Was ist neu am Ford Focus ST?
Fords schärfster Focus (vorerst ...) erhält gemeinsam mit den übrigen Schrägheck-Modellen eine gründliche Überarbeitung. Dabei bleibt es nicht bei neuen Scheinwerfern und einem markanter gezeichneten Kühlergrill – obwohl gerade diese bewährten Änderungen ihn dem kleineren Fiesta ST verblüffend ähnlich sehen lassen. Vielmehr wurde sein gesamter Charakter umfassender nachgeschärft.
Die wichtigsten Änderungen beim Focus ST
Die große Neuigkeit ist ein neuer Motor. Der 2,0-Liter-Turbobenziner mit 247bhp bleibt im Angebot und erhält lediglich kleinere Software-Anpassungen. Zusätzlich steht nun ein 2,0-Liter-Turbodiesel mit 182bhp zur Wahl. Nein, er heißt nicht STD. Beide Varianten treiben ihre Vorderräder über ein Sechsgang-Schaltgetriebe recht temperamentvoll an.
Auch das Fahrwerk wurde überarbeitet: Die Aufhängung ist straffer abgestimmt, zudem hat Ford sowohl das Torque-Vectoring-System als auch die elektrische Servolenkung neu kalibriert. Es handelt sich um Detailverbesserungen statt um eine Revolution, doch unterm Strich wirkt das Auto deutlich präziser als zuvor.
Fährt er sich entsprechend gut?
Absolut. Schon zuvor verband der Focus ST willige, agile Fahreigenschaften mit einem straffen, aber dennoch komfortablen Fahrwerk. Das gilt weiterhin: Die Lenkung wirkt zielgerichteter und bietet für ein elektrisches System angenehm viel Widerstand. Dadurch vermittelt sie ein intuitives Gefühl, sodass Korrekturen des eingeschlagenen Lenkwinkels nur selten nötig sein sollten.
Das Fahrwerk erscheint derweil etwas härter als bisher, allerdings mit gutem Grund. Da unsere spanischen Teststrecken auffallend gepflegt waren, lässt sich ein abschließendes Urteil erst nach einer Fahrt mit dem ST auf dem deutlich stärker zerfurchten Asphalt Großbritanniens fällen.
Ohne ein echtes Sperrdifferenzial kann die Vorderachse beim Herausbeschleunigen aus Kurven von dem Drehmoment des ST mitunter überfordert sein. Die Lösung klingt zunächst widersinnig: Wird das ESP in den freizügigeren Sportmodus versetzt, lockert sich der feste Griff der Traktionskontrolle und die Reifen können sich wirkungsvoll in den Asphalt beißen.
Während versierte Konkurrenten von VW, Renault und Seat die Vorteile eines Differenzials zeigen, gleicht Ford dies durch ein ausgesprochen wirksames elektronisches Torque Vectoring aus. Wir gerieten in extrem nasse Bedingungen und konnten der Vorderachse dennoch voll vertrauen. Sie ermutigte dazu, jede Kurve schneller anzufahren als die vorherige. Genau so sollte sich ein guter Hot Hatch anfühlen.
Motoren des Ford Focus ST
Der Benziner präsentiert sich unverändert: Seine Kraftentfaltung ist äußerst elastisch, gleichzeitig dreht er ausgesprochen gerne hoch. Damit lässt sich die präzise Schaltung je nach Laune häufig oder kaum betätigen.
Wer den Motor konsequent ausdreht, erlebt ein ausgesprochen schnelles Kompaktauto, das womöglich noch flotter wirkt, als die Zeit von 6.5sec für 0–62mph vermuten lässt. Selbst der künstlich verstärkte Motorsound stört nicht; besonders im oberen Bereich des Drehzahlmessers unterhält sein Blubbern durchaus.
Der Diesel ist klanglich dagegen weniger reizvoll. Auch er erhält künstliche akustische Unterstützung, doch diese kann einen landmaschinenartigen Grundton nicht überdecken, der vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten deutlich hervortritt. Natürlich überzeugt er eher mit seinen angegebenen Werten: 110g/km und 67.3mpg gegenüber 159g/km und 41.5mpg beim Benziner machen ihn zur wesentlich plausibleren Wahl als Dienstwagen.
