Der Mitsubishi Pajero ist nach fünfjähriger Abwesenheit zurück – und nicht, um nur eine Nebenrolle zu spielen. Auf ihn wartet ein alter Bekannter: der Toyota Land Cruiser.
Der Land Cruiser hat das Revier, das er über Jahrzehnte mit dem Pajero teilte, nie verlassen. Ein Blick auf die neue Mitsubishi-Generation zeigt: Die beiden japanischen Modelle dürften künftig wieder eng beieinanderliegen.
Dabei geht es um mehr als eine traditionsreiche Rivalität: Ihr Konzept ist bemerkenswert ähnlich. Beide bieten einen Leiterrahmen, Platz für bis zu sieben Personen, Vierzylinder-Dieselmotoren und Achtgang-Automatikgetriebe. Elektrifizierung? Beim Land Cruiser ist sie erst seit Kurzem und lediglich in milder Form vorhanden.
Fast Zwillinge
Selbst bei den Abmessungen braucht es ein Maßband, um Unterschiede zwischen den beiden großen japanischen Geländewagen zu finden. Der neue Mitsubishi Pajero ist 4,92 m lang, der Land Cruiser misst 4,925 m. Zwischen zwei nahezu fünf Meter langen Geländewagen liegen also gerade einmal fünf Millimeter.
Auch beim Radstand fällt der Abstand minimal aus: Mit 2,87 m liegt der Pajero 20 mm vor dem Land Cruiser mit 2,85 m. Dafür ist der Toyota dem Modell mit den drei Diamanten bei der Breite um 55 mm voraus. Ein Zentimeter mehr oder weniger – die beiden liegen ausgesprochen nah beieinander:
Unter der Karosserie gibt es ebenfalls zahlreiche Gemeinsamkeiten. Beide setzen auf einen Leiterrahmen, die klassische Bauweise für Geländewagen mit ausgeprägter Offroad-Ausrichtung.
Beim Mitsubishi Pajero stammt die Basis vom L200, wurde allerdings umfassend überarbeitet. Vorn arbeitet eine unabhängige Doppelquerlenker-Aufhängung, hinten eine Starrachse mit Fünflenkerführung und Schraubenfedern.
Der Land Cruiser nutzt die ebenfalls auf einem Leiterrahmen basierende GA-F-Plattform, die auch bei anderen großen Geländewagen von Toyota und Lexus zum Einsatz kommt.
Diesel gegen Diesel
Auch unter der Motorhaube sind die Unterschiede schwer auszumachen. Der neue Pajero verwendet einen 2,4-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 204 PS und 480 Nm, der mit einer Achtgang-Automatik kombiniert ist.
Der Land Cruiser 250 tritt in Europa mit einem 2,8-Liter-Vierzylinder-Diesel an, ebenfalls verbunden mit einem Achtgang-Automatikgetriebe. In Portugal leistet er 204 PS und entwickelt 500 Nm.
Der Unterschied: Toyota hat dem Modell kürzlich ein 48-Volt-Mildhybrid-System spendiert. Beim Anfahren kann es zusätzliche 12 kW (16 PS) und 65 Nm bereitstellen, unterstützt damit den Dieselmotor und sorgt für eine geschmeidigere Reaktion.
Bemerkenswert ist, dass der Pajero die Werte des Land Cruiser trotz 313 cm³ weniger Hubraum nahezu erreicht. Ohne jede elektrische Unterstützung treibt er den Vergleich sogar noch weiter.
Im Gelände verfolgen beide ihre eigenen Stärken. Der Land Cruiser bietet den besseren Böschungswinkel vorn, während der Pajero mit mehr Bodenfreiheit und einem besseren Böschungswinkel hinten aufwartet. Untersetzungsgetriebe und Differenzialsperren stehen bei beiden bereit, sobald der Asphalt endet.
Das Problem beginnt beim Preis
Bis hierhin scheinen Pajero und Land Cruiser nur Kleinigkeiten zu trennen. Sobald die Preise ins Spiel kommen, wiederholt sich dieses Bild offenbar. Zumindest in Australien, wo die Preise des neuen Mitsubishi Pajero bereits bekannt gegeben wurden.
Der Toyota Land Cruiser Prado – so heißt er auf anderen Märkten – startet bei 73.200 australischen Dollar, umgerechnet zum aktuellen Wechselkurs rund 45.400 Euro. Der Mitsubishi Pajero liegt mit einem Einstiegspreis von 68.490 australischen Dollar beziehungsweise etwa 42.500 Euro etwas darunter.
Die Zahlen stimmen tatsächlich. Im Vergleich zu Portugal wirken sie geradezu günstig: Dort kostet der Land Cruiser 161.200 Euro. Das sind mehr als 116.000 Euro über dem australischen Preis.
Natürlich lässt sich dieser gesamte Unterschied nicht allein mit Steuern erklären. Es handelt sich um unterschiedliche Märkte mit abweichenden Preisstrukturen, Kosten und Ausstattungen. Die portugiesische Besteuerung trägt jedoch erheblich dazu bei – und die Beträge sind beeindruckend.
In Portugal liegt der Grundpreis des Land Cruiser etwa 1,5-mal höher, während die Steuerlast aus ISV und Mehrwertsteuer 80.000 Euro übersteigt. Damit entfallen ungefähr die Hälfte des Preises auf Steuern.
Rechnet man beim Pajero auf dieselbe Weise, ergibt sich für eine mögliche Einstiegsvariante in Portugal ein Betrag von annähernd 150.000 Euro. Das ist viel.
Kommt der neue Mitsubishi Pajero nach Portugal?
Das ist keine offizielle Prognose, denn dafür müssten die europäischen Spezifikationen, die homologierten Emissionen, die Ausstattung und die Vertriebspolitik von Mitsubishi bekannt sein.
Zuvor braucht es ohnehin eine offizielle Bestätigung, ob er überhaupt auf den europäischen Markt kommt. Obwohl Mitsubishi den Verkauf des neuen Pajero in mehr als 100 Märkten angekündigt hat, fiel bislang kein Wort über das „alte“ Europa.
Die Rechnung hilft jedoch, die Verhältnisse einzuordnen. Wie bei Technik und Abmessungen dürfte der neue Pajero auch beim Preis auf Augenhöhe mit dem Land Cruiser spielen. Die gute Nachricht: Er könnte sogar günstiger sein. Die schlechte: Für mögliche Interessenten bleibt er dennoch sehr teuer.
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