Das B-Segment ist in Portugal seit Langem die Heimat der Verkaufsführer. Zu den ausgewogensten Angeboten dieser Klasse gehört der Hyundai i20.
Mit jeder neuen Generation ist der Südkoreaner den Maßstäben seines Segments nähergekommen. In seiner dritten Auflage tritt er nun mit neuen, hohen Ambitionen an.
Während Hyundais Verkaufszahlen in Portugal und Europa weiter steigen, stellt sich die Frage: Hat der i20 genug zu bieten, um Schwergewichte wie Peugeot 208, Renault Clio, Opel Corsa, Volkswagen Polo, Ford Fiesta und Toyota Yaris zu schlagen?
Um das herauszufinden, habe ich eine Woche am Steuer des Hyundai i20 in der Ausstattung Style verbracht. Unter der Haube arbeitete der interessanteste Motor der Baureihe: der 1.0 T-GDi mit 100 PS, kombiniert mit einem manuellen Sechsganggetriebe.
Dem Hyundai i20 fehlt es nicht an Stil
Zunächst zum offensichtlichsten Merkmal, dem Design: Der neue Hyundai i20 hat den zurückhaltenden, konservativen Stil seiner Vorgänger hinter sich gelassen.
Stattdessen trägt er ein dynamischeres, durchaus aggressives Erscheinungsbild, das seinem Auftritt in der Rallye-Weltmeisterschaft WRC gerecht wird. Das Ergebnis ist meiner Meinung nach gelungen und erlaubt ihm, mit den europäischen Wettbewerbern auf Augenhöhe mitzuspielen.
Einfach und funktional
Im Innenraum des i20 fällt als Erstes auf, dass er exakt dem des Hyundai Bayon entspricht. Eigentlich ist es umgekehrt, denn der Bayon kam später auf den Markt.
Entsprechend überzeugt der Arbeitsplatz mit lobenswerter Ergonomie und einem modernen, zeitgemäßen Design.
Zwar wirkt er nicht so edel wie der Innenraum des Peugeot 208, doch mit Angeboten wie dem Opel Corsa oder dem Volkswagen Polo kann er mithalten. Beide setzen ebenfalls auf eine eher nüchterne Gestaltung des Fahrgastraums.
Wie bei den meisten Konkurrenten bestehen die Oberflächen aus harten Materialien. Die Verarbeitung verdient dennoch Lob: Selbst auf unebenen Straßen sind im Hyundai i20 keine Klappergeräusche der Kunststoffe zu hören.
Beim Platzangebot spielt der Hyundai i20 gegenüber den europäischen Modellen seine Stärken aus, insbesondere gegenüber den Angeboten von Stellantis. Vorn reist man bequem, doch vor allem im Fond hebt sich der Südkoreaner von den französisch-deutschen Konkurrenten ab.
Der Zugang zu den Rücksitzen fällt deutlich leichter, der Mitteltunnel stört kaum, und in Länge wie Breite ist mehr als genug Platz vorhanden, damit zwei Erwachsene bequem reisen können. Auf diesem Gebiet halten lediglich die Modelle auf Basis der MQB-A0-Plattform des Volkswagen Konzerns mit dem i20 Schritt.
Der Kofferraum zählt mit 352 l zu den größten der Klasse. Zum Vergleich: Der Peugeot 208 bietet 309 l, der Toyota Yaris kommt auf 270 l.
Auch hier machen dem i20 vor allem die Modelle des Volkswagen Konzerns Konkurrenz: Der SEAT Ibiza fasst 355 l, der Volkswagen Polo 351 l. Beim Renault Clio sind es 340 l.
Eine neue Tradition fortsetzen
In den vergangenen Jahren haben sich Hyundai-Modelle in ihren jeweiligen Klassen zu besonders interessanten Fahrzeugen beim Fahren entwickelt – vielleicht auch unter dem Einfluss von Albert Biermann.
Der Hyundai i20 bildet keine Ausnahme. Obwohl sein 1,0-l-Dreizylinder nur 100 PS leistet, gehört der Südkoreaner fahrdynamisch zu den kompetentesten Modellen seines Segments.
Die Lenkung arbeitet präzise und direkt, könnte allerdings etwas mehr Rückmeldung geben. Das Fahrwerk ermutigt dazu, Kurven besonders unbeschwert anzugehen. Gemeinsam mit dem Fiesta zählt der i20 zu den Modellen der Klasse, die beim Fahren am meisten Spaß machen.
Allerdings wird ein Kleinwagen wie der i20 einen großen Teil seines Lebens in ruhigerem Tempo verbringen.
Auch unter diesen Bedingungen enttäuscht er nicht. Der kleine Hyundai lässt sich sehr leicht fahren und scheut keine langen Autobahnetappen. Dort erinnert lediglich das Abrollgeräusch daran, dass man in einem Kleinwagen sitzt.
In der Stadt bietet er zudem guten Komfort. Das manuelle Sechsganggetriebe lässt sich leichtgängig und präzise schalten; ein ausgeprägt mechanisches Schaltgefühl vermittelt es zwar nicht, enttäuscht aber ebenfalls nicht. Der Motor erfüllt seine Aufgabe tadellos.
Er spricht willig und gleichmäßig an und ist nicht allzu stark auf den Turbo angewiesen – wenngleich deutlich zu spüren ist, wie er beim Einsetzen des Laders „aufwacht“. So ermöglicht er für einen Kleinwagen mehr als angemessene Fahrleistungen, selbst wenn der i20 mit Passagieren und Gepäck voll beladen ist.
Beim Verbrauch ergab sich über den Test hinweg ein Durchschnitt von 5,3 l/100 km. Ein großer Teil der Strecken führte dabei über Autobahnen und Landstraßen.
Im Stadtverkehr stieg der Wert auf 7,4 l/100 km, allerdings bei einer weniger zurückhaltenden und teilweise recht eiligen Fahrweise.
Die Konkurrenz schneidet in dieser Hinsicht nicht viel besser ab. Allenfalls die TSI-Motoren des Volkswagen Konzerns könnten möglicherweise weniger verbrauchen, wobei der Unterschied auch dann gering ausfällt.
Ist er das richtige Auto für Sie?
In der vorherigen Generation war der Hyundai i20 ein kompetentes, aber zurückhaltendes Modell. Mit der dritten Generation gelingt es dem Südkoreaner nun endlich, rationale Argumente mit mehr Emotion zu verbinden.
Einerseits bietet er weiterhin ein gutes Verhältnis von Preis und Ausstattung, eine unschlagbare Garantie von sieben Jahren ohne Kilometerbegrenzung und ein Platzangebot, das ihn nahe an die Maßstäbe seiner Klasse heranführt.
Auf der emotionalen Seite stehen ein deutlich eigenständigerer Stil und ein mitreißenderes Fahrerlebnis. Dafür sorgen das gute Fahrverhalten und der kräftige 1.0 T-GDi.
Damit präsentiert sich der Hyundai i20 in seiner Klasse wettbewerbsfähiger denn je. Müssen sich die europäischen Modelle, die das Segment gewöhnlich anführen, Sorgen machen?
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen