Der Ford Puma zählt zu den jüngsten Neuzugängen in einem Segment, das erstaunlicherweise weiterhin wächst, und ist das zweite Modell dieser Art des US-Herstellers – erinnert sich noch jemand an den EcoSport? Anders als jener wurde der neue, auf dem Fiesta basierende Puma von Grund auf für den europäischen Markt entwickelt. Das merkt man ihm an.
Tatsächlich wurde er trotz mehr als 20 potenzieller Gegner auf dem „alten Kontinent“ schnell zu einem meiner bevorzugten B-SUV. Der Grund dafür ist leicht nachzuvollziehen.
Sein Erscheinungsbild ist es allerdings nicht, auch wenn unser Testwagen in strahlendem Weiß, durch seinen Neuheitswert oder schlicht wegen seiner tatsächlich attraktiven Gestaltung einige Blicke auf sich zog. Insgesamt besitzt er durchaus eine gefällige Optik, doch mit der Front werde ich nicht warm. Der Name mag an eine Raubkatze erinnern, die Frontpartie ruft bei mir jedoch eher Assoziationen mit deutlich … aquatischeren Lebewesen hervor. Das passt nicht zusammen.
Dass der Puma dennoch zu meinen B-SUV-Favoriten gehört, liegt an seinen fahrdynamischen und mechanischen Qualitäten. Seine höhere Bauform spielt dabei keine Rolle: Er ist ein wirklich mitreißendes Auto und im Fahrbetrieb spannender als jeder seiner Konkurrenten.
Wirklich mitreißend
Man sitzt höher und weiter über der Straße, das steht außer Frage. Doch auf einer kurvenreichen Bergstraße fühlt sich der Puma ganz in seinem Element: Sobald es engagierter zugeht, zeigt sein Fahrwerk enorme Fähigkeiten.
Das Fahrverhalten des Ford Puma zeichnet sich durch Präzision aus. Zugleich verleiht ihm die Arbeit der hinteren Verbundlenkerachse – wie beim Fiesta, auf dem er basiert – in schnellen Kurvenfolgen einen organischen Charakter. Die Vorderachse findet dadurch stets zuverlässig die gewünschte Richtung.
Auch die Lenkung gehört gemeinsam mit jener des Hyundai Kona zu den besten in dieser Klasse. Sie arbeitet leichtgängig, aber nie zu leicht, reagiert ausgezeichnet und vermittelt mehr Rückmeldung als der Durchschnitt. Dazu kommt eine willige und direkte Vorderachse. Das Lenkrad selbst liegt dank spezieller Daumenauflagen hervorragend in der Hand. Wäre es etwas kleiner, wäre es perfekt.
Die Federung begrenzt Karosseriebewegungen ebenfalls sehr wirkungsvoll. Allerdings fällt die Dämpfung eher straff-trocken aus, und auf dem Asphalt – selbst auf Schnellstraßen – findet der Puma nicht so leicht zur Ruhe wie französische Rivalen à la Renault Captur und Peugeot 2008. Möglich, dass die größeren 18-Zoll-Räder des getesteten ST Line X dafür mitverantwortlich sind; sie könnten auch die höhere Geräuschkulisse erklären.
Komfort mit kleinen Einschränkungen
Ganz so komfortabel wie die Franzosen ist er nicht. Selbst dynamisch ambitioniertere Alternativen wie der bereits erwähnte Hyundai Kona oder sogar der SEAT Arona scheinen den ausgewogeneren Kompromiss aus Komfort und Fahrdynamik zu bieten. Unbequem ist der Puma jedoch keineswegs – ganz im Gegenteil.
Zwar bleibt stets eine gewisse Unruhe spürbar, doch die Federung filtert den Großteil der Fahrbahnunebenheiten wirksam heraus. Wenn es etwas am Komfort zu kritisieren gibt, dann vor allem den Sitz. Die Ford-Puma-Sitze sind fester gepolstert als üblich und bieten recht ordentlichen Halt. Störend war allerdings die etwas zu ausgeprägte Unterstützung im unteren Rückenbereich, die dazu zwang, die Lehne aufrechter einzustellen als gewünscht.
