Ein Autofahrer rüstet seine Benzin-Limousine mit einem speziellen Steuergerät aus. Danach tankt er an der Zapfsäule einen anderen Kraftstoff und bezahlt für eine volle Tankfüllung ungefähr nur die Hälfte. Doch was leistet dieser Kasten, wer kann ihn einsetzen und welche Nachteile sind zu beachten?
Warum Spritpreise für viele Autofahrer zur Belastung werden
Die Zeiten, in denen Benzin dauerhaft weniger als einen Euro je Liter kostete, sind lange vorbei. In den zurückliegenden Jahren näherte sich Super häufig der 2-Euro-Grenze oder überschritt sie zeitweise sogar. Für Berufspendler, Handwerksbetriebe und Familien, die täglich auf ihr Auto angewiesen sind, beansprucht jeder Tankvorgang einen zunehmend größeren Anteil des monatlichen Budgets.
Vor allem auf dem Land gibt es häufig keine gleichwertige Alternative. Busverbindungen sind selten, Bahnhöfe weit entfernt und für lange Arbeitswege ist das Fahrrad meist keine realistische Option. Daher suchen viele Fahrzeughalter nach Möglichkeiten, ihre laufenden Ausgaben zu verringern, ohne unmittelbar ein anderes Fahrzeug anschaffen zu müssen.
Eine der aktuell spannendsten Optionen für Benziner-Fahrer heißt: Superethanol E85 in Kombination mit einem FlexFuel-Steuergerät.
Was Superethanol E85 auszeichnet
Superethanol E85 ist ein Kraftstoff mit einem hohen Ethanolanteil. Abhängig von der Jahreszeit kann dieser Anteil bis zu 85 Prozent betragen. Das Ethanol wird überwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen wie Zuckerrüben oder Getreide gewonnen. Der verbleibende Anteil besteht aus herkömmlichem fossilem Kraftstoff.
Besonders attraktiv ist der Preis. Offizielle Daten aus mehreren europäischen Ländern, darunter Frankreich, belegen, dass E85 oft 0,80 bis 1,00 Euro je Liter kostet. Normales Superbenzin (SP95, SP98) liegt dagegen häufig deutlich oberhalb von 1,80 Euro pro Liter.
Rechenbeispiel für einen 50-Liter-Tank:
- 50 Liter E85 à 0,90 Euro: 45 Euro
- 50 Liter Super à 1,80 Euro: 90 Euro
- Ersparnis pro Tankfüllung: rund 45 Euro
Daran zeigt sich, weshalb der Kraftstoff das Interesse vieler Fahrer weckt. Allerdings verträgt nicht jedes Fahrzeug E85 ohne technische Anpassungen.
FlexFuel-Kasten: Wie Benziner für E85 umgerüstet werden
Manche Fahrzeuge sind bereits serienmäßig auf den Betrieb mit unterschiedlichen Kraftstoffen ausgelegt. Diese Flex-Fuel-Autos können sowohl normales Super als auch E85 ohne Umbau nutzen. Die Mehrheit klassischer Benziner erfüllt diese Voraussetzung jedoch nicht.
An dieser Stelle kommt ein nachrüstbares Steuergerät ins Spiel, das oft FlexFuel-Kasten genannt wird. Es wird im Motorraum eingebaut und mit der Einspritzanlage verbunden. Das Gerät ermittelt die aktuelle Kraftstoffzusammensetzung im Tank und passt daraufhin die eingespritzte Menge an.
Der Kasten sorgt dafür, dass der Motor sowohl mit reinem Super, reinem E85 als auch mit jedem beliebigen Mischverhältnis dazwischen zurechtkommt.
Im Alltag bedeutet das: Je nach Preis und Verfügbarkeit an der Tankstelle lässt sich günstiges E85 oder gewöhnliches Super tanken. Das Steuergerät stellt im Hintergrund sicher, dass der Motor die jeweils passende Versorgung erhält.
Rechtliche Vorgaben und Anforderungen beim Einbau
In zahlreichen europäischen Ländern, darunter Frankreich, ist der Einbau durch eindeutige Vorgaben geregelt. Eine Verordnung aus dem Jahr 2017 legt fest, welche Fahrzeuge umgerüstet werden dürfen und unter welchen Bedingungen der Umbau erfolgen muss. In der Regel dürfen ausschließlich zertifizierte Fachbetriebe die Umrüstung durchführen, damit Sicherheit und Abgasverhalten sichergestellt sind.
Nach der Umrüstung muss die Änderung in die Zulassungsbescheinigung eingetragen werden. Nur dann bleibt der Versicherungsschutz bestehen und das Fahrzeug gilt weiterhin als vorschriftsgemäß. Dieselmodelle sind von dieser Technik ausgenommen: Der Kasten ist ausschließlich für Ottomotoren geeignet.
