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Honda Civic der 11. Generation e:HEV im ersten Test

Weißer Honda Civic e:HEV Hybrid in modernem Showroom mit großer Fensterfront und Ladestation im Hintergrund.

Der ursprünglich 1972 eingeführte und inzwischen in 11 Generationen aufgelegte Honda Civic gehört zu den Schwergewichten der Kompaktklasse. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an diese 11. Generation.

Denn der Honda Civic tritt in Europa diesmal ausschließlich mit dem Hybridantrieb e:HEV an; die einzige Ausnahme bildet der kompromisslose Civic Type R. Damit entfallen die reinen Benzin- und Dieselvarianten, die bei der 10. Generation noch erhältlich waren.

Nachdem Design und technische Details bereits seit einigen Monaten bekannt waren, ging es nach Madrid, um ihn erstmals aus der Nähe zu sehen und vor allem zu fahren. Dabei sollten zwei einfache Fragen beantwortet werden: Kann der neue Civic mit seinen Vorgängern mithalten – und vor allem mit der Konkurrenz?

Mehr Zurückhaltung im Design

Ein kurzer Blick auf die Karosserie genügt: Mit der 11. Generation verabschiedet sich Honda von der optischen Aggressivität des Vorgängers und setzt stattdessen auf sachlichere, elegantere und … gefälligere Linien.

Mir persönlich gefällt die Gestaltung dieser neuen Generation besser. Gerade in natura wirkt der japanische Kompakte eher wie ein fünftüriges Coupé als wie ein klassischer Kompaktwagen.

Die deutlichste Entwicklung zeigt sich allerdings im Innenraum. Während im bisherigen Civic eine gewisse optische Unruhe herrschte, vermittelt der neue ein eleganteres Ambiente, das meines Erachtens stärker an übliche Premium-Angebote erinnert – ähnlich wie beim Mazda3.

Sowohl die Ergonomie als auch die Darstellung des Infotainmentsystems wurden spürbar verbessert. Lediglich die etwas kleine Bildschirmdiagonale von 9 Zoll ist ein Kritikpunkt.

Bei Solidität und Materialanmutung bleibt der Civic der japanischen Schule treu. Während dieser ersten Begegnung traten keinerlei Klapper- oder Störgeräusche auf, und sowohl die Haptik der Materialien als auch die Bedienungselemente – denen Honda nach eigener Aussage besondere Aufmerksamkeit gewidmet hat – hinterließen einen sehr guten Eindruck.

In dieser Hinsicht sehe ich den neuen Honda Civic sogar einige Stufen über Modellen wie dem Volkswagen Golf oder dem Hyundai i30. Sein wichtigster Gegner in dieser Disziplin ist der Mazda3.

Mehr Platz, aber nicht wesentlich mehr

Der neue Honda Civic basiert auf einer weiterentwickelten Version der Plattform seines Vorgängers und erhielt einen um 35 mm längeren Radstand.

Diese Verlängerung ist für Passagiere auf den Rücksitzen zwar kaum wahrnehmbar, dennoch fällt die Beinfreiheit dort mehr als ausreichend aus.

Die abfallende Dachlinie erschwert jedoch den Einstieg in die zweite Reihe. Außerdem sitzen die Fondpassagiere wegen der neuen Lithium-Ionen-Batterie mit 72 Zellen höher, was auch die Kopffreiheit hinten beeinträchtigt.

Das Kofferraumvolumen sank gegenüber den 478 l des Vorgängers auf 410 l, liegt damit aber weiterhin im Klassendurchschnitt.

Bekanntes Hybridsystem im Honda Civic

Wie bereits erwähnt, wird der Honda Civic dieser Generation mit einem Hybridsystem angeboten. Seine Funktionsweise ähnelt jener anderer Honda-Modelle wie dem neuen HR-V oder dem Jazz.

Dabei kommt ein 2,0-l-Saugbenziner zum Einsatz, der nach dem effizienteren Atkinson-Zyklus arbeitet.