1.0 EcoBoost und keine Alternative
Wenn Fahrwerk und Lenkung überzeugen, was lässt sich dann erst über den 1.0 EcoBoost sagen? Unter den Einliter-Motoren gehört der vielfach ausgezeichnete EcoBoost inzwischen zu den Veteranen, bleibt aber einer der faszinierendsten Antriebe auf dem Markt.
Sein Dreizylinder-Charakter tritt stärker hervor als bei manchen Wettbewerbern, besonders bei niedrigen Drehzahlen – der Klang lässt daran keinen Zweifel. An Durchzug mangelt es diesem kleinen Einliter jedoch keineswegs. Seine Elastizität überrascht sogar: Bisweilen stellt man fest, dass man in einem höheren Gang unterwegs ist als erwartet, ohne dass der Motor irgendeinen Protest erkennen lässt.
Anders als bei vielen anderen Einliter-Turbos versiegt der Schub des EcoBoost auch im mittleren Drehzahlbereich nicht. Er zieht weiter kräftig durch und zeigt in höheren Drehzahlen ebenso viel Leichtigkeit, ja sogar Begeisterung.
Die ausgeprägte Elastizität des 1.0 EcoBoost sorgt dafür, dass das Sechsgang-Schaltgetriebe nicht allzu häufig bemüht werden muss. Greift man doch zum Schalthebel, wird deutlich, wie gut die Übersetzung auf den Motor abgestimmt ist: Die Drehzahl fällt stets genau in den passenden Bereich.
Auch die Schaltbetätigung hinterlässt insgesamt einen positiven Eindruck. Ich hätte mir allerdings kürzere Schaltwege und ein etwas geschmeidigeres Gefühl gewünscht.
Neu beim Ford Puma 1.0 EcoBoost ist, dass selbst diese 125-PS-Version von einem Mildhybrid-System unterstützt wird. Außerdem kann der Motor unter bestimmten Bedingungen einen Zylinder abschalten, um den Verbrauch zu senken. Besonders zurückhaltend zeigte sich sein Appetit dennoch nicht.
Im Alltag mit kurzen Strecken, einer Mischung aus Stadtverkehr und einigen Schnellstraßen, lag der Puma stets etwas über acht Litern. Im Vergleich zu manchen Rivalen ist das ein recht hoher Wert. Bei konstanteren 90 km/h fiel das Ergebnis mit gemessenen 4,9 l/100 km deutlich überzeugender aus. Auf der Autobahn stieg der Verbrauch hingegen auf 6,8 l/100 km. Das sind durchaus gute Werte, doch einige Konkurrenten schaffen mehr.
Die Stärken des Ford Puma enden nicht dort
Die Kombination aus Motorisierung und Fahrdynamik macht den Ford Puma für mich zu einem der Favoriten seines Segments – wir sind Razão Automóvel, aber eben auch Menschen, die wirklich gern fahren. Zum Glück beschränken sich die Argumente des neuen Ford B-SUV nicht darauf.
Wie die jüngste Modellwelle im Segment zeigt – Captur, 2008, Juke und Kamiq –, sind diese B-SUV längst mehr als bloße Alternativen zu den Kleinwagen, von denen sie abstammen. Sie werden zunehmend zu echten Ersatzmöglichkeiten für kompakte Familienautos der C-Klasse.
Äußerlich sind sie etwas kompakter als diese, beim Platzangebot im Innenraum jedoch weitgehend vergleichbar. Der Ford Puma bildet keine Ausnahme. Sein großer Vorteil ist der Kofferraum: Er fasst 401 l, bei Versionen ohne Mildhybrid sogar 456 l, und bietet damit beispielsweise 26 l mehr als der Focus. Darüber hinaus besitzt der Focus keine MegaBox – siehe die Galerie unten:
Die Platzverhältnisse im Fond sind nicht ganz so großzügig wie im Focus, bleiben aber nur knapp dahinter zurück. Der größte Unterschied betrifft die verfügbare Breite: Hier hinterlässt der Ford Puma selbst gegenüber seinen direkten Rivalen keinen besonders guten Eindruck. Ein dritter Passagier in der Mitte sollte daher möglichst vermieden werden, es sei denn, es handelt sich um Kinder oder kleinere Erwachsene.