Kosten des FlexFuel-Kastens und Zeitpunkt der Amortisation
Wie hoch die Ausgaben ausfallen, richtet sich nach Fahrzeugmodell, Motorgröße und Einbauaufwand. Werkstatterfahrungen bewegen sich häufig in folgendem Rahmen:
| Posten | Typischer Betrag |
|---|---|
| FlexFuel-Kasten (Material) | 400 – 900 Euro |
| Arbeitszeit und Abnahme | 300 – 600 Euro |
| Gesamt | 700 – 1.500 Euro |
Zunächst erscheint diese Summe hoch. Durch die niedrigeren Kraftstoffkosten kann sie sich jedoch rasch relativieren, insbesondere bei hoher jährlicher Fahrleistung.
Rechenbeispiel für Berufspendler
Angenommen, ein Fahrer benötigt durchschnittlich 7 Liter auf 100 Kilometer und legt jährlich 20.000 Kilometer zurück. Daraus ergibt sich ein Jahresverbrauch von 1.400 Litern.
- Mit Super zu 1,80 Euro: 1.400 × 1,80 = 2.520 Euro
- Mit E85 zu 0,95 Euro: 1.400 × 0,95 = 1.330 Euro
- Ersparnis pro Jahr: rund 1.190 Euro
Ein Steuergerät, das beispielsweise 1.200 Euro kostet, wäre unter diesen Bedingungen nach rund einem Jahr bezahlt. Bei geringerer Fahrleistung dauert dies länger, die niedrigeren Tankkosten bleiben jedoch bestehen.
In einigen Regionen fördern Kommunen oder Bundesländer den Einbau, um alternative Kraftstoffe voranzubringen. Wer eine Umrüstung erwägt, sollte sich bei Energieagenturen oder der örtlichen Verwaltung über aktuelle Förderprogramme informieren.
Chancen und Grenzen der E85-Umrüstung
Völlig risikofrei ist der Wechsel nicht. Der Preis pro Liter allein bildet nicht die gesamte Rechnung ab. Mit E85 steigt der Verbrauch oft leicht, da Ethanol weniger Energie enthält als klassisches Benzin. Viele Fahrer berichten von einem Mehrverbrauch von etwa 10 bis 20 Prozent.
Außerdem ist E85 nicht an jeder Tankstelle verfügbar. Während das Netz in Ländern wie Frankreich schnell wächst, gibt es in Deutschland zwar einige Hundert Stationen, aber noch keine flächendeckende Versorgung. Wer regelmäßig weite Strecken zurücklegt, sollte daher vorab kontrollieren, ob entlang der üblichen Route E85-Zapfsäulen vorhanden sind.
Wer umsteigen will, braucht neben dem geeigneten Benziner vor allem zwei Dinge: einen zertifizierten Einbaubetrieb und eine ausreichend gute Versorgung mit E85 in der Region.
Auch die Herstellergarantie kann relevant sein. Bei älteren Fahrzeugen ist sie meist kein entscheidender Punkt mehr. Bei neueren Modellen sollten Halter jedoch vor dem Umbau beim Autohaus oder Hersteller nachfragen, ob dadurch mögliche Ansprüche entfallen.
Technische Risiken und notwendige Wartung
Bei fachgerecht eingestelltem Steuergerät kommen moderne Motoren normalerweise gut mit E85 zurecht. Mangelhaft durchgeführte Umbauten können dennoch Schwierigkeiten verursachen, etwa Startprobleme bei winterlichen Temperaturen oder Fehlermeldungen der Motorsteuerung.
Zuverlässige Werkstätten bieten deshalb nach dem Einbau eine Probefahrt, das Auslesen des Steuergeräts und häufig einen Kontrolltermin nach einigen Wochen an. Sind Zündkerzen bereits verschlissen oder der Kraftstofffilter alt, sollten diese Bauteile vor der Umrüstung ersetzt werden, damit das System einwandfrei arbeiten kann.
Für wen sich ein FlexFuel-Kasten besonders rechnet
Wie stark sich die Umrüstung finanziell auswirkt, hängt wesentlich vom individuellen Fahrverhalten ab. Besonders interessant ist sie für:
- Pendler mit langen Arbeitswegen und Benziner-Fahrzeug
- Menschen im ländlichen Raum, die kaum ohne Auto auskommen
- Handwerker- und Servicefahrzeuge mit hoher Jahreslaufleistung
- Fahrer, die ihr Auto noch mehrere Jahre behalten wollen
Weniger sinnvoll ist der Umbau, wenn das Fahrzeug nur selten genutzt wird oder ohnehin in wenigen Monaten ersetzt werden soll. In diesem Fall reicht die verbleibende Zeit häufig nicht aus, um die Investition zurückzuverdienen.
Was Interessenten vor dem Umbau prüfen sollten
Vor der Terminvereinbarung mit einer Werkstatt helfen einige einfache Vorprüfungen:
- Typ und Baujahr des eigenen Fahrzeugs checken: Ist der Motor offiziell umrüstbar?
- Verfügbarkeit von E85-Tankstellen im Alltag prüfen.
- Jährliche Fahrleistung grob rechnen, um die mögliche Ersparnis abzuschätzen.
- Kostenvoranschlag von mehreren zertifizierten Betrieben einholen.
- Versicherung und Zulassungsstelle fragen, welche Unterlagen benötigt werden.
Mit diesen Angaben lässt sich schnell einschätzen, ob der kleine Kasten im Motorraum das eigene Budget tatsächlich spürbar entlastet.
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