Die Retromobile in Paris wird oft als das beste Treffen für klassische Automobile weltweit bezeichnet. Hier dreht sich nicht alles um Hochglanz, und die Veranstaltung ist keine Rennstrecken-Show. Ihre besondere Stärke liegt in der überwältigenden Vielfalt. Gebrauchte Ersatzteile für verrostete Renaults aus den 1960er-Jahren? Reichlich vorhanden. Exklusive Hypercars der absoluten Spitzenklasse? Auch dafür ist gesorgt.
In diesem Jahr feiert die Retromobile ihren 50. Geburtstag und verändert sich weiter. Früher herrschte dort stärker die Atmosphäre eines klassischen Teilemarkts. Heute prägen auch Hersteller, hochklassige Händler und Auktionshäuser das Bild.
Hersteller feiern Jubiläen auf der Retromobile in Paris
Volkswagen zeigte zum 50. Geburtstag des Golf GTI eine Sammlung verschiedener Golf GTI, direkt neben einem getarnten elektrischen ID. Polo GTI. Peugeot stellte mehrere 205 GTI aus, darunter das T16-Homologationsfahrzeug, um dem neuen elektrischen 208 GTI mit einem starken historischen Fundament zur Seite zu stehen. Das Muster ist kaum zu übersehen.
Fotografie: Paul Horrell
Citroën präsentierte eine beeindruckende Auswahl seiner bedeutenden Konzeptfahrzeuge, einschliesslich des Prototyps der 2CV. BMW zeigte sämtliche Le-Mans-Art-Cars. Tatsächlich liess das Unternehmen Künstler von der Bedeutung eines Andy Warhol diese automobilen Leinwände gestalten, bevor die Fahrzeuge 24 Stunden lang bei Renntempo Hitze und Nässe ausgesetzt wurden.
Rund um die Ausstellungen der Hersteller warten die Freuden ultrspezialisierter Ersatzteilhändler. Auf Tischen stapeln sich Restaurierungsteile: Leuchten, Tachometer, Zierteile, Schläuche, Kraftstoffpumpen, Chromteile und Handbücher. Dazu kommen Modellautos – zut, die Franzosen lieben ihre Modelle.
Seltene französische Alltagsklassiker
Es klingt vielleicht albern, doch auf der Retromobile interessieren mich vor allem die gewöhnlichen französischen Schrägheckmodelle meiner Jugend. Inzwischen sind sie deutlich seltener als die Supersportwagen ihrer Zeit. Die Verschleissrate des Citroën BX, die sich asymptotisch 100 Prozent nähert, entspricht der Überlebensrate des Ferrari 288 GTO.
Umso schöner war es, durch die Halle für Klassikerhändler und ihre Fahrzeuge unter 30.000 € zu schlendern. Dort stand ein BX und sogar ein CX, allerdings leider kein GS. Dafür entschädigten zwei Renault Fuego und ein Renault 12 Kombi. Ein grösseres heimliches Vergnügen gibt es kaum.
Bugatti Royale als Zugfahrzeug
Danach wirkten die theatralisch ausgeleuchteten und makellos polierten Reihen auf den Ständen der Spitzenhändler fast seltsam gewöhnlich. Natürlich bereiten ein McLaren F1 Longtail, ein Bugatti Centodieci oder eine Reihe aller limitierten Ferrari-Hypercars vom 288 GTO bis zum LaFerrari Freude. Doch bei Veranstaltungen wie dem Goodwood FoS und dem Blenheim Salon Privé kann man sie mehrmals im Jahr sehen.
Das atemberaubendste Bugatti der diesjährigen Retromobile war ohnehin weder ein Type 35 noch der Centodieci noch einer der zahlreichen Veyron. Es war ein Zug. Ettore Bugattis höchstrangiges Automobil, der Royale von 1927, erwies sich als Verkaufsflop. Deshalb konstruierte er einen Triebwagen, um die zwölf verbliebenen 12,7-Liter-Motoren zu nutzen. Das Fahrzeug war revolutionär: deutlich schneller, ruhiger und sauberer als die Dampflokomotiven seiner Epoche. Die französische Staatsbahn setzte diese Triebwagen bis Mitte der 1950er-Jahre ein, und sie beeinflussten das spätere Zugdesign erheblich. Wie man ihn in die Ausstellungshalle gehievt hat, weiss ich nicht – das Publikum war jedoch begeistert.
Kommentierende können ihren Status aufwerten, indem sie die Fahrzeuge auf den letzten 10 Fotos identifizieren. Einige sind leicht zu erkennen, andere ausgesprochen schwierig.
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