Toyota FT-Se – Sportlicher Elektroantrieb. Kreative Modellnamen sind nicht unbedingt die Paradedisziplin der Japaner, doch an Klarheit mangelt es nicht: Der Name wirkt wie eine wörtliche Aufzählung dessen, was dieses Auto sein will. Und trotzdem kommt einem beim Blick auf den kleinen, sportlichen Toyota mit klaren Mittelmotor-Proportionen sofort ein Gedanke: ein elektrischer MR2. Das weckt Erwartungen.
Ganz ohne Einordnung geht es allerdings nicht. Der FT-Se wurde parallel zum FT-3e SUV und zur LF-ZC Limousine gezeigt – ein freundlicher Paukenschlag der nächsten Produktgeneration, mit dem Toyota die Möglichkeiten seiner brandneuen prismatischen Batterien, des Gigacasting (bei dem mehrere Karosserieteile in einem Schritt gefertigt werden) und generell eine Portion Zukunftsoptimismus demonstriert. Nur: Hier steckt mehr Substanz drin, als es auf den ersten Blick nach Konzeptstudie aussieht – und auffällig ist der FT-Se allemal. Er ist alles, nur keine graue Maus.
Design und Aerodynamik des Toyota FT-Se
Würde man das Auto am Telefon beschreiben, klänge es vermutlich wie ein Durcheinander. Die Formensprache scheint ausschliesslich aus Kanten, Flächen und Leerräumen zu bestehen, die gleichzeitig um Aufmerksamkeit ringen. Steht man jedoch direkt daneben, wirkt das Ganze überraschend stimmig.
Vorn dominiert ein breites, kantiges „Maul“ mit LED-„Fängen“, die beidseitig schräg nach unten ziehen. Dazu kommen Lufteinlässe, die laut Toyota bei einem Auto, das auf der Rennstrecke hart herangenommen wird, notwendig sind. An den Flanken sitzen messerscharfe Linien, und aus den Seiten treten Kühlleisten beziehungsweise -pods hervor – wie aerodynamische Satteltaschen, erneut mit Blick auf die Kühlung bei schnellen Runden. Besonders spannend ist der hintere Radlauf: oben wirkt er wie abrasiert und fast turmartig, bevor die Linie in eine kleine Ducktail-Kante übergeht, eingerahmt von den „Haiflossen“-Oberseiten der Rückleuchten. Das hat etwas von einem Mini-LMP-Rennwagen – und genau dadurch gewinnt der Auftritt.
Fotografie: John Wycherley
8 Minuten 17 Sekunden
MR2-Anmutung und Leistungsziele
Ist das also ein MR2? Nun: Es ist ein kompakter, sportlicher Toyota mit eindeutigem Mittelmotor-Look – auch wenn vorn und hinten jeweils Elektromotoren für Allradantrieb vorgesehen sind. Toyota betont jedoch klar, dass der FT-Se als Fahrerauto gedacht ist.
Für die Rennstrecke soll es eine deutliche Heckbetonung geben, damit es „spassig“ bleibt. Offizielle Daten nennt Toyota noch nicht, allerdings fällt die Kommunikation erstaunlich konkret aus: im Gespräch sind rund 365 bhp, etwa 3,0 Sekunden von 0–100 km/h sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 249 km/h (155 mph) – dazu kommen Zielzeiten für den Nürburgring. Solche Angaben passen normalerweise nicht zu reiner Luftnummer.
Im Austausch mit Hideaki Iida – Projektmanager in Toyotas GR-Designteam und nebenbei Teil der Mannschaft hinter dem glatten neuen Prius – entsteht der Eindruck, dass der FT-Se mehr als nur flüchtig Windkanalzeit hatte und bei der Entwicklung auch die Realitäten der Serienfertigung mitgedacht wurden. Und wie so oft bei den Köpfen hinter der neuen Welle japanischen Designoptimismus: Da steht jemand, der nicht nur fürs Styling brennt, sondern für das gesamte Ökosystem des Fahrens – von der Form über die Technik bis zu den Gefühlen und Erfahrungen der Bewegung.
„Ist das also ein MR2? Nun: Es ist ein kompakter, sportlicher Toyota mit eindeutigem Mittelmotor-Look“
Innenraum, Sicht und Materialien
Diese Haltung spiegelt sich im Interieur deutlich wider. Optisch wirkt es zwar ein bisschen nach „2040“, gleichzeitig ist alles konzentriert und durchdacht. Die Basis der Windschutzscheibe sitzt niedrig, und die Fensterlinie liegt etwa auf Ellbogenhöhe – das hält die Rundumsicht hoch. Platz gibt es reichlich, und durch die gestaffelten, schlanken Konturen des Armaturenbretts fühlt sich der Innenraum tatsächlich luftig an.
Auch hier entsteht ein interessanter Grösseneindruck: Der FT-Se dürfte ungefähr in der Liga eines GR Supra liegen, wirkt innen aber deutlich grösser, während er aussen optisch kompakter rüberkommt. Den Unterschied versteht man vermutlich erst so richtig, wenn beide nebeneinander stehen – doch dieses kantige „Halbformat-Supercar“-Gefühl ist eindeutig vorhanden.
Man richtet den Blick ausserdem über die Kanten der vorderen Kotflügel aus und „zielt“ durch die beiden A-Säulen. Und dieses netzartige Material, das wie vakuumverpacktes Fischernetz wirkt? Dahinter steckt ein 3D-gedrucktes Material, weich, aber strukturiert. Es polstert die Knie, damit man sich bei hohem Tempo auf der Strecke abstützen kann, und lässt zugleich Luft zirkulieren. Auch wenn man ahnt, dass es im Alltag ein Magnet für Fussel wäre und das Reinigen zur Geduldsprobe werden könnte – als Idee ist es reizvoll.
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Technik: prismatische Batterien, Gigacasting und „Arene“
Was bedeutet der FT-Se damit konkret für uns? Toyota hat bereits eingeräumt, dass ein GR-gebrandeter Elektro-Sportwagen unterwegs ist. Und die beiläufig genannten Leistungsziele aus der echten Welt sprechen dafür, dass der kleine goldene Zweisitzer weniger abgehoben ist, als er auf den ersten Blick wirken mag.
Toyotas prismatische Batterien der nächsten Generation sind dabei tatsächlich ein spannender Baustein. Dazu kommt ein KI-gestütztes Betriebssystem namens „Arene“ (ebenfalls im LESC), das mit dem Fahrzeug „mitlernt“, es optimiert und Upgrades auf die Vorlieben der Besitzerin oder des Besitzers ausrichtet. Es gibt viel zu entwirren – aber es sieht danach aus, als würde Toyota nach einem zähen Elektro-Start nun spürbar Tempo aufnehmen. Und inmitten des lauten Geredes über SUVs und neue Energiequellen sind die Hinweise auf einen interessanten, fahrerorientierten Sportwagen nicht untergegangen. Er wird vielleicht nicht MR2 heissen, doch das Konzept wirkt, als trüge es die Fackel des „Midship Runabout“ weiter.
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