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Renault Captur E-TECH im Test: Lohnt sich der Plug-in-Hybrid?

Oranger Renault E-TECH Elektro-SUV beim Laden in modernem, hellem Showroom.

An Vielfalt mangelt es nicht. Nachdem wir den Captur bereits mit Diesel-, Benzin- und LPG-Motor getestet hatten, musste sich nun der Renault Captur E-TECH als erste elektrifizierte Variante des französischen SUV beweisen.

Optisch fordert er dazu heraus, die Unterschiede zu seinen „Modellgeschwistern“ zu finden – wirklich ... Diese Aufgabe kann ebenso anspruchsvoll wie frustrierend sein.

Der Grund dafür ist einfach: Die Abweichungen sind praktisch nicht vorhanden. Sie beschränken sich auf einige (sehr) dezente Logos und natürlich die Ladebuchse. Davon abgesehen behält der Captur sein attraktives und vertrautes Erscheinungsbild, das zugleich die für Fahrzeuge dieses Segments typische jugendliche Note besitzt.

Im Innenraum ändert sich (sehr) wenig

Wie außen fallen auch innen lediglich Details anders aus: Logos sowie Grafiken für das Hybridsystem im Kombiinstrument mit 10,2-Zoll-Display und im vertikal angeordneten Infotainmentsystem, dessen Bildschirm 9,3 Zoll misst.

Beim Raumangebot machen sich die Vorteile der CMF-B-Plattform weiterhin bemerkbar. Nur das Kofferraumvolumen leidet darunter, denn die Batterien beanspruchen viel Platz: Statt 406 bis 536 Litern stehen nur noch deutlich bescheidenere 265 bis 379 Liter zur Verfügung.

Ruhe bitte, wir fahren den Captur E-TECH

Während den Renault Captur E-TECH außen und innen kaum etwas von seinen Geschwistern trennt, werden die Unterschiede am Steuer sofort deutlich. Schon im Menü des „Multi-Sense“-Systems finden sich anstelle der üblichen Modi „My Sense“, „Sport“ und „Eco“ die Einstellungen „Pure“, „Sport“ und „E-Save“.

Der erste Modus wird stets automatisch gewählt, sofern die 9,8-kWh-Batterie mit 400 V geladen ist. Er priorisiert das rein elektrische Fahren und bestätigt, dass die versprochenen 50 km elektrische Reichweite – 65 km im Stadtverkehr – realistisch sind. Auf einer Strecke mit vielen Schnellstraßen konnte ich allein mit Batteriestrom rund 45 km zurücklegen.

Im Modus „Sport“ wird die Lenkung schwergängiger. Sobald das Gaspedal vollständig durchgetreten wird, arbeiten alle drei Motoren gleichzeitig und stellen nahezu unverzüglich das gesamte Drehmoment bereit.

Der Modus „E-Save“ ist hingegen die Wahl, wenn man – wie ich – weiß, dass die Fahrt in der Stadt endet und noch Batteriereserve für den elektrischen Stadtverkehr behalten möchte. Hier wird ein Ladezustand festgelegt, der später genutzt werden soll. Ist er erreicht, wird der Einsatz des Elektromotors eingeschränkt und der Verbrennungsmotor bevorzugt.

Unabhängig vom gewählten Modus arbeitet das Plug-in-Hybridsystem des Renault Captur E-TECH angenehm geschmeidig; die Wechsel zwischen den einzelnen Motoren erfolgen fast unmerklich. Eine Ausnahme gibt es nur bei Vollgas.

Sparsam und schnell?

Wie du vermutlich bereits weißt – insbesondere, wenn du diesen Artikel gelesen hast –, nutzt der Renault Captur E-TECH denselben Antrieb wie der Mégane ST E-TECH, den wir vor einigen Monaten getestet haben.

Zum 1,6-l-Benzinmotor mit 91 PS und 144 Nm kommen zwei Elektromotoren hinzu. Der größere mit 67 PS und 205 Nm treibt den Captur an. Der kleinere mit 34 PS und 50 Nm übernimmt die Aufgaben von Starter und Stromgenerator und nutzt Verzögerungsphasen sowie Bremsvorgänge.

