Der Fiat 500X Sport und der Jeep Renegade Orange Edition basieren – ebenso wie die übrigen Varianten ihrer jeweiligen Baureihen – auf derselben Plattform. Sie nutzen identische Antriebe und laufen sogar im gleichen Werk vom Band.
Auf den ersten Blick würde das wohl kaum jemand vermuten: Außen- und Innendesign könnten kaum unterschiedlicher ausfallen. Doch wenn diese beiden Modelle so viel verbindet, stellt sich die Frage, ob sie außer ihrer Gestaltung überhaupt mehr voneinander trennt.
Um das herauszufinden, haben wir beide Fahrzeuge zusammengebracht. Beide waren mit dem neuen 1.3 Firefly Turbo mit 150 PS, einem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe und Vorderradantrieb ausgestattet – der einzigen Kombination, die für diesen Motor angeboten wird.
Temperamentvoller Firefly und …
Der 1.3 Firefly Turbo mit 150 PS ist der stärkste Benziner, der für den 500X und den Renegade erhältlich ist. Für uns ist es die zweite Begegnung mit diesem noch jungen Aggregat: João Delfim Tomé hatte ihn bereits in einem anderen Renegade erprobt, und ich kann seine Einschätzung nur teilen.
Die 150 PS und 270 Nm geben sowohl dem Renegade als auch dem 500X den Kraft- und Leistungsschub, der dem interessanten Dreizylinder-Firefly mit 1000 cm³ fehlte. Mit rund 1400 kg zählen beide nicht zu den Leichtgewichten ihres Segments, weshalb die zusätzliche Durchzugskraft willkommen ist.
Die energische Charakteristik des Motors wird allerdings etwas durch das Getriebe gedämpft, das im Vergleich zu ähnlichen Getrieben schneller reagieren könnte – besonders auffällig ist das im manuellen Modus.
Im Automatikbetrieb arbeitet es hingegen geschmeidig und entspricht damit den Erwartungen der meisten Käuferinnen und Käufer in diesem Segment.
Keines der beiden Fahrzeuge bietet Fahrprogramme, was durchaus begrüßenswert ist. Angesichts des sportlicheren Anspruchs dieser 500X-Version hätte man sich für ihn dennoch eine etwas schärfere Abstimmung gewünscht.
Erst wenn man das Gaspedal entschlossener betätigt, kann das Getriebe das Potenzial dieses neuen FCA-Motors vollständig ausschöpfen. Dieses Verhalten kennen wir allerdings auch von anderen Modellen, die ich bereits mit Doppelkupplungsgetriebe gefahren bin.
… durstig
An Leistung und Durchzug mangelt es dem 1.3 Firefly Turbo in keinem der beiden Modelle – der 500X Sport ist dabei geringfügig schneller. Sein Verbrauch fällt allerdings ebenfalls nicht gerade zurückhaltend aus.
Ob im 500X oder im Renegade: Wer diesen Antrieb wirklich ausnutzen möchte, muss im gemischten Stadt- und Vorstadtverkehr mit stets mehr als 9,0 l/100 km rechnen. Bei Autobahntempo lässt sich dieser Wert unterschreiten. Erst bei moderaten, konstanten Geschwindigkeiten zeigt der Bordcomputer allerdings immer noch recht hohe 7,0 l/100 km an.
Fiat 500X Sport und Jeep Renegade Orange Edition im Fahrvergleich
Okay … Bei Motor und Getriebe konnte ich zwischen dem 500X Sport und dem Renegade keine Unterschiede feststellen. Am Steuer zeigen sich trotz der engen Verwandtschaft jedoch durchaus Abweichungen.
Überraschenderweise verarbeitet der 500X Sport harte Unebenheiten wie Fahrbahnübergänge, Kanaldeckel oder stark aufgerauten Belag besser. Das überrascht, denn seine gegenüber anderen 500X um 10 % straffere Abstimmung, die um 13 mm geringere Bodenfreiheit und die neu abgestimmte Lenkung ließen ihn eigentlich als empfindlicheren Kandidaten erwarten.
Die „Schuld“ könnten die größeren Räder des Renegade tragen. Zwar fahren beide auf 19-Zoll-Felgen – beim 500X Sport optional, beim Renegade Orange Edition serienmäßig –, doch der gesamte Raddurchmesser aus Reifen und Felge ist beim Renegade größer: 235/45 ZR19 gegenüber 225/40 ZR19 beim 500X Sport.
Auch bei der Lenkung wurden die Erwartungen „auf den Kopf gestellt“: Ausgerechnet der dynamischere 500X Sport besitzt die leichtere Lenkung. Der Unterschied ist nicht gewaltig, aber klar spürbar.
