Mitte vergangenen Jahres bekam der Hyundai Santa Fe – gerade einmal zwei Jahre nach seinem Marktstart – bereits eine umfassende Auffrischung. Das überraschte nicht zuletzt wegen Umfang und Tiefe der Änderungen. Er erhielt nicht nur ein neues „Gesicht“, auch der Innenraum wurde mit einer neuen Mittelkonsole und weiteren „Extras“ aufgewertet, darunter ein komplett digitales Kombiinstrument sowie hochwertigere Materialien.
Noch erstaunlicher: Dieses frühe Facelift ging mit einer neuen Plattform einher (vom Hersteller lediglich als dritte Generation bezeichnet). Genau diese Basis ebnete dem Santa Fe den Weg zur Elektrifizierung und brachte zwei Hybrid-Varianten hervor: HEV (klassischer Vollhybrid, hier im Test) und PHEV (Plug-in-Hybrid, der später folgen soll).
Damit besteht das hiesige Angebot aus zwei klar getrennten Antrieben, Hybrid und Diesel – in Deutschland bemerkenswerterweise mit ähnlichem Preisniveau (beide als Vanguard + Luxury Pack, also in der höchsten Ausstattung) und vergleichbarer Performance. Das lädt geradezu zum direkten Duell ein.
Kann der Antrieb des „21. Jahrhunderts“ dem Diesel den Rang ablaufen – also jener traditionellen Standardlösung, die für große, siebensitzige SUVs lange als besonders passend galt?
Hybrid vs Diesel
Auf dem Datenblatt startet der Santa Fe HEV mit einem kleinen Vorsprung gegenüber dem Santa Fe 2.2 CRDi. Er ist stärker (230 cv statt 202 cv) und weist zudem geringere CO₂-Emissionen aus (153 g/km statt 165 g/km). Der Diesel kontert jedoch mit sehr ähnlichen Fahrleistungen: Beim klassischen Sprint 0–100 km/h liegt er nur 0,1s zurück (9,0s statt 8,9s), dafür setzt er sich bei der Höchstgeschwindigkeit ab (205 km/h statt 187 km/h).
Natürlich sind beide keine „Renn“-SUVs, dennoch fällt beim 2.2 CRDi auf, wie souverän er seine Leistung in der Praxis umsetzt – auch die Zwischenspurts wirken kräftig. Das liegt nicht zuletzt am höheren Drehmoment von 440 Nm (im HEV liegt das maximale Systemdrehmoment bei 350 Nm) sowie am 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Im HEV arbeitet dagegen eine Automatik mit Wandler, zudem mit zwei Gängen weniger (insgesamt sechs) – beide fahren mit Frontantrieb.
Allerdings erzählen Zahlen nur einen Teil der Geschichte. Aufgrund der jeweiligen Charakteristik liefern beide Antriebe ihre Leistung spürbar unterschiedlich ab.
Beim Santa Fe HEV sticht vor allem der 44,2 kW (60 cv) starke Elektromotor hervor – gespeist von einer 1,49 kWh-Batterie – und seine 264 Nm, die praktisch ab dem Anfahren bereitstehen. Zusammen mit dem (gelassen wirkenden) 1.6 T-GDI-Benziner mit 180 cv sorgt das für eine stets spontane Reaktion auf das Gaspedal.
Was man vom HEV verlangt, passiert zudem mit bemerkenswert hohem Komfortniveau: keine spürbaren Zögerer, kaum Vibrationen, und eine Sanftheit, die man eher mit … Elektroautos verbindet. Entscheidend dafür ist das harmonische Zusammenspiel aus Verbrenner, E-Motor und Getriebe.
Dieses Gefühl lässt sich im 2.2 CRDi so nicht nachbilden. Wechselt man direkt aus dem HEV in den 2.2 CRDi und startet ihn, gibt es zunächst einen spürbaren „Aha“-Moment – wo ist die Laufruhe geblieben?
Es ist mehr Geräusch präsent (für einen Diesel nicht unbedingt die angenehmste Tonlage), dazu mehr Vibrationen (insgesamt aber gut gedämpft). Am deutlichsten wird der Unterschied beim Anfahren und bei niedrigen Geschwindigkeiten. Wo der Hybrid leise und geschmeidig wirkt, scheint der Diesel mehr „Trägheit“ zu überwinden: Es stellt sich ein leichtes Schleppgefühl im Antriebsstrang ein, als würde die Verbindung zwischen Motor und Getriebe einen Moment länger brauchen, bis sie wirklich sauber sitzt.