Obwohl der Selbstzünder 27kg mehr wiegt, beeinträchtigt das seine Einlenkfreude nicht spürbar. Zudem spricht er für einen Diesel erfreulich direkt auf Gasbefehle an, was gelungenes Zwischengas ermöglicht.
Doch die Formulierung „für einen Diesel“ lässt sich beim Lob für den ST TDCI kaum umgehen. Er ist eindeutig der weniger anregende der beiden, benötigt für 0–62mph 8.1sec, und sobald die Leistungskurve knapp oberhalb von 4000rpm nachlässt, dürfte auch die Begeisterung schwinden. Ab £22,195 kosten beide Varianten gleich viel, doch sofern die Kaufentscheidung nicht von Verbrauchswerten bestimmt wird, würden wir zum Benziner greifen.
Karosserien, Ausstattung und Verkaufszahlen
Wie bisher gibt es den Focus ST sowohl als fünftüriges Schrägheck als auch als Kombi, wobei der Kombi £1,100 Aufpreis kostet. Mit lediglich 24kg zusätzlichem Gewicht und einem zum kleineren Schwestermodell identischen Radstand sind Unterschiede im Handling kaum auszumachen. Zudem ist er wohl das elegantere Modell der beiden, insbesondere in der dezenten Uni-Lackierung in Grau.
Mit seinem Einstiegspreis von £22k liegt der Focus ST rund vier Tausend Pfund unter einem Golf GTI mit 30bhp weniger Leistung. Allerdings entscheiden sich nur zwei Prozent der britischen Käufer tatsächlich für die Basisausstattung. Deutlich gefragter sind die besser ausgestatteten Versionen ST2 und ST3. Im ST3, der ab £25,995 erhältlich ist, gehört Fords neues intelligentes Sync-Touchscreen-Mediasystem serienmäßig zum Umfang. Es ersetzt das frühere, von Tasten überzogene Armaturenbrett und verleiht dem Focus einen erheblich hochwertigeren Eindruck als zuvor.
Noch mehr Zahlen? Ford rechnet innerhalb der ST-Baureihe mit einer hälftigen Verteilung von Benzin- und Dieselverkäufen. Die neue sparsame Motorisierung dürfte zudem den gegenwärtigen Kombi-Anteil von 15 per cent erhöhen. Weniger als zehn Prozent der Käufer wagen sich übrigens an den oben gezeigten Lackton „Mandarinen-Schrei“.
Kommt ein Focus RS?
Mit der Enthüllung seines spektakulären neuen GT-Supersportwagens kündigte Ford zugleich Ford Performance an, die neue Dachmarke für sämtliche sportlichen Aktivitäten des Herstellers.
Ford Performance gliedert sich in drei Bereiche: „ultrahohe Leistung“, „hohe Leistung“ und „verbesserte Technologie“. Da der ST der letzten Kategorie zugeordnet wird, bleibt Platz für einen RS mit mehr als 300bhp darüber. Einen ersten Blick darauf werden wir sehr bald werfen können. Der ST wird wegen seiner vielseitigen Fähigkeiten mit einem Fünfkämpfer verglichen, während der RS deutlich kompromissloser ausfallen und klar auf den Einsatz auf der Rennstrecke ausgerichtet sein wird.
Und ein Fiesta RS? Eine Bestätigung gibt es bislang nicht. Leistungsziele wurden jedoch festgelegt und die zur Erreichung nötige Technik identifiziert; offen ist lediglich noch die Rechtfertigung des Geschäftsmodells. Ford duldet keine verlustbringenden Performance-Autos, die nur die Marke stärken. Die sportlichen Modelle müssen also nicht nur uns Benzinköpfe begeistern, sondern auch Geld einbringen. Daher heißt es: Daumen drücken und beim Händler nachfragen.
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