Nach langer Erwartung hat Volkswagen den ID. 2all enthüllt. Die Studie liefert bislang den genauesten Ausblick auf das künftig günstigste Elektroauto der Marke.
Überraschend ist zunächst die Formgebung: Sie unterscheidet sich deutlich von den umstrittenen, kantigeren Linien des ID. Life und macht damit auch einen Kurswechsel bei Volkswagen erkennbar.
Zwischen den Präsentationen der beiden Prototypen wechselte Volkswagen seinen Vorstandschef: Thomas Schäfer übernahm die Führung. Auch an der Spitze des Designs gab es einen Wechsel. Andreas Mindt trat an die Stelle von Jozef Kaban.
Gerade dieser zweite Wechsel dürfte maßgeblich zu den Unterschieden zwischen den Studien beigetragen haben. Das neue Team ist zwar erst seit dem 1. Februar offiziell im Amt, doch offenbar arbeitete es schon länger an Außen- und Innendesign des heute vorgestellten Prototyps.
Volkswagen ID. 2all: Rückkehr zu den Ursprüngen
Thomas Schäfer möchte den Gedanken wiederbeleben, dass Volkswagen die „Marke des Volkes“ ist, und zugleich ihre emotionale Anziehungskraft stärken. Der ID. 2all soll dabei die Vorreiterrolle übernehmen.
Die Studie gibt einerseits einen Ausblick auf das erste Elektroauto des Volkswagen-Konzerns mit einem angekündigten Preis von unter 25.000 Euro. Andererseits soll sie eine neue Designsprache für Volkswagen einleiten.
Schäfer erklärte dazu: „Wir transformieren das Unternehmen (…) mit dem klaren Ziel, Volkswagen zu einer echten ‚Marke zum Lieben‘ zu machen. Der ID. 2all zeigt, wohin wir die Marke führen wollen (…) Wir werden diesen Wandel in hohem Tempo umsetzen, um die Elektromobilität zu den Massen zu bringen.“
Andreas Mindt erläuterte die von der Studie angekündigte Formensprache: „Wir übertragen die DNA unserer Ikonen in die Zukunft. Der ID. 2all ist deshalb auch eine Hommage an den Käfer, den Golf und den Polo.“
Besonders an der C-Säule wird diese Inspiration sichtbar: Ihre Form erinnert an den ersten Golf und soll künftig zu einem gemeinsamen Merkmal der kompakten Volkswagen-Modelle werden.
Eine neue Ära
Der Volkswagen ID. 2all basiert auf einer Weiterentwicklung der MEB-Plattform namens MEB Entry. Innerhalb der ID.-Familie ist er das erste Elektroauto mit Frontantrieb.
Derzeit wird die Studie mit 226 PS (166 kW) und einer versprochenen Reichweite von 450 km vorgestellt. Die Kapazität der Batterie ist noch nicht bekannt, einige Ladezeiten hat Volkswagen jedoch bereits genannt.
An einer Schnellladesäule mit Gleichstrom (DC) lässt sich die Batterie in 20 Minuten von 10 % auf 80 % laden. Die maximale Ladeleistung beträgt 125 kW. Zu Hause und an öffentlichen Wechselstrom-Ladepunkten (AC) sind bis zu 11 kW möglich. Den Sprint von 0 auf 100 km/h absolviert der Wagen in 7 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 160 km/h.
Eine Studie, die nicht danach aussieht
Obwohl der Volkswagen ID. 2all noch ein Prototyp ist, kommt seine Gestaltung einem Serienmodell bereits sehr nahe. Selbst die typischen Übertreibungen von Studien fehlen.
Die Karosserie wirkt präsent, zeigt ein freundliches Gesicht und besitzt gegenüber dem ID. Life eine dynamischere Silhouette.
Im Innenraum ist erkennbar, dass Volkswagen sowohl die Ergonomie als auch die bei den ID.-Modellen kritisierte Qualitätsanmutung verbessern will.
Der 12,9-Zoll-Touchscreen besitzt eine neue Menüstruktur. Darunter befindet sich ein Bedienfeld für die Klimaanlage.
Volkswagen hat die Kritik berücksichtigt: Beleuchtete Tasten steuern die wichtigsten Klimafunktionen. In der Mitte des Klimabedienfelds sitzt außerdem ein kleiner Drehknopf für die Lautstärke der Audioanlage.
Weitere Fahrzeugfunktionen werden über ein Bedienmenü auf der Mittelkonsole gesteuert. Darüber lässt sich auch die Darstellung der digitalen Instrumente verändern.
Das neue Multifunktionslenkrad verfügt auf jeder Seite lediglich über zwei Drehregler mit jeweils zwei Tasten.
Hinter dem Lenkrad liegen ein digitales 10,9-Zoll-Instrumentendisplay, doppelt so groß wie bei den aktuellen Modellen der ID.-Familie, und ein Head-up-Display, das dem Fahrer möglichst viele Informationen liefert.
Für Smartphones gibt es mehrere USB-C-Anschlüsse im Innenraum sowie Magnethalterungen mit induktiver Ladefunktion an den Rückenlehnen der Vordersitze und auf der Mittelkonsole.
Klein, aber geräumig
Mit rund 4,05 m Länge liegt der ID. 2all von seinen Abmessungen her nahe am Volkswagen Polo. Dank seines rein elektrischen Antriebs soll er dennoch Platzverhältnisse auf dem Niveau des Golf bieten.
Besonders deutlich zeigt sich das beim Gepäckraum. Da an der Hinterachse kein Elektromotor sitzt, konnte Volkswagen statt einer Einzelradaufhängung eine Verbundlenkerachse einsetzen. Diese Lösung ist günstiger und beansprucht weniger Platz.
So fasst der Kofferraum 490 l und lässt sich auf 1.330 l erweitern. Damit übertrifft er sowohl den Volkswagen Golf mit 380 l als auch den ID.3 mit 385 l.
In diesem Wert enthalten sind 50 l zusätzlicher Stauraum unter der Rücksitzbank. Er ist speziell für Ladekabel sowie Gegenstände wie den Verbandskasten oder das Warndreieck vorgesehen.
Der Beginn einer neuen Offensive
Der ID. 2all wird eines von 10 neuen Elektromodellen sein, die Volkswagen bis 2026 auf den Markt bringen will. Auf das Facelift des ID.3, den ID. Buzz in der Langversion und den ID.7 sollen noch zahlreiche weitere Neuheiten folgen.
Der ID. 2all ist darunter die größte Neuheit. Für 2026 ist zudem ein neues kompaktes Elektro-SUV angekündigt.
Wird der Modellplan umgesetzt, verfügt der deutsche Hersteller über ein breites Elektroauto-Angebot. Das ist wichtig für sein Ziel, 80 % seiner für Europa produzierten Autos als Elektrofahrzeuge zu bauen.
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