Die Änderungen am Fahrwerk machen den 500X Sport zwar nicht zum ultimativen B-SUV für Fahrbegeisterte, dennoch überzeugt er in dieser Disziplin und stellt gegenüber den übrigen 500X eine positive Weiterentwicklung dar.
Große Räder, Niederquerschnittsreifen und die straffere Abstimmung sorgen zwar für ein bewegteres, nervöseres Abrollen. Unkomfortabel wird er dadurch aber nicht und liegt in dieser Hinsicht auf dem Niveau des Renegade. Dafür reagiert er in Kurvenfolgen präziser.
Trotz seiner weicheren Abstimmung spricht die Vorderachse des Renegade ebenfalls prompt an, und die stärkeren Karosseriebewegungen bleiben verhältnismäßig kontrolliert. Das höhere Lenkgewicht und der stärkere Widerstand kamen dem Jeep Renegade bei engagierter Fahrweise letztlich sogar zugute.
Unterschiedlich, aber doch gleich?
Unterm Strich gibt es trotz der offensichtlichen Kontraste offenbar mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes. Vor allem bei der Fahrdynamik hatte ich eine deutlichere Abgrenzung erwartet. Dennoch unterscheiden sie sich in der Wahrnehmung, sobald man hinter dem Lenkrad sitzt.
Im Jeep Renegade fühlt man sich wie in einem SUV … SUV – er wirkt stets substanzieller. Im Fiat 500X Sport entsteht dagegen eher der Eindruck eines konventionelleren Autos: weniger abenteuerlich, urbaner, und selbst die größere Sitzhöhe fällt am Steuer nicht besonders stark auf.
Diese unterschiedlichen Eindrücke sind auf die Designentscheidungen beider Fahrzeuge zurückzuführen. Die kantigeren Formen des Renegade – im Stil eines Wrangler … –, die senkrechteren Säulen und auch seine größere Höhe außen wie innen verorten ihn deutlicher in der SUV-Welt. Dabei bevorzugt gerade diese Orange Edition mit ihren riesigen Rädern ganz klar Asphalt statt unbefestigter Wege.
Dieser Eindruck setzt sich im Innenraum fort. Die stärker geformte Gestaltung des 500X Sport steht dem funktionaleren Cockpit des Renegade gegenüber. Ein Teil der wahrgenommenen Solidität zeigt sich auch praktisch: Keiner der beiden ist bei der Verarbeitung Klassenmaßstab, doch der Renegade steckte die Strapazen des Lissaboner Kopfsteinpflasters besser weg und quittierte sie mit weniger Geräuschen aus den Kunststoffteilen im Innenraum.
Die abweichenden Innenraumkonzepte verschaffen dem Renegade zudem einen kleinen Vorteil bei der Bedienung. So ist sein Infotainment-Bildschirm besser platziert als im 500X. Beide nutzen zwar das überzeugende UConnect-System, doch im amerikanischen Modell wirkt die Bedienoberfläche dank ihrer grafischen Gestaltung intuitiver – es ist deutlicher erkennbar, wo man drücken kann und wo nicht.
Der 500X Sport kontert mit einem in dieser Ausführung optisch ansprechenderen Armaturenbrett: Alcantara- und Lederapplikationen, letztere optional, werten es auf. Hinzu kommt das sehr gute Sportlenkrad, das angenehmer in der Hand liegt.
500X günstiger im Einstieg, Renegade besser ausgestattet
Der Jeep Renegade Orange Edition kostet in der Grundausstattung 1750 Euro mehr als der Fiat 500X Sport, bietet dafür aber mehr Serienausstattung. Elektrisch anklappbare Außenspiegel sowie Regen- und Lichtsensoren gehören beim Renegade beispielsweise zum Standard, während sie für den 500X Sport extra kosten.
Unser 500X Sport gleicht diesen Abstand allerdings mit seinen Optionen im Wert von 2700 Euro aus – beim Renegade war lediglich die Lackierung optional. Sein Kaufpreis liegt damit allerdings rund 500 Euro über dem des Renegade.
Der 500X Sport ist bislang die interessanteste 500X-Ausführung. Dafür sorgen sowohl sein Auftritt als auch die verfeinerte Fahrdynamik; außerdem ist er mit sämtlichen Motorisierungen der Baureihe einschließlich Diesel erhältlich. Die „orangefarbene“ Orange Edition des Renegade setzt dagegen ausschließlich auf optische Differenzierung und ist auch mit dem 1.0 erhältlich.
Dieser Vergleich endet daher mit einem technischen Unentschieden. Der entscheidende Unterschied bleibt jener, der bereits zu Beginn angesprochen wurde: Wie bevorzugen Sie Ihr SUV: näher an klassischen Autos oder an reinrassigen SUVs?
Unabhängig von der Wahl bieten beide Modelle Qualitäten, die weit über ihren Stil hinausgehen.
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