Mitten im Sommer fühlt es sich derzeit nicht danach an. In Festlandportugal gelten in den meisten Bezirken gelbe Wetterwarnungen, da kräftige Schauer und Gewitter vorhergesagt sind.
Sind Sie darauf vorbereitet, bei Regen zu fahren?
Das klingt vielleicht nach einer einfachen Frage. Nach mehreren trockenen Monaten gibt es jedoch einiges, das man sich wieder bewusst machen sollte. Bei Nässe nimmt der Grip ab, die Sicht wird schlechter, andere Verkehrsteilnehmer erkennen uns später und der Bremsweg verlängert sich. Dadurch wird der Spielraum für Fehler deutlich kleiner.
1. Die erste Regel ist einfach: langsamer fahren
Das ist der naheliegendste Tipp dieser Liste – und vermutlich auch der wichtigste. Je höher die Geschwindigkeit, desto weniger Zeit bleibt zum Reagieren, desto länger ist der Anhalteweg und desto schwieriger wird es für die Reifen, das Wasser vor ihnen zu verdrängen.
Schon ein heftiger Regenschauer oder die von einem Lkw aufgewirbelte Gischt kann die Sicht innerhalb weniger Augenblicke stark einschränken.
Sie müssen deshalb nicht im Schritttempo fahren. Passen Sie Ihre Geschwindigkeit einfach dem Zustand der Fahrbahn an und verabschieden Sie sich von der Vorstellung, bei einem Tempolimit von 120 km/h zwingend 120 km/h fahren zu müssen. Bei starkem Regen sollte der Tempomat außerdem ausgeschaltet bleiben. Die direkte Kontrolle über das Gaspedal ermöglicht es, schneller auf veränderte Haftung zu reagieren.
2. Seit Monaten kein Regen? Dann ist noch mehr Vorsicht geboten
Wenn es monatelang nicht geregnet hat, sammeln sich auf den Straßen Staub, Gummiabrieb, Öl und andere Verschmutzungen. Setzt dann endlich Regen ein, vermischt sich all das mit dem Wasser, sodass die Fahrbahn besonders rutschig werden kann.
In der Regel muss es eine Weile regnen, bevor die Straße „sauber gespült“ ist. Gerade der erste, scheinbar harmlose Regen ist daher eine Situation, in der besondere Vorsicht angebracht ist.
Achten Sie auch auf Bereiche, die ohnehin rutschig sind: stark befahrene Kreisverkehre, markierte Fußgängerüberwege, Metallabdeckungen und Kreuzungen, an denen Fahrzeuge täglich über dieselben Stellen fahren.
3. Vergessen Sie den Abstand von „zwei Autos“
„Zwei Autos“ Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug ist keine aussagekräftige Regel. Zwei Fahrzeuglängen bei 50 km/h sind nicht dasselbe wie bei 120 km/h. Sinnvoller ist es, in Sekunden zu zählen. Auf trockener Fahrbahn sind zwei Sekunden ein guter Richtwert. Bei Regen sollten Sie diesen Abstand verdoppeln und mindestens vier Sekunden zum vorausfahrenden Auto einhalten.
Damit gewinnen Sie nicht nur Reaktionszeit und Bremsweg, sondern halten auch mehr Abstand zur Gischt des Fahrzeugs vor Ihnen. Ihre Scheibenwischer werden es Ihnen danken.
4. Die Reifen. Immer die Reifen
Bei trockener Fahrbahn lassen sich Reifen leicht vergessen. Sobald es regnet, erinnern sie uns schnell daran, wie wichtig sie sind. Schließlich sind sie die einzige Verbindung des Autos zur Straße.
Die Rillen im Reifenprofil müssen Wasser ableiten, damit das Gummi weiterhin Kontakt zum Asphalt behält. Je stärker die Reifen abgefahren sind, desto schlechter gelingt ihnen diese Aufgabe.
In Portugal beträgt die gesetzliche Mindestprofiltiefe bei Pkw 1,6 mm. Diese Zahl sollte jedoch nicht als Zielwert verstanden werden. Ein Reifen, der sich nahe an der gesetzlichen Grenze befindet, kann Wasser nicht so gut ableiten wie ein neuer Reifen.
Nutzen Sie die Gelegenheit auch, den Reifendruck zu kontrollieren. Ein falscher Luftdruck beeinträchtigt ebenfalls das Fahrverhalten und kann das Risiko von Aquaplaning erhöhen.
5. Aquaplaning? Bleiben Sie ruhig
Ist zu viel Wasser auf der Fahrbahn, können die Reifen es nicht mehr verdrängen und das Auto beginnt, über die Oberfläche zu „gleiten“. Dieses Phänomen heißt Aquaplaning. Tritt es auf, wird die Lenkung deutlich leichter, und es kann sich anfühlen, als reagiere das Fahrzeug nicht mehr auf Lenkbewegungen.
Die instinktive Reaktion kann darin bestehen, kräftig zu bremsen oder den Kurs abrupt korrigieren zu wollen. Tun Sie das nicht.
Nehmen Sie behutsam Gas weg, halten Sie das Lenkrad möglichst gerade und vermeiden Sie Bremsmanöver sowie ruckartige Bewegungen. Sobald die Reifen wieder Kontakt zum Asphalt haben, erhalten Sie auch die Kontrolle über das Auto zurück.
Am besten gehen Sie mit Aquaplaning um, indem Sie es gar nicht erst entstehen lassen. Sehen Sie größere Wasseransammlungen, verringern Sie rechtzeitig davor die Geschwindigkeit.
6. Gute Sicht ist wichtig – gesehen zu werden ebenso
Hinterlassen die Scheibenwischer Schlieren, machen sie Geräusche oder schieben sie Wasser über die Scheibe, ohne es zu entfernen, sollten sie ersetzt werden. Warten Sie mit dieser Erkenntnis nicht bis zum nächsten Regenschauer.
Prüfen Sie außerdem, ob genügend Scheibenwaschflüssigkeit vorhanden ist, und nutzen Sie die Klimaanlage, damit die Scheiben nicht beschlagen. Die Klimaanlage entfernt Feuchtigkeit aus dem Fahrzeuginnenraum besonders wirksam.
Schalten Sie bei stärkerem Regen das Abblendlicht ein. Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf das Tagfahrlicht. Bei vielen Autos leuchtet das Tagfahrlicht nur vorn. Für Verkehrsteilnehmer hinter Ihnen können Sie in Regen und Gischt dadurch nahezu unsichtbar sein.
7. Sie kennen die Wassertiefe nicht? Fahren Sie nicht weiter
Die große Pfütze kann tatsächlich nur eine große Pfütze sein. Sie kann aber auch ein Schlagloch verbergen. Das Problem: Sie wissen es erst, wenn Sie hineinfahren.
Dasselbe gilt erst recht für eine überflutete Straße. Können Sie die Wassertiefe nicht einschätzen oder bewegt sich das Wasser, fahren Sie nicht weiter. Nutzen Sie auch das vorausfahrende Fahrzeug nicht als Maßstab. Dass es die Stelle passieren konnte, bedeutet nicht, dass Ihr Auto es ebenfalls schafft.
Ausreichend tiefes Wasser kann bis zur Motoransaugung gelangen, elektrische Schäden verursachen oder dazu führen, dass das Fahrzeug die Haftung verliert. Auch ein SUV setzt die Gesetze der Physik nicht außer Kraft. Und er wird dadurch erst recht nicht zum Boot.
Bei Regen zu fahren bedeutet letztlich nur, den Sicherheitsabstand zurückzugewinnen, den das Wasser nimmt: geringere Geschwindigkeit, mehr Abstand, sanftere Bewegungen und mehr Aufmerksamkeit für das Geschehen rund um das Fahrzeug.
Und wenn es so stark regnet, dass Sie die Straße kaum noch erkennen können, ist ein letzter Rat wichtiger als alle anderen: Halten Sie an einem sicheren Ort an und warten Sie, bis der Regen nachlässt.
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