Sobald man jedoch aus dem urbanen Stop-and-go herauskommt, zeigt der 2.2 CRDi seine feinere Seite. Während der Fahrt tritt die dem Hyundai Santa Fe eigene, hohe Kultiviertheit wieder klar hervor – selbst als Diesel. Die Automatik wechselt die Gänge nahezu unmerklich, und das Motorgeräusch wird zu einem dezenten Hintergrundton. Je länger man unterwegs ist, desto offensichtlicher wirkt, wie gut Motor und Getriebe zusammenpassen.
Auch auf der Autobahn, bei höherem Reisetempo, bleibt das Niveau hoch: Abroll-, Antriebs- und Windgeräusche sind gut im Griff. Lange Familienetappen versprechen damit im Hyundai Santa Fe – unabhängig vom gewählten Antrieb – viel Ruhe an Bord.
Unterschiedliche Persönlichkeiten
Man könnte die Unterschiede auf die Motorisierung reduzieren, doch es steckt mehr dahinter. Die Abweichungen sind nicht nur technischer Natur, sondern zeigen sich ebenso in Fahrgefühl und Verhalten.
Während der Abrollkomfort beide Hyundai Santa Fe verbindet, überzeugt der 2.2 CRDi stärker, sobald man das Fahrwerk gezielter fordert. Er wirkt präziser und kontrollierter: Die Federung begrenzt die Aufbaubewegungen besser, und die Lenkung fühlt sich im Gewicht und Widerstand stimmiger an. Das gibt am Kurveneingang mehr Vertrauen – passend zu dem Eindruck, den wir bereits vom Santa Fe vor dem Facelift hatten.
Der Santa Fe HEV reagiert sensibler auf Asphaltunebenheiten, die Bedienelemente wirken leichter (in der Stadt oft ein Vorteil), und auch das Bremspedalgefühl ist nicht ganz so gelungen – ein bekanntes Thema bei vielen Hybriden, die zwischen Rekuperation und hydraulischer Bremse „umschalten“ müssen. Trotz der insgesamt leichteren Bedienkräfte im HEV wirkt ausgerechnet der 2.2 CRDi in Bewegung wie das „leichtere“ Auto (beide trennen nur 10 kg) und zudem stärker mit dem Fahrer verbunden.
Wer mit weniger Feinschliff beim Antrieb leben kann, findet im 2.2 CRDi den Santa Fe, der eher zu Menschen passt, die gern aktiv fahren – zu derselben Einschätzung kamen wir übrigens auch beim neuen, kleineren Hyundai Tucson.
Unterm Strich bleibt der Hyundai-SUV im Familienformat in beiden Varianten sehr gutmütig: bei hohem Tempo stabil sowie auf kurvigeren Strecken sicher und berechenbar. Gemeinsam ist beiden auch, dass sie eine ruppig-aggressive Gangart weniger mögen – nicht zuletzt wegen der Getriebe, denen dann ihre „vorausschauende“ Wirkung und die geschmeidige Umsetzung etwas abhandenkommt. Sie laden eher zu einer flüssigen Fahrweise ein, unabhängig vom gewählten Fahrmodus, selbst wenn das Tempo steigt.
Welcher Santa Fe passt zu mir?
Wenn Preis (bei beiden etwas mehr als 60.000 Euro) und Performance kaum auseinanderliegen, setzt der HEV vor allem beim Komfort – insbesondere im Stadtverkehr – Akzente, während der 2.2 CRDi mit einem entschlosseneren Fahrerlebnis antwortet. Der HEV hat jedoch noch ein Ass: den Verbrauch.
Traditionell ist das die Domäne des Diesels, und tatsächlich liefert auch der 2.2 CRDi auf freier Strecke sehr überzeugende Werte: von 5,0 l/100 km auf der Landstraße bis 7,0–7,5 l/100 km auf der Autobahn.
Im Stadtverkehr lässt der Hybrid dem Diesel dagegen kaum Chancen – dank E-Motor. Hier liegen die Verbräuche um 7,5 l, während der Diesel eher Richtung 9,0 l tendiert. Und weil sich der Santa Fe HEV auch außerorts nicht als besonders „durstig“ zeigte (im Schnitt 6,2 l/100 km), ist er eine glaubwürdige Alternative zum gewohnten Diesel – wobei es angesichts der Kraftstoffpreise nie schadet, den Taschenrechner griffbereit zu haben.
Unabhängig vom gewählten Antrieb präsentiert sich dieser Familien-SUV von Hyundai als eines der fähigsten Angebote im Segment: viel Platz im Innenraum – selbst die dritte Reihe ist besser nutzbar als bei den meisten Rivalen – sowie ein hohes Niveau bei Komfort und Alltagstauglichkeit.
Dazu kommen eine überzeugende Qualität bei Materialwahl und Verarbeitung und – in den getesteten Topversionen – eine sehr umfangreiche Serienausstattung (nur der Metallic-Lack war aufpreispflichtig).
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