Der Skoda Enyaq iV ist das erste Elektroauto der tschechischen Marke, das auf der MEB-Plattform des Volkswagen-Konzerns steht – derselben Basis, die zum Beispiel auch Volkswagen ID.4 und Audi Q4 e-tron nutzen – und wir sind ihn bereits gefahren.
Nach Angaben von Skoda ist der Enyaq iV der „größte Schritt in der bisherigen Elektromobilitätsstrategie“ der Marke. Trotzdem bricht dieses E-SUV nicht mit den Linien, die das Markenbild der Tschechen prägen.
Mit 4,65 m Länge, 1,87 m Breite und 1,62 m Höhe positioniert sich der Enyaq iV zwischen Skoda Karoq und Kodiaq – allerdings deutlich näher am Kodiaq. Das zahlt sich spürbar bei der Innenraumgröße aus.
Wie man es von einer Marke aus dem Volkswagen-Konzern kennt, sammelt der Enyaq iV vor allem mit großzügigen Platzverhältnissen Punkte: vorne, in der zweiten Reihe und im Kofferraum. Letzterer bietet 585 Liter Ladevolumen – ein Richtwert in diesem Segment.
Zwei Erwachsene durchschnittlicher Größe finden hinten problemlos Platz. Insgesamt bringt das Elektro-SUV ausgeprägte Familienqualitäten mit und erreicht Raumwerte, die an den Kodiaq heranreichen – obwohl es sogar ein Stück kürzer ist als ein Octavia.
Kraftvoller Auftritt
Die Formensprache des Skoda Enyaq iV „kappt“ die Verbindung zur übrigen Modellpalette keineswegs radikal. Das ist eine gute Nachricht für alle, die kein Elektroauto möchten, das seine Antriebsart besonders demonstrativ zur Schau stellt.
Ohne „auffallen zu müssen“ – wie man es bei anderen Stromern sieht… – wirkt der Enyaq iV selbstbewusst und dynamisch. Dazu passen die ausgewogenen Proportionen und die klar modellierten, skulpturalen Linien.
Ganz ohne frische Akzente kommt er dennoch nicht aus: Optional gibt es eine beleuchtete „Frontmaske“ mit 130 LED, die Crystal Face heißt. Diese Skoda-Neuheit leuchtet beim Aktivieren der Frontscheinwerfer auf und strahlt gemeinsam mit dem Abblendlicht.
Beim Thema Lichttechnik ist außerdem wichtig: LED-Scheinwerfer sind beim Enyaq iV immer an Bord. LED-Matrix vorne sowie full-LED-Rückleuchten mit kristallinen Designelementen und dynamischen Blinkern bleiben allerdings den besser ausgestatteten Versionen vorbehalten.
Geräumiges und nachhaltiges Interieur im Skoda Enyaq iV
Weil kein klassischer Antriebsstrang untergebracht werden muss, entsteht im Enyaq iV innen spürbar mehr Freiraum. Das merkt man vor allem in Reihe zwei – einen Mitteltunnel gibt es naturgemäß nicht – und an den zahlreichen Ablagen.
Dazu zählen 6,2 l unter der Mittelarmlehne, 11,4 l Stauraum unter der Mittelkonsole sowie zwei Fächer in den vorderen Türen mit jeweils zusammen 4,7 Litern.
Platz und Variabilität sind bei Skoda keine Überraschung – die neue Strukturierung des Angebots hingegen schon. Statt klassischer Ausstattungslinien setzt der Enyaq iV auf „Design Selections“, die das Ambiente an Bord (Farben, Muster und Materialien) verändern. Insgesamt stehen 10 Themen zur Wahl, inspiriert von der Atmosphäre eines modernen Wohnzimmers.
Leder, gegerbt mit Olivenblatt-Extrakt
Am oberen Ende der Palette steht die ecoSuite-Designausführung: Sie gilt als besonders elegant und hochwertig und kombiniert Sitze in exklusivem eco Olive-Leder in Cognacbraun mit beigefarbenen Details. Beim Gerbprozess kommt statt Chemikalien ein Extrakt aus Olivenblättern zum Einsatz, um die Herstellung umweltfreundlicher zu gestalten.
Bei diesem ersten Kontakt mit dem Elektro-SUV von Skoda fuhren wir allerdings ein Testfahrzeug mit der Ausstattung Loft. Dort gibt es eine Polsterung aus Stoff/Kunstleder in Grau und Schwarz.
Das wirkt zwar nicht am luxuriösesten innerhalb der Baureihe, vermittelt aber eine moderne, gemütliche Anmutung – und dürfte für Familien mit Kindern sinnvoll sein, weil es sich durch Robustheit und einfache Reinigung auszeichnet.
Technologie als Hauptdarsteller
Wenn „elektrifizieren“ in letzter Zeit so etwas wie das Leitwort im Volkswagen-Konzern war, dann liegt „digitalisieren“ nur knapp dahinter.
Entsprechend setzt der Enyaq iV auf einen großen 13″-Touchscreen, der nahezu vollständig ohne physische Tasten auskommt und Infotainment, Navigation und Klimatisierung bündelt.
Ergänzt wird das durch ein kleines, digitales 5,3″-Kombiinstrument und ein neuartiges Head-up-Display, das optional mit Augmented Reality arbeitet – die Informationen werden dabei direkt auf die Straße projiziert.
Außerdem bringt das erste Elektro-SUV von Skoda zahlreiche Fahrerassistenzsysteme mit, die zusammen teilautomatisiertes Fahren auf Level 2 ermöglichen.
Heraus sticht der vorausschauende adaptive Tempomat: Dank Verkehrszeichenerkennung und detaillierter Routeninformationen kann er die Fahrsituation für die nächsten 1 bis 2 km antizipieren und die Geschwindigkeit etwa vor einer Kurve oder einem Kreisverkehr bereits vorab anpassen.
Drei Batterien
Nachdem Außen- und Innenraum geklärt sind, geht es um den Antrieb. Den Skoda Enyaq iV gibt es mit drei Batteriegrößen (55 kWh, 62 kWh und 82 kWh) sowie drei Leistungsstufen (148 PS, 180 PS und 204 PS).
Den Einstieg markiert die Version 50: 55 kWh Batterie, 148 PS und 220 Nm maximales Drehmoment. Die Kraft geht ausschließlich an die Hinterräder, 0–100 km/h dauern 11,3s. Die Reichweite liegt nach WLTP bei 355 km.
Darüber rangiert die Version 60 mit 62 kWh, 180 PS und 310 Nm. Auch hier bleibt es beim Hinterradantrieb, die Beschleunigung 0–100 km/h sinkt jedoch auf 8,7s – nur 0,2s mehr als beim 80, der mit 82 kWh, 204 PS und ebenfalls 310 Nm antritt. Die WLTP-Reichweite wird mit 413 km für den 60 iV und mit 537 km für den 80 iV angegeben.
Stärkere Versionen kommen später
Später folgen die zwei leistungsstärksten Varianten der Reihe: 80x und RS. Beide nutzen die größte Batterie mit 82 kWh. Der 80x liefert 265 PS und 425 Nm und sprintet in 6,9s von 0 auf 100 km/h. Der RS als Topmodell kommt auf 306 PS und 460 Nm und erledigt den Standardsprint in 6,2s.
Beiden gemeinsam sind die geschätzte Reichweite von 460 km und der Allradantrieb (ein zweiter Elektromotor sitzt an der Vorderachse).
Abgesehen vom RS, der 180 km/h erreicht, sind alle Skoda Enyaq iV-Versionen elektronisch bei 160 km/h abgeregelt. Vor dem RS wird außerdem noch der Enyaq iV als Coupé-Variante erscheinen – mit sportlicherer Silhouette, ähnlich wie der künftige „Cousin“ ID.5 von Volkswagen.
Am Steuer der Version 60
Bei dieser kurzen Testfahrt auf portugiesischen Straßen konnten wir den Skoda Enyaq iV als 60-Version bewegen – zumindest in dieser frühen Phase des Marktstarts die mittlere Ausführung.
Als wir Monsanto – den Ausgangspunkt der Veranstaltung – verließen, fiel zuerst die typische SUV-Sitzposition auf: angenehm hoch. Doch schon in den ersten Kurven auf dem Weg Richtung Guincho wurde klar, dass es sich nicht um einen weiteren Stromer mit „anonymem“ Fahrverhalten handelt, der sich wie jeder andere anfühlt.
Die 180 PS und die spontan anliegenden 310 Nm, die ausschließlich an die Hinterachse gehen, sorgen für spürbaren Elan. Zusammen mit dem gelungenen Fahrwerk, einer relativ direkten und sehr ausgewogen abgestimmten Lenkung sowie dem niedrigen Schwerpunkt (durch die Platzierung der Batterien) ergibt sich ein überraschend agiles Gesamtpaket.
Das Fahrwerk traf durchgehend einen sehr guten Mittelweg zwischen Komfort und Dynamik. Selbst auf schlechterem Asphalt in der Serra de Sintra wirkte der Enyaq iV stets kultiviert. Dazu passten die gut gepolsterten Sitze und eine überzeugende Geräuschdämmung.
Nicht jedes Elektroauto fährt langweilig
Als wir die Dynamik dieses SUV im Sport-Modus ausloteten und die Rekuperationsstufen (es gibt drei) bewusst nicht in den Vordergrund stellten, lagen die Verbräuche bei rund 23 kWh/100 km. Das ist ein interessanter Wert, wenn man berücksichtigt, dass dieses Modell fast zwei Tonnen wiegt (1965 kg) und sich nach Kurven bereits mit hohem Tempo herausbeschleunigen lässt – inklusive eines Heckdrifts, der ein Grinsen ins Gesicht zaubert.
Natürlich ist der Enyaq iV nicht dafür konzipiert und im Alltag vor allem als Familienauto besonders stark. Trotzdem hilft er, mit dem Vorurteil aufzuräumen, Elektroautos seien grundsätzlich langweilig zu fahren. Nicht alle – nicht alle…
Leise und zurückhaltend
So angenehm die Ruhe im Enyaq iV auf Landstraße oder Autobahn ist, umso mehr fällt sie in der Stadt im Stop-and-go-Verkehr ins Gewicht.
In Kombination damit, dass keinerlei Vibrationen in den Innenraum dringen und das gesamte elektrische Antriebssystem sehr sanft arbeitet, wirkt der Enyaq iV wie eine abgeschirmte „Kapsel“.
Und auch bei ruhiger Fahrweise überzeugt er mit niedrigen Verbräuchen: In der Stadt, im Wechsel zwischen Eco-Modus und dem B-Modus des Wahlhebels (höchste Rekuperation), kamen wir auf durchschnittlich rund 16 kWh/100 km.
Reale Reichweite überzeugt
Der getestete 60 war mit der 62-kWh-Batterie ausgestattet, die 390 km Reichweite ermöglicht. Nimmt man 16 kWh/100 km als Referenz, zeigt ein kurzer Rechencheck, dass die reale Reichweite sehr nahe am genannten Wert liegt.
Wenn wir schon bei Reichweite sind, geht es auch ums Laden: Der Enyaq iV 60 lädt mit bis zu 11 kW an AC (Wechselstrom) und mit 50 kW an DC (Gleichstrom). Optional sind 100 kW möglich.
Nur die Versionen mit 82 kW Batterie können (optional) mit maximal 125 kW laden. Dann lässt sich der Akku von 10% auf 80% in nur 38 Minuten bringen. An einer 11-kW-Wallbox dauert eine Vollladung 6h45min.
Preise
Im portugiesischen Markt ist der Skoda Enyaq iV bereits erhältlich. Die Preise starten bei 35 812 Euro für die Basisversion 50 und bei 39 838 Euro für die Variante 60. Der 80, in dieser Einführungsphase die stärkste Ausführung, beginnt bei 46 440 Euro.
Allen Versionen gemeinsam ist, dass der Skoda Enyaq iV bei den Mautgebühren immer in Klasse 1 eingestuft wird – auch ohne Via Verde.
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