Der Fiido C11 Pro ist ein urbanes E-Bike, das für rund 1.099 Euro angeboten wird. Ist sein Ruf als attraktives Angebot zum Start ins neue Arbeits- und Schuljahr wirklich gerechtfertigt? Um das herauszufinden, habe ich ihn den ganzen Sommer über getestet.
In der allgemeinen Wahrnehmung ist ein City-E-Bike entweder ein sündhaft teures Premiumprodukt oder ein günstiges Modell mit Abstrichen bei der Qualität. Mit dem C11 Pro möchte Fiido genau diese Lücke nutzen. Das E-Bike verspricht eine umfangreiche Ausstattung und eine ausgefeilte Unterstützung für kaum mehr als 1.000 Euro. Ein verlockendes Versprechen in Zeiten steigender Kraftstoffpreise, die die Haushaltsbudgets zunehmend belasten.
Um herauszufinden, ob der Fiido C11 Pro tatsächlich ernsthafte Aufmerksamkeit verdient, habe ich dieses Modell mehrere Wochen lang getestet.
Was ist der C11 Pro?
Die chinesische Marke Fiido, die inzwischen fest in Frankreich etabliert ist und dort seit 2024 einen lokalen Montagestandort betreibt, hat sich seit Jahren einen Namen mit erschwinglichen E-Bikes gemacht, bei denen die Ausstattung nicht zu kurz kommt.
Der C11 Pro ist keine vollständige Neuentwicklung, sondern die Weiterentwicklung des C11. Dessen auf 500 W begrenzter Motor und seine Höchstgeschwindigkeit von 32 km/h entsprachen nicht den europäischen Vorschriften.
In der Pro-Ausführung leistet der Motor 250 W, während die Unterstützung bei 25 km/h endet, wie es das Gesetz vorschreibt. Zusätzlich kommt ein Drehmomentsensor hinzu, der ein natürlicheres Fahrgefühl ermöglichen soll. Auf dem Papier klingt das Konzept überzeugend: ein umfassend ausgestattetes City-Bike zu einem Preis, der weiterhin unter dem vieler ähnlich ausgestatteter Konkurrenten liegt.
Einfache Montage
Der C11 Pro kommt in einem vergleichsweise kompakten Karton an, weshalb ein wenig Eigenarbeit erforderlich ist. Wer handwerklich nicht besonders versiert ist, muss sich deshalb aber keine Sorgen machen: Das Fahrrad wird fast vollständig vormontiert geliefert. Lediglich Vorderrad, Lenker, Pedale und Schutzbleche müssen selbst angebracht werden. Sämtliches benötigtes Werkzeug liegt bei, und die Anleitung ist verständlich. Auf dem YouTube-Kanal der Marke stehen sogar Videos bereit. Je nach handwerklichem Geschick sollte man mit 30 Minuten bis etwas mehr als einer Stunde rechnen. Am anspruchsvollsten ist es, die Schutzbleche so einzustellen, dass sie nicht an den Reifen schleifen.
Was mir am Fiido C11 Pro gefallen hat
Komfort in jeder Hinsicht
Mit seiner aufrechten Sitzposition, dem verstellbaren Lenker und dem offenen Rahmen, der das sichere Aufsetzen der Füße an jeder Ampel erleichtert, ist der C11 Pro klar auf den täglichen Einsatz ausgelegt.
Besonders wichtig ist der Drehmomentsensor. Anders als ein einfacher Trittfrequenzsensor, der die Unterstützung aktiviert, sobald sich die Pedale drehen, erfasst der Drehmomentsensor die vom Fahrer aufgebrachte Kraft und passt die Unterstützung daran an. Dadurch setzt die Hilfe schrittweise ein, was den Fahrkomfort spürbar verbessert.
Das Anfahren an Ampeln gelingt geschmeidig, auch an Steigungen hält das Rad das Tempo hervorragend – kurzum: Das Fahren macht richtig Spaß.
Hinzu kommen äußerst wirkungsvolle hydraulische Zweikolben-Scheibenbremsen. Sie packen kräftig zu, bleiben dabei aber gut dosierbar. Selbst bei einer Notbremsung habe ich die Räder nie blockiert.
Umfangreiche Ausstattung des Fiido C11 Pro
Der Fahrspaß wird zusätzlich durch Fiidos großzügige Serienausstattung gesteigert. Ab Werk besitzt das Fahrrad zwei Schutzbleche, einen Gepäckträger, eine direkt an die Batterie angeschlossene Beleuchtung und einen Ständer.
Zwei Details haben mir besonders gut gefallen: der reflektierende Streifen an den Reifenflanken, der unschöne Speichenreflektoren überflüssig macht, sowie der einzelne Schlüssel, der sowohl den Akku als auch das Rahmenschloss am Hinterrad entriegelt. Solche kleinen Details machen im Alltag einen echten Unterschied.
Wie bei den Fahrrädern selbst sind auch die Zubehörteile auf der offiziellen Fiido-Website attraktiv. Die Marke bietet unter anderem durchdachte Transportlösungen an, etwa eine Smartphone-Halterung oder leicht zu montierende Taschen mit großzügigem Fassungsvermögen. Eltern können außerdem einen Kindersitz direkt auf dem Gepäckträger befestigen. Sehr praktisch.
Gute Reichweite
Der Hersteller verspricht, abhängig von der gewählten Unterstützungsstufe, eine theoretische Reichweite von knapp 90 bis sogar 100 km. Das klang verlockend, schien mir zunächst jedoch kaum glaubhaft. Bei gemischter Nutzung in Stadt und ländlicher Umgebung kam ich dennoch auf zwischen 70 und 90 km. Dabei gehöre ich mit 80 kg keineswegs zu den leichtesten Fahrern und habe regelmäßig mein 20 kg schweres Kind mitgenommen.
Damit erfüllt die Reichweite des C11 Pro die Anforderungen von Stadtbewohnern, die ihr Fahrrad vor allem als Verkehrsmittel und nicht als Freizeitobjekt nutzen.
Der herausnehmbare Akku hat mich endgültig überzeugt. Obwohl ich in einem Haus mit Garage wohne und meine Fahrräder dort laden kann, finde ich einen entnehmbaren Akku grundsätzlich praktischer. Fiidos Entscheidung ist ohnehin logisch, denn dieses Modell richtet sich vor allem an Menschen in der Stadt. Wer ohne Aufzug acht Etagen überwinden muss, dürfte allein wegen des Akkus einen klaren Vorteil sehen.
Er lässt sich außerdem im Büro aufladen, ohne das komplette Fahrrad dorthin bringen zu müssen. Darüber hinaus kann ein herausnehmbarer Akku als zusätzlicher Diebstahlschutz dienen.
Was mir weniger gefallen hat
Das Gewicht
Auch wenn der C11 Pro im Durchschnitt urbaner E-Bikes liegt, bleibt er ein schweres Fahrrad. Mit 24 kg auf der Waage kann er vor allem für kleinere Personen schwierig zu handhaben sein. Ihn eine Treppe hochzutragen, in einen erhöhten Fahrradraum zu heben oder ohne Motorunterstützung zu rangieren, wird durch das Gewicht unangenehm.
Zum Glück hilft eine Schiebehilfe per Hebel dabei, das Fahrrad bei niedriger Geschwindigkeit ohne Treten zu bewegen. Das entschärft die Einschränkung im Alltag etwas. Ein paar Kilogramm weniger hätten ihm dennoch gutgetan.
Komfort am Heck
Die gefederte Vordergabel glättet kleinere Unebenheiten zuverlässig, doch am Heck fehlt jede Federung. Auf glattem Asphalt ist das kein Problem. Auf schlechtem Straßenbelag oder Kopfsteinpflaster werden die Erschütterungen jedoch direkt an den Körper weitergegeben. Auch der eher schmale und feste Sattel hilft auf längeren Strecken nicht wirklich.
Für den normalen Stadtbetrieb ist das kein Ausschlusskriterium. Wer häufig über Kopfsteinpflaster fährt oder besonders empfindlich sitzt, sollte allerdings eventuell einen Sattelwechsel einplanen.
