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„The Beast“: Halb Auto, halb Flugzeug aus den wilden 70ern

Schwarzer Rolls-Royce mit leuchtenden Scheinwerfern und Nummernschild „THE BEAST“ in moderner Ausstellungshalle.

Halb Auto, halb Flugzeug: „The Beast“ entstand in den wilden 1970er-Jahren als einzigartiges Projekt und Ausdruck britischer Schaffenskraft.

Aktuell wird „The Beast“ bei Car & Classic ohne Preisangabe versteigert. Seine Geschichte könnte beinahe ein eigenes Buch füllen.

Ihren Anfang nahm sie 1966 mit einem Fahrgestell, in das Paul Jameson den Motor eines Panzers aus dem Zweiten Weltkrieg einbaute. Die prägende Figur hinter dieser Schöpfung sollte jedoch John Dodd werden.

Ursprünglich erhielt Dodd den Auftrag, ein Getriebe zu entwickeln, das den gewaltigen Leistungswerten des Motors standhalten konnte. 1972 kaufte er das Projekt allerdings und machte daraus das Fahrzeug, das heute zu sehen ist.

Eine „Art“ Rolls-Royce

Als Erstes entfernte Dodd den Panzermotor aus „The Beast“. An seine Stelle trat etwas noch Aussergewöhnlicheres: der 27-l-V12 mit 27.000 cm³ aus den berühmten Spitfire-Flugzeugen, der Rolls-Royce Merlin.

Danach mussten Fahrgestell und Motor eingekleidet werden. Dafür wandte sich Dodd an das Unternehmen Fibre Glass Repairs.

Fibre Glass Repairs, bekannt für Karosserien von Dragstern, formte diesen Koloss.

So entstand ein Wagen mit ungewöhnlichen Proportionen und einer extrem langen Motorhaube, der auch den typischen Kühlergrill von Rolls-Royce trug. Schliesslich stammte sein Motor von dem angesehenen britischen Unternehmen.

Im Innenraum erreicht das Armaturenbrett zwar nicht die Verarbeitungsqualität eines Rolls-Royce. Dennoch ist es zweifellos exklusiver als jenes jedes Modells der Marke: Die zahlreichen Bedienelemente erinnern an ein Flugzeugcockpit.

„The Beast“, das leistungsstärkste Auto der Welt

Natürlich sorgte „The Beast“ für Aufsehen. Er erschien in Zeitschriften und Zeitungen und war sogar bei Top Gear zu sehen.

1973 unterzog ihn der RAC (Royal Automobile Club) einer Prüfung, bei der er seine Fähigkeiten rasch unter Beweis stellte: Er erreichte 295 km/h – in einer Zeit, als die meisten Familienwagen schon Mühe hatten, die Marke von 120 km/h zu überschreiten.

1977 wurde er als leistungsstärkstes Auto der Welt in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen, obwohl er nie auf einem Leistungsprüfstand gemessen worden war.

In den Spitfire leistete der 27-l-V12 rund 1520 PS. Da „The Beast“ jedoch auf den in Flugzeugen eingesetzten Kompressor verzichtete, dürfte seine Leistung niedriger ausgefallen sein.

Schätzungen gingen von etwa 760 PS aus. John Dodd erklärte gegenüber dem EVO Magazine allerdings, „The Beast“ leiste ungefähr 960 PS und 1030 Nm.

Rechtliche Probleme

Trotz der grossen Aufmerksamkeit für „The Beast“ gefiel Rolls-Royce die Verwendung des eigenen Kühlergrills nie. Das Unternehmen verklagte John Dodd deshalb.

Die britischen Gerichte entschieden zugunsten der Marke. Dodd musste „The Beast“ verstecken und ... nach Spanien fliehen. Später kam er wieder mit seiner Schöpfung zusammen, verzichtete dann aber auf den Rolls-Royce-Kühlergrill.

Bemerkenswert ist, dass „The Beast“ trotz des juristischen Erfolgs von Rolls-Royce als Modell der britischen Marke zugelassen ist. Zwischen der Luxusmarke und John Dodd ergibt sich damit eine Art „Unentschieden“.

Nun sucht „The Beast“ einen neuen Besitzer – vorzugsweise jemanden, der ihn fast täglich nutzen möchte, so wie John Dodd es über viele Jahre hinweg tat.

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