Zum Inhalt springen

BMW i3: Zwei Details stören das Design der Neuen Klasse

Weiß-schwarzer Elektro-Kleinwagen BMW i3 steht in einem hellen Ausstellungsraum neben Ladestation.

Seit ich 2023 den BMW Vision Neue Klasse gesehen habe, wartete ich mit echter Vorfreude auf den i3 beziehungsweise die elektrische 3er-Reihe. Zunächst wurde der SUV iX3 vorgestellt. Er gab Anlass zur Hoffnung, dass die neue Designsprache, die seit 2021 mehrere Studien angekündigt hatten, den Weg vom Konzept auf die Straße überstehen würde.

Die eigentliche Bewährungsprobe blieb jedoch der i3. Das historische und symbolische Gewicht der 3er-Reihe lässt sich nicht ausblenden. Der radikale Paradigmenwechsel vom Verbrenner zum Elektroauto hätte im Design „Chaos“ auslösen können – bei den Proportionen, den Flächen und den Details. Zum Glück hat das Serienfahrzeug die Vorlagen der Studien nicht zunichtegemacht. Ganz im Gegenteil.

Bevor ich auf meine Kritikpunkte eingehe, lohnt sich ein Blick auf das, was gelungen ist. Und das ist eine ganze Menge.

Im Kern besinnt sich die Formensprache der Neuen Klasse auf die bewährten Gestaltungsprinzipien, die BMW seit den ursprünglichen Modellen der Neuen Klasse aus den 1960er-Jahren geprägt haben: stimmige Proportionen, horizontale Linien, Zurückhaltung und markante Identitätsmerkmale ohne Übertreibung. Das zeigt sich beim iX3 ebenso wie nun beim i3.

Die Proportionen dieser zweieinhalbvolumigen Limousine sind insgesamt gut getroffen – sie bilden die Grundlage jedes guten Designs. Ihre Silhouette wirkt weniger fließend als bei anderen elektrischen Limousinen. Die Fahrgastzelle setzt sich traditioneller von den übrigen Volumen ab, ähnlich wie bei Limousinen vergangener Jahrzehnte.

Perfekt ist das Ergebnis dennoch nicht. Weil die Batterie im Boden sitzt, musste BMW das Fahrzeug aufgrund seiner reinen Elektroarchitektur gegenüber dem 3er mit Verbrennungsmotor um 4 cm höher bauen. Um das zusätzliche Volumen optisch auszugleichen, erhielt der i3 riesige 21-Zoll-Felgen. Dadurch wirkt er kompakter, obwohl er in jeder Richtung größer ist als der 3er. Wer sich an die optische Leichtigkeit des E46 oder auch des F30 erinnert, bemerkt den Unterschied.

Das ist der Preis der Elektrifizierung, doch das Endergebnis enttäuscht nicht. Ein Vergleich mit dem aktuellen 5er beziehungsweise i5 genügt: Gerade bei den entscheidenden Proportionen überzeugt er nicht so wie seine Vorgänger.

Trotzdem gibt es zwei Details, die mich stören. Sie rauben mir nicht den Schlaf, aber jedes Mal, wenn ich Bilder des Autos sehe, bleibe ich wieder daran hängen.

Immer wieder die Doppelniere

Diese Neuinterpretation der Doppelniere überzeugt mich mehr als alle Lösungen der vergangenen Jahre. Die waren entweder übertrieben groß oder so stark verwässert, dass sie kaum noch als Niere zu erkennen waren. Über die Ausführung lässt sich dennoch streiten. Statt eines funktionslosen Kühlergrills, wie ihn viele andere Elektroautos einschließlich BMW-Modellen tragen – mit teils peinlichem Ergebnis –, hat die Marke das grafische Element mithilfe von Licht neu erfunden.

Beim i3 liegt das Problem in der Geometrie. Frontal betrachtet funktioniert sie sehr gut. Aus verschiedenen anderen Blickwinkeln, aus denen wir die meisten Autos auf der Straße wahrnehmen, erzeugen die leuchtenden Konturen der beiden Hauptelemente, in die auch die Scheinwerfer integriert sind, jedoch ein Wahrnehmungsproblem. Die Elemente scheinen nicht nur unterschiedlich geformt, sondern auch gegeneinander versetzt zu sein. Auf dem Bild unten ist das ziemlich deutlich zu erkennen:

Entscheidend ist das „Tal“, in dem das Logo sitzt und die beiden Leuchtrahmen aufeinandertreffen. Es setzt sich über den Stoßfänger fort und lässt die „Nieren“ nach innen abknicken. Dadurch verändert sich die Wahrnehmung der Linienführung und es entsteht der Eindruck, dass etwas nicht stimmt.

