Zum Inhalt springen

Porsche und Audi: Kooperation im Volkswagen-Konzern wird zur Pflicht

Silberner Porsche Taycan mit schwarzem Spoiler im Showroom neben Ladestation und Felge.

Porsche und Audi könnten kaum noch daran vorbeikommen, enger zusammenzurücken. Ausgerechnet die beiden Marken, die lange Zeit am stärksten zu den Gewinnen im Volkswagen-Konzern beitrugen, stehen gleichzeitig vor mehreren Belastungsfaktoren, die ihre Finanzzahlen spürbar drücken: rückläufige Verkäufe in China, US-Zölle sowie eine Elektrifizierungsstrategie, die bislang nicht die erhofften Erträge liefert.

Wie Automotive News berichtet, sollen sich Michael Leiters, Vorstandsvorsitzender von Porsche, und Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender von Audi, bereits zu Jahresbeginn getroffen haben. Ziel des Austauschs sei eine mögliche Annäherung gewesen, um das gemeinsame Potenzial beider Hersteller konsequenter auszuschöpfen.

„Audi ist für uns ein zentraler Partner. Wir wollen das gemeinsame Potenzial noch stärker ausschöpfen“, erklärte Michael Leiters, Vorstandsvorsitzender von Porsche.

Gemeinsame Technikbasis von Porsche und Audi

Ganz am Anfang stehen beide Unternehmen dabei nicht: Porsche und Audi haben schon in mehreren Programmen kooperiert – etwa durch die gemeinsame Nutzung der MLB-Plattform für Q5/Macan und Q7/Cayenne oder durch die Übernahme der J1-Plattform des Porsche Taycan für den Audi e-tron GT.

Zuletzt entstand die Premium Platform Electric (PPE) als Gemeinschaftsentwicklung. Sie bildet die technische Grundlage für den elektrischen Porsche Macan sowie für Audi Q6 e-tron und A6 e-tron. Oliver Blume, damals CEO von Porsche, hatte in diesem Zusammenhang in Aussicht gestellt, dass die gemeinsame PPE-Entwicklung die Kosten um bis zu 30% senken würde.

Ein Jahr zum Vergessen

2025 dürfte für beide Marken als ausgesprochen schwieriges Jahr in Erinnerung bleiben – allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Am stärksten fallen die Sorgen bei Porsche aus: Der Gewinn brach um 92,7% ein. Als Auslöser gelten der Absatzrückgang in China (-26%), die Belastung durch US-Zölle und nicht zuletzt die Elektrifizierungsoffensive, die die erwarteten Resultate verfehlt hat.

Als Reaktion darauf hat Michael Leiters, der seine Position am 1. Januar antrat, die Strategie 2035 formuliert. Sie markiert einen Kurswechsel: Exklusivität soll künftig wichtiger sein als Volumen, verbunden mit dem Anspruch auf stabilere Cashflows und Margen, die dem historischen Ruf der Marke entsprechen.

Bei Audi stellt sich die Lage anders dar, bleibt aber ebenfalls kritisch. Zwar legten die Erlöse um 1,5% auf 65,5 Milliarden Euro zu, doch die Profitabilität litt unter den weltweiten Handelsspannungen: Das operative Ergebnis sank um 13,6%, vor allem als Folge der US-Zölle.

Strategische Kooperation: Option oder Pflicht?

Eine mit dem Vorgang vertraute Person brachte die interne Stimmungslage so auf den Punkt: „Sie haben keine Wahl, die Kosten müssen deutlich gesenkt werden.“

Aus Sicht des Volkswagen-Konzerns ist eine vertiefte Zusammenarbeit der beiden Marken damit weniger eine freiwillige strategische Entscheidung als vielmehr eine Frage der finanziellen Überlebensfähigkeit. Die Kombination aus nachlassender Dynamik in China, internationalen Handelsbarrieren und teils abrupten Veränderungen im Konsumentenverhalten erhöht den Druck so stark, dass Kooperation nahezu alternativlos wirkt.

Nächste Projekte: Verbrenner-Plattformen und neue E-Modelle

Bei Porsche zeigt sich die Entwicklung bereits daran, dass frühere Elektro-Pläne zurückgenommen und Verbrenner-Modelle wieder stärker in den Fokus gerückt werden – mit deutlicher Abstützung auf Audi-Architekturen. Der Nachfolger des Porsche Macan mit Verbrennungsmotor – der voraussichtlich einen anderen Namen tragen wird – soll einen großen Teil der Hardware mit dem Audi Q5 teilen, ähnlich wie schon beim ersten Macan.

Auch das Projekt K1, ursprünglich als elektrisches SUV mit drei Sitzreihen oberhalb des Cayenne geplant, wird neu zugeschnitten: Vorgesehen ist nun ein SUV mit Verbrennungsmotor (weiterhin mit drei Sitzreihen), abgeleitet vom neuen Audi Q9 (der noch in diesem Jahr vorgestellt werden soll).

Auf Audi-Seite reicht die Zusammenarbeit zudem in den Bereich der Elektrofahrzeuge hinein. Konkret wird dies beim für 2027 vorgesehenen Concept C, das sich die Plattform mit den neuen elektrischen 718 Boxster und Cayman von Porsche teilen wird.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen