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Maybach: 100 Jahre bis zur Mercedes-Benz Submarke

Luxuriöse schwarze und goldene Mercedes-Maybach-Limousine in modernem Ausstellungsraum auf Marmorboden.

Seit dem ersten Fahrzeugprojekt, dem W3 von 1921, ist ein Jahrhundert vergangen. Nach einigen strategischen Umwegen scheint Maybach inzwischen endlich seinen Platz gefunden zu haben – als Submarke von Mercedes-Benz.

Wilhelm Maybach wurde 1846 geboren. Nach dem Tod seiner Eltern kam er in eine philanthropische Einrichtung, wo er zunächst das Bäcker- und Konditorhandwerk erlernte. Doch sein angeborenes Ingenieurstalent zeigte sich rasch: Bereits mit 15 Jahren besuchte er einen Kurs für Industriedesign und absolvierte zusätzlich eine Ausbildung in Physik und Mathematik.

Schon bald ernannte ihn der Leiter des Ingenieurkurses, Gottlieb Daimler, zu seiner rechten Hand. Diese Funktion behielt Maybach bis zu Daimlers Tod im Jahr 1900.

1869 folgte der junge Ingenieur seinem Mentor zunächst zu einem Lokomotivhersteller und später zu einem Motorenbauer mit Sitz in Köln, an dem Nikolaus Otto beteiligt war.

Otto patentierte 1876 den Viertaktmotor, der bis heute die Grundlage der Verbrennungsmotoren in Automobilen bildet. Maybach arbeitete zunächst daran, ihn weiterzuentwickeln, entschied sich jedoch 1882, das Unternehmen zu verlassen und erneut zu Daimler zu gehen, der kurz zuvor denselben Schritt gemacht hatte.

Das Genie der Motoren

Danach entstand der erste gemeinsame Motor der beiden Ingenieure. Er wurde schnell in Europa und den Vereinigten Staaten erfolgreich, da mehrere wegweisende Hersteller Lizenzen für seinen Einsatz erwarben. Auf diese Weise wurde das erste Daimler-Maybach-Fahrzeug von 1889 finanziert.

Ab 1900 wurde das nächste Modell entwickelt: ein für Rennen konzipiertes Auto mit damals kaum vorstellbaren 35 PS, das 75 km/h erreichen konnte.

1901 feierte es bei mehreren Rennen seine Premiere und gewann. Mit niedrigem Schwerpunkt, einem längs vorn eingebauten Aluminiummotor, doppelter Ventilsteuerung und einem innovativen Wabenkühler gilt der Mercedes 35 HP, besser bekannt als Simplex, als der „Stammvater“ aller modernen Personenwagen.

Diese Leistungen brachten Wilhelm Maybach den respektvollen Beinamen „König der Automobilkonstrukteure“ ein.

Zu Land, zu Wasser und in der Luft

Zur gleichen Zeit träumte Graf Zeppelin, ein weiterer deutscher Visionär, von Mobilität am Himmel. Ein von Wilhelm und seinem Sohn Karl entwickelter, innovativer Hochleistungsmotor mit geringem Gewicht und feuerfestem Vergaser verlieh diesem Traum „Flügel“.

1909 gründeten Wilhelm und Karl Maybach die „Luftfahrzeug-Motorenbau“, den Grundstein der späteren „Maybach-Motorenwerke“. Das Unternehmen stellte Motoren für Flugzeuge, Schiffe und Lastwagen her sowie für den Triebwagen „Flying Hamburger“, der als Vorläufer der Hochgeschwindigkeitszüge gilt.

Die Zeit des Ersten Weltkriegs bescherte dem Unternehmen Wohlstand: Vor dem Ende des Konflikts wurden 2000 Exemplare eines Flugzeugs mit 160 PS verkauft.

Der Versailler Vertrag von 1919 untersagte die Flugzeugproduktion in Deutschland. Karl Maybach, der das Unternehmen inzwischen leitete, konzentrierte sich daher auf leistungsstarke Dieselmotoren für Schiffe und Züge sowie auf Benzinmotoren für Autos, bevor er sich der Entwicklung vollständiger Automobile widmete.

Das erste davon war der W3, der 1921 auf der Berliner Automobilausstellung vorgestellt wurde. Er verfügte über einen Sechszylindermotor, Bremsscheiben an allen vier Rädern, eine neuartige Kraftübertragung und erreichte 105 km/h Höchstgeschwindigkeit.

All dies sorgte für großes Aufsehen und zog die europäische Elite an: Bankiers, Könige, Kaiserinnen und Industriemagnaten. Damit war die Automobilmarke Maybach geboren, deren Entstehung sich nun zum 100. Mal jährt.

Der Zweite Weltkrieg bremst die Ambitionen

In den „wilden Zwanzigern“ waren Fernreisen eine Frage von Status und Stil – sowohl auf der Straße als auch auf dem Meer.

Als die großen Schiffe „Normandie“ und „Queen Mary“ vom Stapel liefen, schuf Karl Maybach sein Meisterstück: den Zeppelin. Die eindrucksvollste deutsche Luxuslimousine ihrer Zeit war der erste deutsche Wagen mit einem V12-Motor mit 7.0 l und 150 PS.

Der Zweite Weltkrieg setzte den geschäftlichen Ambitionen jedoch ein Ende. Das Unternehmen musste verkleinert werden, nahm die Produktion von Dieselmotoren wieder auf und schloss in den 1950er-Jahren einen Liefervertrag mit Mercedes-Benz. In den 1960er-Jahren verkaufte es schließlich 83 % seiner Anteile an Mercedes-Benz.

Gegen Rolls-Royce und Bentley

Es folgte eine lange Phase des Stillstands, ehe Mercedes-Benz Maybach 2002 mit den Modellen 57 und 62 wiederbelebte.