Zusammen ergibt das eine maximale Systemleistung von 160 PS. Damit beschleunigt die stärkste Renault-Captur-Version in 10,1s von 0 auf 100 km/h und erreicht 173 km/h. Atemberaubende Fahrleistungen? Nicht unbedingt – doch genau das ist auch nicht der Anspruch des Captur E-TECH.

Seine Aufgabe besteht darin, möglichst sparsam unterwegs zu sein und dabei so wenig CO₂ wie möglich auszustoßen. Mit einem angegebenen Verbrauch von 1,5 l/100 km und Emissionen von 33 bis 35 g/km gelingt ihm das zumindest auf dem Papier.

In der Praxis – und selbstverständlich nur beim Verbrauch – ist es mit geladener Batterie leicht, nahe an den Werkswert heranzukommen. Ohne besondere Anstrengung erzielte ich einen Durchschnitt von 1,9 l/100 km.

War der Akku dagegen leer und arbeitete der Captur E-TECH wie ein konventioneller Hybrid, lagen die Durchschnittswerte zwischen 3,9 l/100 km auf einer Route mit viel Autobahn und Landstraße sowie 5,8 l/100 km im Stadt- und Vorstadtverkehr.

Auch wenn die Fahrleistungen auf dem Papier nicht übermäßig beeindrucken, enttäuschen sie im Alltag nicht. Selbst mit voll besetztem Fahrzeug und Gepäck ist genügend Leistung für zügiges Fahren vorhanden.

Beim Fahrverhalten bezahlt der Renault Captur E-TECH letztlich den Preis seines höheren Gewichts, das auf den elektrifizierten Antrieb zurückgeht: 1639 kg gegenüber etwas mehr als 1300 kg beim Captur TCe 140.

Das Grundverhalten bleibt dem der anderen Captur gleich – eher komfortorientiert, aber stets berechenbar und souverän. Seine Grenzen erreicht er jedoch etwas früher. Die zusätzliche Masse macht sich auch in den Karosseriebewegungen bemerkbar: Er wankt stärker als die Captur-Modelle mit reinem Verbrennungsmotor.

Ist der Renault Captur E-TECH das richtige Auto für mich?

Der Renault Captur E-TECH kann weite Strecken zurücklegen, ohne einen Liter Benzin zu verbrauchen. Wie jeder Plug-in-Hybrid verlangt er von seinem Besitzer allerdings die „Disziplin“, ihn regelmäßig zu laden, damit dieses Konzept sinnvoll ist.

Außerdem sollte man genau rechnen. Schließlich ist er zwar die sparsamste, zugleich aber mit großem Abstand auch die teuerste Variante der Baureihe.

Prüfen Sie Ihren Alltag: Wie viele Kilometer legen Sie täglich zurück, und haben Sie die Möglichkeit, den Captur E-TECH bei Bedarf zu laden? Fallen die meisten dieser Kilometer im Stadtverkehr an, kann sich der höhere Preis trotz allem mittel- bis langfristig durch geringere Benzinkosten auszahlen.

Bestehen die meisten Fahrten dagegen aus Schnellstraßen- und Autobahnetappen oder ist der Zugang zu Lademöglichkeiten noch nicht ideal, bietet die Renault-Captur-Baureihe eine weitere sehr wirtschaftliche Alternative: die deutlich günstigere LPG-Variante.

Zwar hat sie 60 PS weniger und ist langsamer, doch sie wiegt rund 364 kg weniger – sie kommt auf 1275 kg –, bietet mehr Kofferraum und nutzt einen Kraftstoff, der günstiger als Benzin ist. Bei vergleichbarer Ausstattung Intens kostet sie zudem etwa 10.000 Euro weniger: 23.690 Euro „gegenüber“ 33.940 Euro.

Um es mit den Worten des ehemaligen portugiesischen Premierministers und heutigen UN-Generalsekretärs António Guterres zu sagen: Bei der Wahl des Captur E-TECH sollte man am besten „nachrechnen“.

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