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Volkswagen Future Plan 2030: Bis zu 100.000 Stellen vor dem Abbau

Blaues Elektroauto Volkswagen Future 2030 in moderner Ausstellungshalle mit reflektierendem Boden

Der Volkswagen-Konzern wird künftig weniger Modelle und Varianten anbieten, Produktionskapazitäten abbauen und die Zahl seiner Beschäftigten senken. Der Aufsichtsrat hat den Future Plan 2030 einstimmig verabschiedet, den der Konzern selbst als weitreichendstes Transformationsprogramm seiner Unternehmensgeschichte einstuft.

Mit dem Plan endet eine mehrmonatige interne Debatte. Er bündelt 12 Maßnahmen, die Ausgaben senken, die Konzernorganisation vereinfachen und die Ertragskraft steigern sollen. Einzelne Schritte waren in den vergangenen Wochen bereits bekannt geworden, haben nun aber die erforderliche Freigabe für ihre Umsetzung erhalten.

Dazu zählt der zusätzliche Abbau von rund 50.000 Arbeitsplätzen weltweit, einschließlich Führungspositionen. Diese Zahl kommt zu den etwa 50.000 Stellen hinzu, die bereits von laufenden Abbauprogrammen betroffen sind. Damit liegt das mögliche Gesamtvolumen bei nahezu 100.000 Arbeitsplätzen.

Bis zur Hälfte der Modelle soll wegfallen

Eine der spürbarsten Veränderungen betrifft das Angebot für Kundinnen und Kunden unmittelbar. Bis 2035 will der Volkswagen-Konzern sein Modellportfolio um bis zu 50 % verringern und die Komplexität des Angebots um rund 75 % reduzieren.

Das bedeutet nicht nur eine geringere Zahl an Fahrzeugmodellen, sondern auch weniger Ausführungen und Ausstattungsoptionen. Damit sollen die Stückzahlen je Modell steigen, Skaleneffekte besser genutzt und Investitionen auf besonders wichtige sowie profitable Produkte fokussiert werden.

Zugleich plant der Volkswagen-Konzern, Plattformen, Elektronikarchitekturen, Fahrerassistenzsysteme und Software zu vereinheitlichen. Parallelstrukturen sollen dabei überall dort entfallen, wo dies möglich ist.

Finanziell strebt der Konzern bis 2030 eine operative Marge von 9 % und jährliche Verkäufe von neun Millionen Fahrzeugen an. Für Investitionen sowie Forschung und Entwicklung sind im Zeitraum von 2027 bis 2031 außerdem 135 Milliarden Euro vorgesehen.

Vier Volkswagen-Werke bleiben gefährdet

Der Volkswagen-Konzern räumt ein, derzeit über mehr als 500.000 Einheiten jährlicher Produktionskapazität über der Nachfrage zu verfügen. Bis Juni 2027 soll deshalb ein neues Konzept für die europäische Produktionsstruktur vorgestellt werden.

Im Rahmen dieses Konzepts ist die Zukunft der Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm weiterhin ungeklärt. Der Konzern kann für diese Standorte zwischen 2031 und 2034 keine wettbewerbsfähige künftige Produktionszuordnung zusichern und prüft zugleich alternative Nutzungsmöglichkeiten.

Vorgesehen sind darüber hinaus schlankere Führungsstrukturen mit weniger Hierarchieebenen. Ein bereichsübergreifendes Effizienzprogramm soll zudem Entwicklung, Einkauf, Produktion, Qualität, Vertrieb und Verwaltung erfassen.

In Nordamerika soll die Strategie stärker auf die profitabelsten Segmente ausgerichtet werden. In China will der Volkswagen-Konzern auf die veränderten Wachstumserwartungen des Marktes reagieren und seine Exporte in weitere Länder ausbauen.

Auch das Geschäfts- und Beteiligungsportfolio wird überprüft. Es soll um etwa ein Drittel verkleinert werden, indem Aktivitäten veräußert oder neu geordnet werden, die für das Automobilgeschäft nicht als strategisch gelten.

Monate des Ringens um den Future Plan 2030

Die Zustimmung zum Future Plan 2030 war keineswegs selbstverständlich. Die Arbeitnehmervertreter besetzen die Hälfte der Sitze im Aufsichtsrat und hatten sich gegen frühere Fassungen des Programms gestellt.

Auch das Land Niedersachsen, das 11,8 % des Kapitals der Volkswagen AG und 20 % der Stimmrechte hält, hatte einzelne vorgeschlagene Maßnahmen kritisiert. Im Juli war ein vorheriger Entwurf sogar vom Aufsichtsrat abgelehnt worden.

Daniela Cavallo, Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrats des Volkswagen-Konzerns, räumte ein, dass der Future Plan für die Führung des Unternehmens in den kommenden zehn Jahren erforderlich sei. Sie betonte jedoch, die Transformation dürfe nicht ausschließlich zulasten der Beschäftigten erfolgen.

Umsetzung des Plans beginnt sofort

Nach der Zustimmung des Aufsichtsrats tritt der Future Plan 2030 nun in eine neue Umsetzungsphase ein. Bereits begonnene Maßnahmen werden fortgeführt, während die übrigen Schritte unverzüglich vorbereitet werden.

Wo Vereinbarungen mit Arbeitnehmervertretern erforderlich sind, müssen die jeweiligen Marken und Tochtergesellschaften Verhandlungen aufnehmen. Der Aufsichtsrat wird die Durchführung des Programms weiterhin begleiten.

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