Der neue Honda HR-V wurde bereits vor mehreren Monaten vorgestellt und rückt seinem Marktstart in Portugal immer näher. Eigentlich sollte er noch dieses Jahr erscheinen. Wegen der Halbleiterkrise, die die Automobilindustrie belastet, wird es jedoch erst Anfang 2022 so weit sein.
Die dritte Generation des japanischen SUV ist ausschließlich mit Hybridantrieb erhältlich und setzt damit Hondas Elektrifizierungsstrategie fort. Der Hersteller hat bereits angekündigt, 2022 in Europa mit Ausnahme des Civic Type R eine vollständig elektrifizierte Modellpalette anzubieten.
Seit der Einführung im Jahr 1999 wurden weltweit mehr als 3,8 Millionen Exemplare verkauft. Auch deshalb ist der neue HR-V Hybrid, wie seine offizielle Bezeichnung lautet, eine wichtige „Visitenkarte“ für Honda – insbesondere auf dem „alten Kontinent“.
Honda HR-V mit Coupé-Linien
Horizontale Linien, eine schlichte Formensprache und ein „Coupé“-Profil prägen das Äußere des HR-V. Sein Auftritt ist stärker auf den europäischen Markt zugeschnitten.
Dazu trägt vor allem die Dachlinie bei, die gegenüber dem Vorgänger um 20 mm niedriger ausfällt. Zugleich unterstreichen die auf 18 Zoll gewachsenen Felgen und die um 10 mm erhöhte Bodenfreiheit das robuste Erscheinungsbild.
Vorn fallen der neue Kühlergrill in Wagenfarbe und die schmale Voll-LED-Lichtsignatur auf. In der Seitenansicht zieht die weiter hinten positionierte und stärker geneigte A-Säule den Blick auf sich. Am Heck verbindet ein Lichtband die Rückleuchten über die gesamte Fahrzeugbreite.
Innenraum: Was hat sich verändert?
Der HR-V basiert auf der GSP-Plattform (Global Small Platform), die auch der neue Honda Jazz nutzt. Seine äußeren Gesamtabmessungen entsprechen denen des Vorgängers, dennoch bietet er mehr Platz.
Wie an der Karosserie betonen horizontale Linien auch im Innenraum den Eindruck von Breite. Die „klaren“ Oberflächen verleihen dem Cockpit zugleich eine elegantere Anmutung.
In der Mitte des Armaturenbretts sitzt ein 9-Zoll-Bildschirm mit HMI-System. Smartphones lassen sich darüber per Apple CarPlay, das ohne Kabel funktioniert, oder Android Auto einbinden. Hinter dem Lenkrad zeigt eine digitale 7-Zoll-Anzeige die wichtigsten Informationen für den Fahrer.
Eine weitere Neuerung bei diesem Modell sind die L-förmigen Luftauslässe an den Seiten des Armaturenbretts. Sie lenken die Luft entlang der vorderen Fenster und erzeugen seitlich sowie oberhalb der Passagiere eine Art Luftvorhang.
Diese Lösung soll für alle Insassen effizienter und komfortabler sein. Bei meinem ersten Kontakt mit dem neuen Honda-SUV konnte ich feststellen, dass das neue Belüftungssystem verhindert, dass die Luft den Passagieren direkt ins Gesicht strömt.
Mehr Platz und Vielseitigkeit
Die Vordersitze sind nun 10 mm höher angeordnet und ermöglichen dadurch eine bessere Sicht nach draußen. Zusammen mit dem weiterhin unter den Vordersitzen liegenden Kraftstofftank und den weiter hinten positionierten Rücksitzen sorgt dies für noch großzügigere Beinfreiheit.
Während der wenigen Stunden mit dem Fahrzeug wurde mir klar, dass die Beinfreiheit im Fond kein Problem darstellen dürfte. Wer größer als 1,80 m ist, berührt mit dem Kopf allerdings beinahe das Dach. Trotz der Breite des HR-V sollten hinten nicht mehr als zwei Personen sitzen, wenn sie bequem reisen möchten.
Auswirkungen gibt es auch auf den Kofferraum, der etwas kleiner ausfällt – die niedrigere Dachlinie hilft dabei ebenfalls nicht: Während die vorherige HR-V-Generation 470 Liter Ladevolumen bot, sind es beim neuen Modell 335 Liter.
