Lohnt sich der Aufpreis für den Bigster oder bleibt der Dacia Duster die bessere Wahl?
Über den neuen Dacia Bigster ist fast alles gesagt: Er ist das bislang größte Modell der Marke und zielt direkt auf ein Segment, das Dacia bisher nicht betreten hatte. In Europa werden im Segment der C-SUV jedes Jahr rund drei Millionen Fahrzeuge verkauft.
Trotz dieser Ambitionen bleibt Dacia dem Rezept treu, das sich in den vergangenen Jahren bewährt hat: Der Bigster ist einfach, robust und nahezu unschlagbar günstig – besonders in der Hybridversion.
Doch reicht das aus, um den Preisunterschied zu seinem kleineren Bruder, dem beliebten Dacia Duster, zu rechtfertigen? Wir haben den Bigster gefahren, um die Antwort zu finden.
Auf die Größe kommt es an
Mit 4,57 m Länge überragt der Bigster den Duster um 23 cm. Das verschafft ihm Vorteile bei Platzangebot und Vielseitigkeit. Er gehört zu den geräumigsten SUV seines Segments: Im Fond gibt es reichlich Beinfreiheit, und der Kofferraum dieser Hybridversion fasst 546 Liter. Das sind etwa 120 Liter mehr als beim vergleichbaren Duster.
Bei den anderen Antrieben – Mildhybrid oder Autogas – kann das Volumen noch größer ausfallen: Der Bigster bietet dann bis zu 667 Liter Ladevolumen. Ich habe nachgerechnet und kann sagen, dass es beim Urlaub nicht an Platz mangeln dürfte.
Dacia Bigster: Komfort und Technik haben sich verändert
Die Zeiten, in denen man sich mit einem Dacia bei Komfort und Technik auf zahlreiche Kompromisse einstellen musste, sind vorbei. Heute bietet das Modell, was Kunden von einem Neuwagen erwarten.
Dazu gehören Fahrassistenzsysteme wie ein automatischer Notbremsassistent und ein adaptiver Tempomat. Hinzu kommen Annehmlichkeiten wie Android Auto und Apple CarPlay, die in allen Versionen kabellos verfügbar sind, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik und ein digitales Kombiinstrument mit 10,1 Zoll.
Zwar folgt auch der Innenraum weiterhin dem schlichten Konzept, das alle Modelle der Marke prägt. Dennoch erreicht Dacia hier sein bisher bestes Niveau. Und obwohl sich Bigster und Duster optisch stark ähneln, haben sich Geräuschdämmung und Sitzkomfort spürbar verbessert.
Der größte Trumpf des Bigster
Der größte Vorteil ist der Hybridantrieb, der innerhalb der Renault-Gruppe eine vollständige Neuentwicklung darstellt. Das aus dem Duster und zahlreichen Renault-Modellen bekannte Hybridsystem wurde weiterentwickelt: Statt eines 1,6-Liter-Saugmotors mit 94 PS kommt nun ein ebenfalls aufgeladener Motor nicht zum Einsatz, sondern ein 1,8-Liter-Saugmotor mit 107 PS.
Die Elektromotoren bleiben unverändert: Der Antriebsmotor leistet weiterhin 49 PS, der als Starter arbeitende Motor 20 PS. Der Akku ist dagegen etwas größer geworden und wächst von 1,2 kWh auf 1,4 kWh.
Daraus ergibt sich eine maximale Leistung von 155 PS und damit 15 PS mehr als beim bisherigen Hybridsystem, das beispielsweise im Duster steckt. Angesichts der Größe dieses SUV kommt die zusätzliche Leistung gerade recht.
Die Steuerung übernimmt weiterhin das bekannte Multimode-Getriebe der Renault-Gruppe. Es arbeitet jedoch besser als je zuvor: sanfter, schneller und weniger sprunghaft als im Duster Hybrid.
Das macht die Nutzung angenehmer und sorgt vor allem für sehr interessante Verbrauchswerte.
Apropos Verbrauch
Ich bin mit dem Dacia Bigster rund 1000 km gefahren, den größten Teil davon – etwa 750 km – auf der Autobahn. Bei stets ungefähr 120 km/h und eingeschalteter Klimaanlage lag der Verbrauch immer unter 6 l/100 km.
Die übrigen 250 km führten über Landstraßen und durch Stadtgebiete. Dort fiel der Verbrauch deutlich niedriger aus: Werte um 4,5 l/100 km lassen sich relativ einfach erreichen.
Zum Duster gibt es nur einen Unterschied
Auf freier Strecke konnte ich beim Fahrverhalten keine großen Unterschiede zwischen Bigster und Duster feststellen. Das überrascht nicht, denn beide Modelle teilen sich die Plattform und das Fahrwerkslayout mit McPherson-Federbeinen vorn und einer Verbundlenkerachse hinten.
Die passive Federung ist vielseitig: Sie erlaubt Abstecher abseits befestigter Straßen, wo sich die 19,5 cm Bodenfreiheit nutzen lassen, und zeigt sich zugleich auf Asphalt sehr kompetent.
Ein aufregend zu fahrendes SUV ist der Bigster nicht, das erwartet aber auch niemand von ihm. Stattdessen lässt er sich leicht bewegen, ist sehr ausgewogen und reagiert stets vorhersehbar. Das vermittelt am Steuer Vertrauen.
Im Vergleich zum Duster wirkt der Bigster etwas kultivierter. Das liegt fast ausschließlich an der zusätzlichen Geräuschdämmung, die Dacia ihm spendiert hat.
Unschlagbarer Preis
In Portugal ist der Dacia Bigster mit bivalentem Antrieb für Benzin und Autogas ab 24.250 Euro erhältlich. Angesichts des Platzangebots und der Ausstattung ist das ein unschlagbarer Preis.
Dasselbe Argument gilt für die getestete Version Hybrid 155. Sie startet bei 29.500 Euro und kostet damit 2.000 Euro mehr als der vergleichbare Duster. Die besser ausgestatteten Versionen Journey und Extreme, wie sie unserem Testwagen entsprechen, sind gleich teuer und beginnen bei 32.505 Euro.
Meiner Meinung nach ist es durchaus sinnvoll, diesen Aufpreis für den Bigster zu zahlen, sofern zusätzlicher Platz tatsächlich benötigt wird. Ohne jeden Zweifel gehört er zu den besten Modellen, die eine Familie kaufen kann.
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