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Ferrari 360 Modena: Meine heimliche Vorliebe

Roter Ferrari-Sportwagen seitlich im Sonnenuntergang vor hügeliger Landschaft auf Asphaltparkplatz.

Ferrari 360 Modena: Vom kalten Schulterzucken zur heimlichen Vorliebe

Wenn du das Foto dieses wunderschönen Ferrari mit V8-Mittelmotor siehst und anschliessend den Titel dieser Reihe – unsere Heimlichen Vorlieben –, denkst du vermutlich: „Jack, du Rübe, du hast da etwas gründlich missverstanden. Hier soll es doch um Schrottkisten und S***autos gehen, für die man insgeheim schwärmt – nicht um offenkundig begehrenswerte italienische Supersportwagen.“ Damit hättest du recht. Aber zunächst muss ich erklären, was ich mit „heimlich“ meine.

Solange ich denken kann, war der Ferrari 355 für mich der Ferrari. Selbst als der unaufhaltsame technische Fortschritt Supersportwagen mit immer mehr Leistung und Elektronik ausstattete, blieb er mein Traumauto. Vom pickeligen 15-Jährigen bis zum Chefredakteur von TG: Kein anderes Modell wirkte für mich zugleich begehrenswerter und erreichbarer. Mit grossen Augen beobachtete ich, wie die Preise kontinuierlich sanken; bei etwa 45.000 £ erreichten sie ihren Tiefpunkt, was für einen Nachwuchs-Autojournalisten dennoch unerschwinglich war. Danach musste ich zusehen, wie sie wieder anzogen – heute kosten gute Exemplare mit Handschaltung inzwischen mehr als 150.000 £.

Warum der Ferrari 355 seinen Reiz verlor

Deshalb wandert mein Blick zum nächsten V8-Ferrari in der Abschreibungswarteschlange. Es fühlt sich furchtbar falsch an, doch nachdem der 355 mit so viel Lob überhäuft wurde, ist meine Zuneigung zu ihm etwas abgeflaut. Stattdessen hat es mir nun ausgerechnet das Modell angetan, das mich lange vollkommen kaltliess.

Der 360 Modena war der erste Ferrari, den ich je fahren durfte. Bei einem dieser fertig geschnürten Supersportwagen-Erlebnisse konnte ich einen Impreza STI, einen 996 Carrera und einen ziemlich heruntergerockten 360 ausprobieren. Noch heute weiss ich, wie beeindruckt ich davon war, wie niedrig, unverfälscht und rau sich der Ferrari anfühlte. Klang und Tempo hauten mich um – seine geschwungene Karosserie allerdings nicht. Neben dem kantigeren, perfekt modellierten 355 erschien sie mir stets charakterlos.

Der Ferrari 360 Modena als puristischer V8-Supersportwagen

Doch die Zeiten ändern sich, ebenso wie die Gebrauchtwagenpreise. Einen soliden 360 mit Handschaltung bekommt man inzwischen für 75.000 £, während ein wirklich ramponiertes Exemplar schon ab 50.000 £ zu haben ist. Auch mit dem Design habe ich mich mittlerweile angefreundet: Was einst formlos auf mich wirkte, hat sich für mich zu lässigem Retro-Charme entwickelt.

Angesichts meines Berufs mag das schwer zu glauben sein, aber ich tue mich damit schwer, was moderne Supersportwagen über ihren Besitzer aussagen. Ihre Technik, ihr ständiges Verschieben von Grenzen und ihre schiere Absurdität faszinieren mich zwar. Aber möchte ich wirklich der Typ sein, der in einem Revuelto mit Flip-Flop-Lackierung vorfährt? Wahrscheinlich nicht. In einem schäbigen 360 aufzutauchen, dessen Kilometerzähler zu viel erlebt hat und der so hart bewegt wurde, wie es vorgesehen war – damit kann ich mich dagegen anfreunden.

Während die Elektrifizierung den Massenmarkt erfasst und Supersportwagen immer teurer, komplexer und absurd schnell werden, spüre ich einen Trend zurück zur Vereinfachung des Fahrerlebnisses. Autos, die Fahrreinheit ganz selbstverständlich vermitteln, werden zunehmend geschätzt. Und was könnte das besser verkörpern, als einen Saug-V8 bis zum Limit auszudrehen, sich mit einem Klack-Klack durch die Gänge zu arbeiten und ihn zu parken, wo zum Teufel man will?

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