So irritierend wie der schielende Blick des Morgan Aero 8, der durch die ungewöhnliche Position seiner Scheinwerfer entsteht, ist das nicht. Auch fällt es weniger stark auf als das seitlich versetzte hintere Kennzeichen des Land Rover Discovery, dessen Heck aus manchen Perspektiven verzogen wirkte. Aber es stört genug, dass der Blick immer wieder dorthin zurückkehrt, um sich zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist …

Möglicherweise verschwindet dieser Eindruck beim direkten Betrachten. Manche Autos sehen auf Fotos problematisch aus und funktionieren in Wirklichkeit einfach. Dennoch sollte BMW sich nicht darauf verlassen müssen.

Die Korrektur scheint nicht schwierig zu sein. Beim iX3 endet das „Tal“ mit dem Logo an der Motorhaube, auch wenn die Einbindung der Doppelniere dort ebenfalls Anlass zur Kritik gibt. Noch deutlicher zeigt die Studie Vision Circular von 2021 eine solche Lösung. Vielleicht lässt sich dieses Detail bei einer Überarbeitung des i3 in einigen Jahren korrigieren, sodass der Gesamteindruck noch besser wird.

Hofmeister-Knick

Der zweite Punkt ist leichter erklärt und schwerer zu entschuldigen. Der „Hofmeister-Knick“, das Detail an der hinteren Ecke des Seitenfensters, prägt die BMW-Formensprache seit den 1960er-Jahren. Beim i3 erscheint er als Kunststoffteil, das auf die Karosserie aufgesetzt ist und nicht zur Tür gehört. Das wirkt billig. Punkt.

Eine ästhetische Rechtfertigung dafür gibt es nicht, und auch sonst finde ich keinen Grund für diese Entscheidung. Der Vision Neue Klasse von 2023 löste das Detail so, wie es sein sollte: in die Fensterform integriert und als Teil der Türöffnung. Ein darübergeklebtes Stück Kunststoff war dafür nicht nötig.

Dort entsteht der Knick ganz selbstverständlich aus der seitlichen Öffnung und fügt sich ins Ganze ein. Beim i3 wirkt er dagegen wie eine nachträgliche Idee.

Immerhin hat BMW glücklicherweise nicht versucht, ihn neu zu erfinden, anders als beim aktuellen 3er mit seinem angedeuteten doppelten Knick. Trotzdem hätte das Detail mehr Aufmerksamkeit verdient – schließlich ist es ein Identitätsmerkmal, das fast so bedeutend ist wie die Doppelniere.

Weitere Unstimmigkeiten finden sich an den unteren Enden der Karosserie: Die senkrechten Elemente neben den Stoßfängern vorn und hinten wirken eingesetzt, ohne dass ihre Umgebung ausreichend berücksichtigt wurde. Zwar erfüllen sie eine aerodynamische Funktion, ihre Integration lässt aber zu wünschen übrig.

Was als Nächstes kommt, könnte deutlich besser sein

Ich möchte nicht ausschließlich kritisch und negativ enden. Wie eingangs gesagt, steht der neue BMW i3 für eine Rückkehr der Münchner Marke zu guter Form. Nachdem wir in den vergangenen Jahren erlebt haben, wie ihre prägenden Elemente karikiert wurden – etwa durch riesige Doppelnieren – oder verwässert wurden, etwa durch miteinander verbundene Nieren, sind die Modelle der Neuen Klasse neben anderen unnötigen gestalterischen Verkomplizierungen eine wohltuende Kursänderung. Diese Formensprache wird sich auf alle weiteren Modelle der Marke ausbreiten.

Zum Schluss noch ein Ausblick voller Erwartung: Im nächsten Jahr kommt ein neuer 3er mit Verbrennungsmotor. Optische Überraschungen dürfte es nicht geben, denn auch er wird dieselbe Formensprache der Neuen Klasse tragen.

Da er die CLAR-Plattform des aktuellen 3ers beibehält, hat er bei den Proportionen allerdings einen natürlichen Vorteil. Er wird niedriger sein, und die Vorderachse rückt weiter von der Fahrgastzelle ab. Dieser sogenannte Abstand zwischen Armaturenbrett und Vorderachse definiert seit den Anfängen des Automobils, was als hochwertig und luxuriös gilt. Der Verbrenner verspricht damit schlanker und eleganter zu werden, ohne die massige Statur, die der i3 nicht vollständig verbergen kann.

Das Design des 3ers mit Verbrennungsmotor dürfte inzwischen längst feststehen, und die von mir beschriebenen Details werden kaum noch korrigiert werden. Seine nochmals besseren Proportionen könnten aber das Beste aus dieser Formensprache zeigen.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen