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Mercedes-Benz will im deutschen Taximarkt gegen BYD verlorenes Terrain zurückgewinnen

Zwei moderne Taxis in Beige, ein Mercedes-Benz und ein BYD, stehend in einem hellen Ausstellungsraum.

Über Jahrzehnte hinweg waren Taxis in Deutschland beinahe untrennbar mit Mercedes-Benz verbunden. In den vergangenen Jahren zog sich die Marke jedoch zunehmend aus diesem Geschäft zurück, weil sie sich stärker auf profitablere Modelle konzentrieren und ihre Premium-Positionierung ausbauen wollte.

Die niedrigen Margen lieferten eine Begründung für den Rückzug, doch die Folgen zeigten sich schnell. Nach Angaben von Dataforce, auf die sich die deutsche Zeitung Handelsblatt beruft, entfielen 2022 noch 45 % aller neu zugelassenen Taxis in Deutschland auf Mercedes-Benz. Im ersten Halbjahr 2025 war dieser Anteil auf nur noch 8 % gesunken.

Inzwischen scheint der Hersteller erkannt zu haben, den Wettbewerbern zu viel Raum überlassen zu haben, und möchte einen Teil des verlorenen Terrains zurückerobern. Eine neue Bedrohung beschleunigt diesen Strategiewechsel zusätzlich: BYD.

Mercedes-Benz verliert im deutschen Taximarkt deutlich an Marktanteil

Die chinesische Konkurrenz ist bei den aktuellen Zahlen noch klein, bei ihren Ambitionen aber keineswegs. BYD ließ im ersten Halbjahr 2026 in Deutschland lediglich 10 Fahrzeuge als Taxi zu, erklärt jedoch, bereits mehr als 100 Bestellungen vorliegen zu haben.

Das Ziel ist deutlich ehrgeiziger: 2026 sollen rund 500 Taxis verkauft werden, 2027 mehr als 1.000 Einheiten. In einem deutschen Markt, in dem jährlich zwischen 4.000 und 6.000 neue Taxis zugelassen werden, würden diese Werte BYD eine relevante Präsenz verschaffen.

BYD will die Gelegenheit nutzen

Zu den wichtigsten Argumenten von BYD zählt der Preis. Taxiunternehmer in Deutschland können den Seal 6 Touring für weniger als 30.000 Euro erwerben, nachdem ein Nachlass von rund 37 % auf den regulären Preis dieses Modells im deutschen Markt gewährt wird.

Die Strategie beschränkt sich allerdings nicht auf Preisnachlässe. Der chinesische Hersteller hat Fachleute aus dem Taxigeschäft eingestellt, die zuvor für konkurrierende Marken tätig waren, und zugleich seine Werbung in Publikationen für Branchenprofis verstärkt.

Trotz dieser Offensive wird der Markt weiterhin überwiegend von etablierten Herstellern beherrscht. Volkswagen, Toyota und Mercedes-Benz vereinen den Großteil der neuen Taxizulassungen in Deutschland auf sich, wobei Volkswagen mehr als die Hälfte des Marktes kontrolliert.

Mercedes-Benz versucht, verlorenes Terrain zurückzugewinnen

Erste Anzeichen einer Erholung sind bereits sichtbar. Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Deutschland 126 Mercedes-Benz E-Klasse als Taxi zugelassen, während es im gesamten Jahr 2025 nur 72 waren. Damit stieg der Marktanteil der Marke wieder auf 18 %.

Um Taxiunternehmer zu überzeugen, setzt Mercedes-Benz ebenfalls auf Rabatte. Für die E-Klasse gilt ein Preisnachlass von 24 %, durch den einige Dieselvarianten unter 40.000 Euro kosten. Auch für Vito und V-Klasse gibt es spezielle Angebote für diesen Markt.

Die Offensive dürfte sich zudem auf Elektrofahrzeuge ausweiten. Mercedes-Benz will den vollelektrischen VLE für den Taxieinsatz anbieten, obwohl manche Ausführungen ein zulässiges Gesamtgewicht von mehr als 3.500 kg erreichen könnten und deshalb einen für schwere Fahrzeuge passenden Führerschein erfordern.

Taxis als starke Werbung für Mercedes-Benz

Offen bleibt, ob Mercedes-Benz seinen verlorenen Stellenwert noch rechtzeitig zurückgewinnen kann. Frank Schwope, ein vom Handelsblatt zitierter Automobilanalyst, hält den Ausstieg aus diesem Markt sogar für einen „fatalen Fehler“ von Ola Källenius, dem Vorstandsvorsitzenden der Marke.

Dafür gibt es einen Grund, der über die Verkaufszahlen hinausgeht. Wie Schwope hervorhebt, „sendet eine Taxiflotte ein sehr starkes Signal“. Jede Fahrt ist zugleich eine Art Probefahrt: Tausende Fahrgäste steigen täglich in diese Autos und lernen Modelle kennen, die sie andernfalls möglicherweise nie in Betracht gezogen hätten.

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