Kürzlich habe ich mich über die brechreizerregende Dekadenz der Car Week im kalifornischen Monterey ausgelassen. Allein der Gedanke daran lässt mich nach einer ausgiebigen Dusche verlangen. Es gibt allerdings ein Gegenmittel, das noch deutlich belebender wirkt: Performance Car of the Year, kurz PCOTY. Und das ist schlicht grossartig. Das Konzept besteht darin, die schnellsten, coolsten, aufregendsten und verrücktesten Autos zu feiern, die in den vergangenen 12 Monaten erschienen sind.
Performance Car of the Year auf der Rennstrecke von Portimão
Für die diesjährige Ausgabe verbrachten wir drei Tage auf der Rennstrecke von Portimão sowie weitere zwei Tage auf fantastischen Strassen in der Umgebung. Ausserdem ist es eine ideale Gelegenheit für die Redaktion und Mitwirkenden von TG, zusammenzukommen und peinliche Geschichten, Frustrationen, Heldentaten sowie Hoffnungen und Träume für das kommende Jahr auszutauschen. Das Videoteam kann dabei haarsträubend komplizierte Kamera-Rigs erproben, während den Fotografen täglich ungefähr sechs Minuten bleiben, um die wunderschönen Bilder für Magazin und Website aufzunehmen.
Doch PCOTY erhielt in diesem Jahr eine neue, unvorhergesehene Dimension und entwickelte sich zu einer grausamen Art von Top Gear x Squid Games-Kollaboration. Mit jedem Tag wurde unsere Gruppe kleiner: Kolleginnen und Kollegen fielen auf immer unerquicklichere und erschreckendere Weise aus. Ollie Marriage verkündete das Böse in unserer Mitte auf denkbar schockierende Art. Zuerst wich jede Farbe aus seinem Gesicht, dann sagte er, ihm sei etwas flau. Wenige Augenblicke später hastete er zur Toilette und übergab sich heftig und lautstark. Lebensmittelvergiftung, Norovirus oder dämonische Besessenheit? Niemand konnte es mit Sicherheit sagen.
Als Nächstes erwischte es Ben Pulman. Ganze 2,21 m von ihm. Pressestellen haben Albträume von seiner „Einwände aufspüren und zerstören“-Methode bei der Fahrzeugbuchung. Falls dieses Etwas TGs eigene T-1000-Massenorganisationswaffe infizieren und ausschalten konnte, wie sollte dann irgendjemand verschont bleiben? Und vor allem: Wie sollten wir funktionieren, wenn er uns nicht ständig dazu auffordern würde, Formulare zu unterschreiben?
PCOTY wird zum Überlebenskampf
Danach verlor die Grafikabteilung ihren Dreh- und Angelpunkt, Kreativdirektor Andy Franklin. Ehrlich gesagt bemerkte es niemand, aber das abendliche Kartrennen war dadurch weniger vorhersehbar. Digitaldirektor Simon Bond erreichte noch die Zielflagge, sprühte bei unserer Rückkehr jedoch die Hotelwiese mit Erbrochenem ab. So ging es weiter. Wen würde es als Nächstes treffen? Könnte der Stig sprechen, würde vermutlich selbst er den Sinn eines makellos weissen Rennanzugs infrage stellen.
Einige von uns schafften es allerdings bis zum letzten Tag. Die Stärksten. Diejenigen, die der Sache am entschlossensten dienten. Und zunächst lief alles ausgezeichnet. Bis ein paar begeisterte Einheimische auftauchten, um die Autos anzuschmachten und uns Fotos ihrer Mitsubishi-Evo-Sammlung zu zeigen. Trotz der Sprachbarriere verstanden wir uns prächtig. Bevor sie gingen, öffneten sie die Tür ihres Transporters und boten uns verschiedene Backwaren an.
Content-Chef Rowan Horncastle – unbeugsam angesichts der Schrecken der vorangegangenen Tage – griff nach einem völlig harmlos aussehenden Gebäckstück. Als er mutig und grosszügig hineinbiss, fragte jemand aus unserer Gruppe nach der Füllung. Die Antwort kam schnell und war niederschmetternd: „Diese hier Garnele.“ In jener Nacht verliess Rowan die Überlebenden und wechselte auf die andere Seite. Seither wurde er nicht mehr gesehen. Wer hätte gedacht, dass PCOTY noch brechreizerregender sein könnte als die Car Week?
Foto: Mark Riccioni
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