Der Chevrolet Corvette – der „Porsche 911“ der Amerikaner – braucht kaum vorgestellt zu werden. Erst vor Kurzem haben wir den Corvette ZR1 präsentiert, den bislang schnellsten und stärksten Corvette mit 765 PS und 969 Nm.
Nun gibt es jedoch einen neuen Anwärter auf den Titel des schnellsten Corvette. Auf der Technologiemesse CES wurde der Genovation GXE enthüllt, dessen Daten Respekt einflößen: 811 PS, 949 Nm bereits ab null Umdrehungen, weniger als 3,0 s für den Sprint auf 60 mph (96 km/h) sowie 354 km/h Höchstgeschwindigkeit.
Dabei handelt es sich nicht einfach um einen von einem Tuner modifizierten Corvette, sondern vielmehr um einen neu gedachten Corvette. Der markentypische V8 entfällt vollständig: Stattdessen setzt der Genovation GXE auf zwei Elektromotoren und behält den Hinterradantrieb des Spenderfahrzeugs bei.
Elektrisch, aber mit Handschaltung
Bemerkenswert ist, dass die Elektromotoren nicht an der Hinterachse sitzen. Sie nehmen vielmehr den Platz des V8 im Vorderwagen ein. Die Kraft gelangt wie beim Corvette mit Verbrennungsmotor an die Hinterräder – über eine der beiden für das Modell verfügbaren Getriebeoptionen: eine Achtgang-Automatik oder, noch besser, das Siebengang-Schaltgetriebe.
Damit unterscheidet sich der GXE deutlich von den meisten Elektroautos, die üblicherweise ohne konventionelles Getriebe auskommen. Sie verfügen meist nur über eine feste Übersetzung, da das jederzeit verfügbare Drehmoment von Elektromotoren mehrere Gänge überflüssig macht.
Auf die Frage, warum Genovation das Getriebekonzept des Corvette beibehält, erklärten die Verantwortlichen, man habe die Fahreigenschaften des Corvette C7, die dessen Besitzer besonders schätzen, so weit wie möglich bewahren wollen.
Reichweite des Genovation GXE: 281 km
Bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor rücken zunehmend die Emissionen in den Mittelpunkt. Bei Elektroautos bleibt die Reichweite hingegen der entscheidende Wert. Bei einem Hochleistungssportwagen wie diesem bestehen erhebliche Zweifel, ob die angekündigten 281 km (175 Meilen) erreichbar sind, wenn das volle Potenzial des GXE genutzt wird.
Der Genovation GXE verfügt über fünf Batteriepakete mit einer maximalen Kapazität von 61,6 kWh. Sie wurden im Fahrzeug verteilt angeordnet, um Gewichtsbalance und Gewichtsverteilung zu optimieren.
Gewicht bleibt ein Problem
Das Gewicht zählt bei Elektroautos weiterhin zu den größten Herausforderungen. Obwohl Genovation eine nahezu ideale Gewichtsverteilung von 50:50 verspricht, bringt der GXE laut Autocar 1859 kg auf die Waage. Zum Vergleich: Der Corvette ZR1 wiegt 1614 kg und ist damit 235 kg leichter.
Die zusätzlichen Kilogramm dürften ihn dennoch kaum daran hindern, das Elektro-Serienfahrzeug mit der höchsten Endgeschwindigkeit zu werden. Diesen Rekord hielt Genovation bereits mit einem elektrischen Corvette C6, der 336 km/h erreichte.
Was kostet der Genovation GXE?
Der Corvette gilt als einer der erschwinglichsten Sportwagen und bietet ein kaum zu schlagendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Selbst der übermächtige ZR1 kostet in den USA „nur“ 100.000 Euro – angesichts seiner Fahrleistungen ein echtes „Schnäppchen“. Schließlich kann er mit der exotischen „europäischen Aristokratie“ konkurrieren, die zwei-, dreimal oder sogar noch mehr kostet.
Den Genovation GXE kann man dagegen kaum als „Schnäppchen“ bezeichnen. Er wird nur 75-mal gebaut und kostet pro Exemplar 750.000 Dollar, entsprechend 625.000 Euro. Unabhängig von den nachvollziehbaren Gründen für diesen Preis ist das ein exorbitanter Betrag – einen ZR1 für mich, bitte…
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