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Restomod Porsche 914 von Fifteen Eleven Design: komplett neu gedacht

Weißer Sportwagen mit Fahrer auf einer kurvigen Landstraße mit grünen Hügeln im Hintergrund.

Wer heute „Restomod-Porsche“ sagt, löst fast schon reflexartig ein Zucken aus: wieder ein 911, der als geschärft, neu interpretiert und massgeschneidert angepriesen wird. Da werden Geld und Ideen – gelegentlich ziemlich willkürlich – auf eine ohnehin überdurchschnittliche Basis geworfen, in der Hoffnung, sie auf ein neues Niveau zu heben. Und am Ende stehen fast immer Summen im Raum, bei denen die meisten von uns mindestens ein paar Mal obdachlos wären. Mindestens.

Warum Fifteen Eleven Design ausgerechnet den Porsche 914 anfasst

Und trotzdem: Bei all den unzähligen Firmen, die am 911 herumarbeiten, ist Fifteen Eleven Design bei TG aufgefallen – schlicht, weil man den Fokus auf den 914 gelegt hat. Allein diese Entscheidung ist bemerkenswert: Der 914 war Ende der 1960er- und in den 1970er-Jahren das mittelmotorige Targa-Budget-Projekt aus der Kooperation von VW und Porsche. Ein Auto, das schon lange nicht mehr ganz oben auf der Wunschliste stand. Genau deshalb wurde es spannend – auch wegen der Geschichte des Unternehmens dahinter, aber dazu gleich mehr.

Technik: 914-Karosse, komplett neu aufgebaut – mit Cayman S als Spender

Zuerst dieser eigenwillig aussehende kleine 914. Das hier ist weniger ein klassischer Restomod als ein Neuaufbau mit sehr wenigen Originalteilen. Vom Spenderfahrzeug bleiben im Kern A- und B-Säulen, Böden und Schottwände. Dazu kommt ein verstärkender Mitteltunnel, der nun all das aufnimmt, was sonst nirgends Platz fand.

Der Hauptgrund dafür: Das Innenleben stammt jetzt komplett aus einem neuen Cayman S. Also ein 3.8-litre Boxersechszylinder, ein 6spd-Schaltgetriebe und die passenden Kabelbäume, damit das Ganze überhaupt funktioniert.

Fotografie: Rich Pearce

Die Türen bestehen aus Stahl, der Rest ist – wie es sich gehört – aus Carbon gefertigt. Alles wurde dezent und stellenweise auch sehr deutlich modernisiert, aber mit spürbarer Rücksicht auf die Vorlage. Die Radhäuser sind breiter und stärker ausgestellt, und auf den vorderen Kotflügeln sitzt nun eine neue „Turm“-Form, in der LED-Scheinwerfer stecken – statt der Klappscheinwerfer des originalen 914.

Schade eigentlich (Klappscheinwerfer sind grossartig), doch die neuen Leuchten wirken stimmig. Und die Kotflügelverbreiterungen sehen deutlich eleganter aus als bei manchen schnellen, periodengerechten Porsche 914/6-Rennversionen, deren Aufsätze oft wirken, als wären sie mit Kaugummi angeklebt.

Vorn gibt es eine modernere Stossstange und eine Öffnung in der Haube für zusätzliche Kühlung. Hinten wurde ebenfalls aufgeräumt und zeitgemäss geglättet. Zusätzliche Scheinwerfer zitieren jene des 1978 935 „Moby Dick“. Im Vergleich zu heutigen Autos bleibt das Ganze winzig – und genau das macht ihn sofort attraktiv.

Innen überzeugt eine sauber gearbeitete, aber bewusst karge Kabine. Dazu passt ein Holz-Schaltknauf im Stil der Porsche-917-Rennwagen – ein Detail, das Fahrer anspricht, die keine Lust haben, im kränklich leuchtenden Schein riesiger Touchscreen-Displays zu baden. Ein Radio gibt es trotzdem – komplett asketisch ist es also nicht. Und das alles bei einer Leistung von ungefähr 375bhp.

Fahrgefühl und Fahrwerk: leicht, direkt, ein bisschen wild

Unter dem Auto geht es deutlich kompromissloser zu, als die kompakte Silhouette vermuten lässt: Federn und Dämpfer in Motorsport-Spezifikation, grosse Bremsen, moderne Räder im Fuchs-Stil und zeitgemässe Reifen. Das steife Chassis gibt dem Fahrwerk die nötige Grundlage, um wirklich zu arbeiten.

Auf der Strasse spürt man das sofort. Der 914 läuft, als würde er singen – ähnlich wie ein später Lotus Elise: pfeilschnell, mit feinfühliger Lenkung, und mit einem Leergewicht von 975kg (plus Kraftstoff) als tanzendem Schatten jeder Bewegung. Schnell und laut ist er, aufmerksam und hier und da leicht schlüpfrig – vor allem aber: unfassbar unterhaltsam.

Gerade die besten Restomods treffen offenbar diese seltene, glückliche Balance aus Stil und echtem Fahrinteresse, ohne die typische Klassiker-Sorge, dass über Nacht Öl in die Einfahrt erbrochen wird. Und selbst wenn die Ironie schwer wiegt, dass Porsches einst günstigstes Auto ein halbes Jahrhundert später als £350k+ Neuinterpretation wieder auftaucht: An der Ausführung zu zweifeln fällt schwer.