Die Marke sollte Bentley und Rolls-Royce herausfordern – zwei Symbole der aristokratischen britischen Automobilindustrie, die 1998, nur vier Jahre zuvor, in den Besitz der Volkswagen- und BMW-Konzerne übergegangen waren.

Doch der Plan erwies sich als nicht tragfähig. Die beiden Modelle unterschieden sich technologisch nicht ausreichend von der S-Klasse. Als 2005 eine neue Generation der S-Klasse auf den Markt kam, wirkten die Maybach in mehreren Bereichen bereits überholt – etwas, das die Zielkundschaft nicht akzeptierte.

Mindestens ebenso problematisch war, dass das Prestige von Maybach nahezu unbekannt war: Eine 90 Jahre alte Marke wurde wiederbelebt, mit der außerhalb Deutschlands kaum jemand etwas anfangen konnte. Das Fahrzeugdesign war wenig ansprechend, während Mercedes-Benz stets ein besseres Image genoss als Maybach.

Zwar entstanden noch Sonderversionen, etwa die Landaulet-Karosserie mit ihrem spektakulären, zu öffnenden hinteren Sitzbereich, sowie noch exklusivere Serien wie der Zeppelin. Doch die Entscheidung war längst gefallen.

Ein Schritt zurück

Zwischen 2002 und Ende 2012 wurden nicht mehr als 3000 Fahrzeuge verkauft – rund 1/4 der Stückzahl von Rolls-Royce im gleichen Zeitraum. Die Verluste lagen bei etwa 300.000 Euro pro Fahrzeug. Wer mit 1000 bis 1500 Maybach-Zulassungen jährlich gerechnet hatte, lag völlig falsch.

Nach 10 Jahren mit geringen Verkaufszahlen geschah deshalb das Unvermeidliche: Die Marke verschwand erneut. Die deutschen Strategen mussten einen neuen Plan entwerfen, nachdem bereits ein gemeinsames Entwicklungsprojekt für künftige Modelle mit Aston Martin abgelehnt worden war. Die rund eine Milliarde Euro Verlust aus dem Maybach-Abenteuer reichten aus, um diese Idee nicht weiterzuverfolgen.

So kam es 2014 zur Gründung von Mercedes-Maybach als Submarke von Mercedes-Benz. Kurz darauf folgten der S 600 Pullman und das S 650 Cabriolet.

Schnell zeigte sich, dass Maybach als Zusatz zu Mercedes-Benz funktionieren konnte. Das belegen mehr als 50.000 kumulierte Verkäufe der Maybach S-Klasse zwischen 2015 und 2020 sowie die steigende „Beliebtheit“: 2018 trug jede siebte zugelassene S-Klasse den Namenszusatz Maybach.

Eine vielversprechendere Zukunft für Maybach

Nachdem die passende Formel gefunden war, nahm die Produktstrategie Gestalt an. Mehrere Projekte trugen dazu bei, das Image des Namens Maybach weiter aufzuwerten. Dazu zählen die Konzeptfahrzeuge Coupé 6 und Cabriolet, die Besucher der Pebble-Beach-Ausgaben 2016 und 2017 ins Schwärmen brachten.

Bei der neuen S-Klasse macht eine exklusive Zweifarbenlackierung die verlängerte Karosserie noch elitärer. Der Radstand ist gegenüber der langen S-Klasse um 18 cm größer, während zahlreiche Ausstattungsmerkmale im Innenraum den Luxus auf ein geradezu pharaonisches Niveau heben.

Zudem bleiben V12-Motoren künftig der Maybach S-Klasse vorbehalten. Die „kleineren“ Versionen, selbst jene mit dem exklusiven sportlichen AMG-Kürzel, erhalten V6- und V8-Aggregate.

Auch der Mercedes 35 wurde mit dem Vision Mercedes Simplex neu interpretiert. Das Konzept erinnert an die historischen Siege vor 120 Jahren und überträgt den wegweisenden Stil sowie die gestalterischen Merkmale in die Designsprache der Mercedes-Benz-DNA des 21. Jahrhunderts.

Gordon Wagener, Design-Vizepräsident des Konzerns, erläutert es so: „Nur eine Marke mit der Stärke von Mercedes-Benz kann diese physische Symbiose aus Geschichte und Zukunft schaffen, die der Vision Mercedes Simplex symbolisiert“.

Der Markenwert wird außerdem durch eine sorgfältig geplante Marketingstrategie gestärkt. Der Lizenzpartner „Maybach - Ikonen des Luxus“ fertigt exklusive Kollektionen zur Marke sowie individuelle Accessoires, welche die personalisierten Fahrzeuge ergänzen, darunter Reisetaschen, Lederwaren und Wohnaccessoires.

Andererseits ermöglicht das exklusive globale Kundenprogramm „Circle of Excellence“ den Zugang zu einzigartigen Veranstaltungen: spezielle Programme, Probefahrten mit neuen Fahrzeugen, persönliche Gespräche mit Mercedes-Maybach-Experten und Markenbotschaftern sowie sogar Besuche an Mercedes-Benz-Produktionsstandorten.

2018 wurde mit dem Vision Ultimate ein weiteres Konzeptfahrzeug präsentiert, das erste SUV mit dem Namen Maybach seit mehr als einem Jahrhundert. 2021 kam es als GLS 600 auf den Markt – genau 100 Jahre nach dem ersten Automobil der Marke, die heute eine Submarke ist, aber einen vielversprechenderen Zukunftshorizont besitzt.

Wie bei so vielen Dingen im Leben muss man manchmal zwei Schritte zurückgehen, um anschließend einen entscheidenderen Schritt nach vorn machen zu können.

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