Auch in der zweiten Sitzreihe fällt auf, dass die Sitze zwar den vorderen entsprechen – sowohl bei der festen Polsterung als auch optisch –, die Atmosphäre jedoch nüchterner wirkt. Ursache ist vor allem die vermutlich günstigere Entscheidung, die Türverkleidungen ausschließlich mit weniger angenehmem, dunklem Hartplastik zu versehen. Vorn wurde diesem Bereich deutlich mehr Aufmerksamkeit gewidmet. USB-Anschlüsse fehlen ebenfalls, was heutzutage schwer zu rechtfertigen ist.
Vorne einladender gestaltet
Die vorderen Türen gefallen optisch und haptisch besser, da sie teilweise mit Leder bezogen sind. Zwar dominieren auch im übrigen Innenraum eher harte und weniger angenehme Materialien, einige Details machen aber einen sehr gelungenen Eindruck – etwa die Carbonfaser-Optik auf dem Armaturenbrett.
Die sportlichere Gestaltung der ST Line bringt zudem etwas Farbe und Lebendigkeit in den Innenraum. Dazu gehören rote Nähte sowie derselbe Farbton an einzelnen Details wie den Umrandungen der Lüftungsdüsen.
Das Armaturenbrett entspricht im Wesentlichen dem des Fiesta und überzeugt mit einer überdurchschnittlich soliden Verarbeitung. Auf unebenen Straßen, etwa Kopfsteinpflaster, sind dennoch einige Nebengeräusche hörbar, insbesondere aus dem Bereich am Fuß der Windschutzscheibe.
Positiv sind außerdem die stimmige Ergonomie der meisten Bedienelemente und ihre einfache Handhabung, unabhängig davon, ob sie physisch oder digital ausgeführt sind. Das Infotainmentsystem SYNC3 reagierte schnell, ließ sich unkompliziert bedienen und ist sehr gut positioniert – auch wenn es der optischen Bewertung des Innenraums nicht unbedingt hilft.
Das digitale Kombiinstrument ist ebenfalls gut ablesbar und hochwertig ausgeführt. Sein Erscheinungsbild verändert sich, wenn auch nur leicht, abhängig vom gewählten Fahrmodus.
Ist er das richtige Auto für mich?
Die Namenswahl sorgt weiterhin für Kritik, auch bei mir. Ob man ihn nun mag oder nicht: B-SUV wie der Puma haben den Platz als Imageträger eingenommen, den früher Fahrzeuge wie der … Puma innehatten – das kompakte, attraktive und echte Coupé der späten 1990er-Jahre.
Der Unterschied besteht darin, dass sie neben dem markanteren Auftritt – zumindest im Vergleich mit dem zugrunde liegenden Fiesta oder dem generischer gestalteten Focus – auch ein enormes Plus an Alltagstauglichkeit bieten. Dadurch wird es schwieriger, ihnen zu widerstehen. Den Ford Puma kann man sehr leicht mögen und wählen, selbst wenn man den zusätzlichen Raum gegenüber dem Fiesta gar nicht benötigt.
Zudem gewinnt der Puma schnell an Sympathie, denn er übernimmt vom Fiesta dessen Lebensfreude bei Fahrverhalten und Motorisierung. Er ist der unterhaltsamste B-SUV seines Segments.
Für das stärkere Design und die höhere Praktikabilität wird allerdings ein Aufpreis fällig: Der Ford Puma ST Line X 1.0 EcoBoost MHEV kostet mehr als 25.000 Euro und übersteigt mit den Extras unseres Testwagens 29.000 Euro. Das entspricht ungefähr dem Preis eines größeren und reiferen, vergleichbar ausgestatteten Ford Focus. Für 3.000 Euro weniger gibt es einen Fiesta ST Line mit dem 1.0 EcoBoost und 140 PS. Was hat für dich wirklich Priorität?
Im direkten Vergleich mit seinen engsten Konkurrenten kann der Ford Puma in zahlreichen Disziplinen problemlos mit den Referenzen des Segments mithalten. Wer jedoch besonders viel Wert auf das Fahrerlebnis legt, sollte ihn unter den B-SUV als erste Wahl betrachten.
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