jahrhunderts als MPV-Spezialist bekannt war, wird innerhalb weniger Jahre keine Vertreter dieser Fahrzeugklasse mehr im Angebot haben. Die traditionsreichen und ikonischen Modelle Espace und Scénic haben den Kampf gegen die SUV-Welle verloren.

Weitere Elektroautos für Renault

Die französische Marke gehört in Europa mit dem kleinen Zoe zu den Vorreitern des Übergangs zur Elektromobilität. Anders als andere Hersteller – etwa die PSA-Gruppe, BMW oder Volvo – will Renault eine eigenständige Elektro-Modellreihe neben seinen Verbrennermodellen aufbauen. Sie basiert auf einer speziellen Plattform, der CMF EV, die bislang nur im Konzeptfahrzeug Morphoz zu sehen war. Die Strategie ähnelt jener von Volkswagen mit der ID.-Familie.

Die hohen Investitionen sind zugleich ein Grund für das angekündigte Aus so vieler Modelle: Für die Entwicklung einer derart großen Modellvielfalt fehlen schlicht die finanziellen Mittel.

Das erste Serienmodell auf CMF-EV-Basis soll im Herbst 2021 erscheinen: ein urbanes SUV mit dem internen Code BCB. 2022 folgt ein kompaktes SUV mit dem internen Kürzel HCC, das dem Nissan Arya entspricht. Ein drittes, größeres Fahrzeug ist ebenfalls geplant. Auch dabei handelt es sich um ein Elektro-SUV, allerdings mit Alpine-Emblem, das zum neuen Spitzenmodell bei Renault werden soll.

Da Elektroautos die erforderlichen Erträge nicht schnell genug sichern können, bleiben Modelle mit Verbrennungsmotoren in der Zukunft von Renault zunächst die wichtigste Einnahmequelle des Herstellers. Verbrennung bedeutet allerdings nicht, dass auf Elektrifizierung verzichtet wird.

Bereits vorgestellt wurden E-Tech-Versionen mehrerer Renault-Modelle – Clio, Captur und Mégane. Die Bezeichnung steht bei Renault für Hybrid- und Plug-in-Hybridantriebe, die im Sommer auf den Markt kommen sollen. Ihre Bedeutung wird in den kommenden Jahren zunehmen, da sie die heutigen Dieselmodelle ersetzen werden, sobald die Euro-7-Norm etwa 2023–2024 in Kraft tritt. Insgesamt wird die E-Tech-Technologie in den nächsten Jahren auf 10 Modelle ausgeweitet.

Zusätzlich zur bereits vorgestellten E-Tech-Technologie soll der zukünftige Kadjar die Plug-in-Hybridtechnik des dritten Allianzpartners Mitsubishi nutzen. Mitsubishi bereitet sich darauf vor, den Outlander noch in diesem Jahr zu ersetzen. Dieser ist Europas meistverkaufter Plug-in-Hybrid; die neue Generation wird auf der CMF-C/D-Plattform aufbauen, die auch Kadjar, Nissan Qashqai und X-Trail nutzen.

Der Faktor Luca de Meo

Nicht unerwähnt bleiben darf Luca de Meo, der frühere CEO von SEAT, der ab dem 1. Juli die Position des CEO von Renault übernehmen wird. Welchen Einfluss sein Amtsantritt auf den Restrukturierungsplan haben wird, ist noch nicht bekannt.

Fest steht hingegen, dass ihm eine schwierige Aufgabe bevorsteht, wenn die Zukunft von Renault wieder von Erfolg und … Gewinnen geprägt sein soll. Er übernimmt nicht nur eine Marke, die bereits zuvor mit Problemen zu kämpfen hatte, sondern muss nun auch die Folgen von Covid-19 für die gesamte Industrie bewältigen. Angesichts seiner Arbeit bei SEAT würde man jedoch nicht dagegen wetten, dass de Meo „dieses Schiff“ wieder in sicherere und profitablere Gewässer steuern kann.

Quellen: L’Argus und L’Argus.


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