[Inline-Galerie: thematisch, Delta 0]

Herkunft und Know-how: Mellors Elliot Motorsport aus Bakewell

Damit sind wir bei genau dieser Ausführung – denn Fifteen Eleven Design ist nicht plötzlich aus dem Nichts entstanden. Tatsächlich handelt es sich um einen Restomod-Ableger von Mellors Elliot Motorsport aus Bakewell. Ein ruhiger, touristischer Marktflecken im Peak District – der im Kern ein ziemlich schmackhaftes Motorsport-Geheimnis verbirgt.

Und Mellors Elliot ist auch der Grund, warum sich der 914 so „fertig“ und stimmig anfühlt: In seinem Aufbau stecken 40 years Erfahrung in Rallye-Vorbereitung und -Aufbau. Deshalb wirkt der 914 wie eine vertraute Porsche-Kontur, die mit ungewohnten Farben ausgemalt wurde – weil Mellors Elliot und Fifteen Eleven eben wissen, wie man ein Auto im Grunde von Grund auf neu zusammensetzt.

Geführt wird das Ganze von Vater Chris Mellors und seinen beiden Söhnen Ben und Ollie, unterstützt von einem Team aus Könnern. Ein echtes Familienunternehmen alter Schule. Gestartet ist es in den 1980s, als Chris selbst im Rallyesport unterwegs war (BTRDA Champ, National Rally Champion for Ford Motorsport in 1994, 1995 and 1996) – mitten in den grossen Rallye-Jahren.

Auf MEM-Fahrzeugen stehen Production World Rally Championships, Asia Pacific Championships, WRC2 und USA Pro Rally in der Vita. Heute kümmern sie sich ausserdem um die Einsatzvorbereitung von Protons Iriz R5 „plug ’n’ play“-Rallyeauto.

Projekte während der Pandemie: vom Concours bis zum Formel-1-Revival

Doch damit nicht genug: In der Pandemie waren Fähigkeiten zu bewahren und Zeit war vorhanden – also startete die Werkstatt mit zusätzlichen Projekten. Concours-Restaurierungen, dezente Optimierungen und Restomods von Klassikern: von Morris Travellers bis zu Maserati 3500 GTs aus den early 1960s. Aston-DB-Modelle, bei denen am Ende sogar alle Schraubenköpfe exakt in die gleiche Richtung zeigen.

Sogar eine komplette Wiederinbetriebnahme eines 1980 Williams FW07/04 F1, gefahren vom Australier Alan Jones, gehörte dazu.

Ben Mellors’ Escort: ein Speedster ohne Dach und mit 320bhp

Ben – Absolvent der Coventry Automotive and Transport Design school – setzte dann noch einen eigenen Schwerpunkt: einen 1972 Ford Escort MkI, der hinten in der Werkstatt schon länger herumstand. Wie bei den besten Ideen lief das Projekt schnell aus dem Ruder.

18 Minuten 2 Sekunden

Das Dach kam runter, das Chassis wurde verstärkt und gekürzt, und die hintere Atlas-Achse sowie die Kotflügel wanderten, weil Ben die Proportionen aus Designer-Sicht nicht in Ruhe liessen. Die vorderen Sitze stehen jetzt dort, wo eigentlich die Rückbank wäre. Vorn arbeitet ein 320bhp 24-valve V6, kombiniert mit einem five-speed Getrag-Handschaltgetriebe.

Es ist ein Speedster – ein Dach gibt es nicht –, aber das Tonneau-Cover besteht aus Tweed, der in Polymer eingeschlossen ist: sozusagen edles, schottisches Carbon. Innen polarisiert es ähnlich: Überrollbügel, blankes Metall und Sattelleder bestimmen die Atmosphäre.

Ganz ehrlich? Es ist seltsam. Aber auf eine Art seltsam, die einen diskutieren lässt, ob man es liebt oder nicht – als perfektes Gesprächsthema. Oder als Schaufenster dafür, dass diese Firma gern Projekte umsetzt, die ein bisschen neben der Norm liegen.

Als Nächstes: Mitsubishi Evo VI mit Tommi Mäkinen – Strassenauto in kleiner Serie

Als nächstes steht eine strassenzugelassene Mitsubishi Evo VI-Serie an, gemeinsam mit Tommi Mäkinen aufgebaut. Insgesamt in kleiner Stückzahl, im Prinzip WRC-Niveau, aber für die Strasse. Das liegt etwas näher an MEMs Heimatdisziplin als der 914 – bleibt aber eine köstliche Idee.

Für Menschen eines gewissen Jahrgangs trifft so ein Auto Nostalgie genau ins Zentrum und eröffnet ein mögliches Duell restomodder Rallye-Ikonen für die Strasse – mit dem Prodrive P25 als naheliegendem Gegner. Die aufgerufenen Preise werden allerdings schmerzhaft hoch ausfallen.

All das erklärt, warum dieser kleine Porsche 914 so gierig wirkt. Hier hat nicht einfach ein Designstudio Geld auf ein Technikpaket geworfen, sondern ein Ingenieurs- und Motorsportbetrieb hat seinem kreativen Alter Ego Spielraum gegeben. Man bezahlt für über 40 years Erfahrung – nicht nur für hübsch gestepptes Leder. Wobei: Das bekommt man auf Wunsch ebenfalls.

Und das Beste daran? Die Leute bei Fifteen Eleven Design – und damit indirekt auch bei Mellors Elliot – sind herzlich, witzig und einladend. Bei ihnen ein Auto zu kaufen, fühlt sich an, als würde man von einer leicht verrückten Rallye-Familie adoptiert. Und das ist am Ende mehr wert als Geld allein.

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