Verbesserungswürdige Schaltung
Das Shimano-Tourney-Schaltwerk gehört bei Shimano zur Einstiegsklasse, und das merkt man. Die Indexierung ist nicht immer präzise, besonders in den höchsten Gängen. Das Schalten verlangt daher mehr Aufmerksamkeit als bei einer hochwertigeren Schaltung.
Ist sie korrekt eingestellt, arbeitet sie im Alltag zwar zuverlässig. Gegenüber der ansonsten tadellosen Ausstattung fällt diese Schaltung jedoch etwas ab.
Ausbaufähige Ergonomie
Das Fahrerlebnis wäre noch besser, wenn Fiido die Ergonomie am Lenker sorgfältiger gestaltet hätte. Die Tasten der Bedieneinheit lassen sich nicht immer finden, ohne auf den Lenker zu schauen. Die App ist zwar angenehm, um Statistiken einzusehen oder das Fahrrad aus der Ferne zu sperren, im Alltag aber nicht unbedingt notwendig.
Preis des Fiido C11 Pro
Der Fiido C11 Pro startete bei 1.799 €, hat sich jedoch rasch bei etwa 1.099 € eingependelt und fällt in Aktionszeiträumen regelmäßig unter die Marke von 1.000 €. In dieser Preisklasse gibt es Konkurrenz, die allerdings andere Schwerpunkte setzt. Marken wie Tenways bieten urbane E-Bikes zu ähnlichen oder etwas höheren Preisen an, die häufig stärker auf Design ausgerichtet sind oder eine hochwertigere Schaltung besitzen, dafür aber weniger umfassend ausgestattet sind.
Mit dem C11 Pro setzt Fiido vor allem auf Komfort und einen hohen Ausstattungsumfang. Positiv ist zudem, dass die Marke bei Schäden oder Verschleiß einen vollständigen und leicht zugänglichen Ersatzteilkatalog anbietet – auch ohne stationäre Geschäfte.
Mein Urteil zum Fiido C11 Pro
Ist der Fiido C11 Pro das perfekte E-Bike für den Start ins neue Arbeits- und Schuljahr? In vielerlei Hinsicht lautet die Antwort: ja. Für den klassischen Stadtalltag, Pendelwege auf gutem Untergrund und angemessene Distanzen leistet der Fiido C11 Pro hervorragende Arbeit. Seine sanfte Unterstützung dank Drehmomentsensor, die vertrauenerweckenden Bremsen, die komfortable Reichweite und die umfangreiche Ausstattung machen ihn zu einem E-Bike, das man für den Saisonstart unbedingt in Betracht ziehen sollte. Für seinen Preis – zum Zeitpunkt des Schreibens kostet er weniger als 1000 Euro – ist es schwer, wenn nicht sogar unmöglich, einen ebenso interessanten Konkurrenten zu finden.
Wer dagegen regelmäßig auf beschädigten Straßen, Kopfsteinpflaster oder längeren Strecken unterwegs ist, wird die fehlende Hinterradfederung und die Härte des Sattels wahrscheinlich bemerken.
Falls die Schaltung für Sie ein entscheidendes Kriterium ist, könnte sie enttäuschen. Für die große Mehrheit der täglichen Einsätze bleiben diese Vorbehalte jedoch gegenüber dem weiterhin sehr überzeugenden Verhältnis von Ausstattung und Preis zweitrangig. So lässt sich der Weg ins Büro problemlos mit dem Fahrrad zurücklegen, ohne das Budget zu sprengen.
Fiido C11 Pro
1.099€
Urteil: 8.0/10
Das gefällt uns
- Sehr ansprechendes Design
- Hoher Fahrkomfort in der Stadt
- Sehr gute Ausstattung
- Gute Reichweite
- Unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis
Das gefällt uns weniger
- Weniger komfortabel auf holprigen Straßen
- Schaltung nicht flüssig genug
- Schwer
- Ergonomie der Bedienelemente am Lenker
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