Er übernimmt überwiegend die Rolle eines Generators und wird von zwei Elektromotoren ergänzt. Einer davon ist über ein Getriebe mit fester Übersetzung mit der Vorderachse verbunden. Ein herkömmliches Schaltgetriebe gibt es nicht, wie bei den meisten reinen Elektroautos auch nicht. Honda verspricht jedoch ein deutlich angenehmeres Fahrgefühl als bei den klassischen CVT-Getrieben.

Honda gibt dank dieses Konzepts einen Verbrauch von nur 4,6 l/100 km sowie einen Sprint von 0 auf 100 km/h in lediglich 7,8 s an.

Hinter dem Steuer bleibt die Tradition erhalten

Auf den ersten Blick könnte der Hybridantrieb vermuten lassen, dass der Civic in dieser Generation stärker auf Komfort ausgerichtet ist. Dieser erste Fahreindruck bestätigte jedoch, dass die dynamischen Qualitäten, für die die 10. Generation viel Lob erhielt, auch beim Nachfolger vorhanden sind.

Die Lenkung arbeitet weiterhin präzise und direkt und bietet ein passendes Gewicht. Gleichzeitig findet die Federung einen besseren Kompromiss zwischen Komfort und Fahrverhalten. Bei entspannter Fahrt wirkt sie weniger straff und kaschiert Unebenheiten besser. Wird das gute Fahrwerk des Civic gefordert, überzeugt es wiederum mit einer wirksamen Kontrolle der Karosseriebewegungen.

Auf den kurvenreichen Bergstraßen rund um Madrid zeigte sich, dass der Honda Civic weiterhin zu den unterhaltsamsten Fahrzeugen der Klasse zählt und sich damit von nüchterner abgestimmten Modellen wie dem Volkswagen Golf absetzt. Interessanterweise positioniert er sich auch hier erneut als Alternative zu einem Mazda3.

Auf den langen Geraden der Ebene um Madrid erwies sich der Civic zudem als ausgezeichneter Langstreckenwagen, wozu vor allem das Hybridsystem beiträgt. Bei normaler Fahrt auf Autobahn und Landstraße waren problemlos 4,8 l/100 km möglich. Selbst als ich die dynamische Seite des Civic ausreizte, stieg der Verbrauch nicht über 5,5 bis 6 l/100 km – Werte auf Dieselniveau!

Auch die Leistung des Hybridsystems enttäuscht nicht und verleiht dem Civic eine angenehme Souveränität. Insgesamt stehen vier Fahrprogramme zur Wahl: Normal, Sport, Eco und Individual.

Im Modus „Sport“ treten die dynamischen Fähigkeiten des Civic am deutlichsten hervor: Die verbesserte Gaspedalreaktion ermöglicht es, das gesamte Potenzial des Hybridsystems auszuschöpfen. Gleichzeitig arbeitet das System in diesem Programm weniger angenehm, weil der Motor bei Vollgas häufig zu deutlich hörbar ist.

Als Ausgleich entwickelte Honda einen Schaltstufen-„Simulator“, der die Arbeitsweise eines normalen Getriebes nachahmen soll. Erwähnenswert ist außerdem der Modus „Eco“, der die Reaktion des Hybridsystems – anders als bei manchen vergleichbaren Konzepten – nicht übermäßig einschränkt. Er priorisiert den Verbrauch, ohne die Leistung vollständig zu opfern.

Wann kommt er auf den Markt?

Mit einer deutlich erweiterten technischen Ausstattung sowie zusätzlichen Sicherheits- und Fahrerassistenzsystemen, über die Sie hier lesen können, soll der neue Honda Civic im letzten Quartal 2022 auf den portugiesischen Markt kommen.

Honda hat die Preise für Portugal zwar noch nicht veröffentlicht, jedoch bereits bestätigt, dass der neue Civic dort in zwei Versionen angeboten wird: Advance und Sport. Beide sind, wie dieser erste Kontakt zeigte, besonders umfangreich ausgestattet.

Zum begehrten Honda Civic Type R gab es aus Madrid schließlich keine Neuigkeiten. Deshalb bleibt nur die Erinnerung an unseren Test der aktuellen Generation des japanischen Kompaktsportlers.

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