Den Verlust an Laderaum bei aufrecht stehenden Rücksitzen gleichen aus meiner Sicht die vielseitigen Lösungen aus, die Honda weiterhin anbietet. Dazu zählen die Magic Seats und der ebene Kofferraumboden, mit denen sich sehr unterschiedliches Gepäck unterbringen lässt. Beispielsweise können Surfbretter und zwei Fahrräder ohne Vorderräder transportiert werden.
Ganz auf Elektrifizierung gesetzt
Wie bereits erwähnt, ist der neue HR-V ausschließlich mit Hondas Hybridantrieb e:HEV erhältlich. Zwei Elektromotoren arbeiten dabei mit einem 1,5-Liter-i-VTEC-Verbrennungsmotor im Atkinson-Zyklus zusammen. Hinzu kommen eine Lithium-Ionen-Batterie mit 60 Zellen – im Jazz sind es nur 45 – und ein Getriebe mit fester Übersetzung, das das Drehmoment ausschließlich an die Vorderräder leitet.
Zu den technischen Neuerungen gehört außerdem die Position der kompakteren Leistungssteuereinheit PCU, die nun im Motorraum integriert ist. Auch der Abstand zwischen Elektromotor und Rädern wurde verringert.
Insgesamt stehen maximal 131 PS und 253 Nm Drehmoment zur Verfügung. Damit beschleunigt der HR-V in 10,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h.
Im Mittelpunkt des Hybridsystems steht allerdings der Verbrauch. Honda gibt einen Durchschnitt von 5,4 l/100 km an; auf den ersten Kilometern am Steuer des HR-V lag ich durchgehend bei ungefähr 5,7 l/100 km.
Drei Fahrmodi
Das e:HEV-System des HR-V bietet die drei Betriebsarten Electric Drive, Hybrid Drive und Engine Drive sowie die drei Fahrmodi Sport, Econ und Normal.
Im Sportmodus reagiert das Gaspedal empfindlicher und die Leistungsentfaltung wirkt unmittelbarer. Im Econ-Modus liegt der Schwerpunkt, wie der Name nahelegt, auf einem kontrollierten Verbrauch: Dafür werden das Ansprechverhalten des Gaspedals und die Klimaanlage angepasst. Der Normalmodus stellt einen Kompromiss zwischen den beiden anderen Einstellungen dar.
Die elektronische Steuereinheit wechselt selbstständig und fortlaufend zwischen Electric Drive, Hybrid Drive und Engine Drive. Sie wählt jeweils die für die Fahrsituation effizienteste Betriebsart.
Wie unsere erste Fahrt mit dem neuen Honda-SUV gezeigt hat, lässt sich im Stadtverkehr dennoch ein Großteil der Strecke allein mit den Elektromotoren zurücklegen.
Bei höheren Geschwindigkeiten, etwa auf der Autobahn, wird der Verbrennungsmotor zugeschaltet und überträgt das Drehmoment direkt an die Räder. Wird beispielsweise für ein Überholmanöver mehr Leistung benötigt, wechselt das System sofort in den Hybridmodus. Im elektrischen Modus dient der Verbrennungsmotor schließlich nur dazu, das elektrische System zu „versorgen“.
Verbesserungen an Lenkung und Fahrwerk
Für die neue HR-V-Generation hat Honda nicht nur die Steifigkeit erhöht, sondern auch Fahrwerk und Lenkung an mehreren Stellen verbessert.
Schon nach wenigen Kilometern wird deutlich, dass das japanische SUV spürbar komfortabler und noch angenehmer zu fahren ist. Dazu tragen auch die erhöhte Sitzposition, die hervorragende Rundumsicht und die sehr bequemen Vordersitze bei. Sie bieten zwar wenig Seitenhalt, halten die Insassen aber dennoch an ihrem Platz.
Positiv überrascht haben mich die Geräuschdämmung des Innenraums – zumindest solange der Verbrennungsmotor „schläft“ –, die sanfte Arbeitsweise des Hybridsystems und die Gewichtung der Lenkung, die deutlich direkter und präziser wirkt.
Dennoch steht erkennbar eher der Komfort als die Dynamik im Vordergrund. Fährt man schneller in eine Kurve, macht sich das im Fahrwerk durch eine gewisse Karosserieneigung bemerkbar. Das reicht jedoch nicht aus, um das Fahrerlebnis in diesem SUV zu trüben.
Wann kommt der HR-V?
Der neue Honda HR-V wird erst Anfang nächsten Jahres auf den portugiesischen Markt kommen. Bestellungen sollen aber bereits im November möglich sein. Die endgültigen Preise und die Gliederung der Modellpalette für Portugal wurden noch nicht bekannt gegeben.
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