Bei Stellantis dürfte der Wettbewerb um günstige Elektroautos an Fahrt gewinnen. Der Citroën ë-C3 macht lediglich den Anfang: Er startet bei 23.300 Euro, 2025 soll eine Version für 20.000 Euro folgen. Doch er wird nicht allein bleiben.
Auf seiner Plattform sollen sieben günstige Elektromodelle entstehen, die neben Citroën auch weiteren Stellantis-Marken zugutekommen.
Der weltweit tätige Konzern kommt damit nicht nur Renault und Volkswagen zuvor. Beide entwickeln eine neue Generation von Elektroautos für rund 25.000 Euro, deren Markteinführung 2024 beginnt. Zugleich positioniert sich Stellantis besser gegenüber der erwarteten „chinesischen Invasion“ günstiger Elektroautos.
Eine „neue“ Plattform für den Citroën ë-C3
Gegenüber den anderen elektrischen Kleinwagen von Stellantis fällt der Preisunterschied des ë-C3 erheblich aus: Er beträgt rund 7.000 Euro. Erklären lässt sich das unter anderem durch die eingesetzten Lösungen, allen voran die Plattform des Modells, die Smart Car Platform.
Die „neue“ Plattform weicht von dem 2021 vorgestellten Plan ab, wonach alle künftigen Stellantis-Modelle auf vier Plattformen basieren sollten: STLA Small, STLA Medium, STLA Large und STLA Frame.
Die Smart Car Platform wird damit zur fünften Plattform. Hinter dem neuen Namen verbirgt sich eine „alte Bekannte“: die Compact Modular Platform (CMP), eine für verschiedene Antriebsarten ausgelegte Plattform aus der PSA-Zeit, die unter anderem im Peugeot 208 und Opel Mokka steckt.
Zuletzt wurde sie in zwei Richtungen weiterentwickelt: zur CMP2 für Jeep Avenger und Fiat 600 sowie zur Smart Car Platform. Letztere ist eine günstigere Variante der CMP, die mit Unterstützung von Tata Consulting Services für den indischen und den südamerikanischen Markt optimiert wurde. Auf ihr basieren bereits der neue Citroën C3 und der C3 Aircross für diese Märkte.
Mit dem neuen ë-C3 und dem künftigen C3 Aircross kommt sie nun nach Europa. Anders als ihre indischen und südamerikanischen Namensvetter werden diese Modelle auf dem europäischen Kontinent gebaut, und zwar in Trnava in der Slowakei. Da die Smart Car Platform in den kommenden Jahren für weitere Modelle eingesetzt werden soll, könnte die Produktion auch auf andere europäische Werke und auf Marokko in Afrika ausgeweitet werden.
Mission: Kosten senken
Um die angestrebten Einsparungen zu erreichen, sitzen 90 % der Zulieferer für diese Plattform in Ländern mit niedrigeren Kosten.
Bei den neuen Modellen wird außerdem die Auswahl an Optionen kleiner ausfallen. Für das Kostenziel entscheidend ist zudem die LFP-Batterie des chinesischen Herstellers SVolt.
LFP-Batterien auf Lithium-Eisenphosphat-Basis verschaffen chinesischen Elektroautos einen ihrer Wettbewerbsvorteile: Sie sind 20 % bis 30 % günstiger als die NMC-Batterien aus Nickel, Mangan und Kobalt, die Stellantis und sämtliche europäischen Elektroautos verwenden. NMC-Batterien bieten zwar eine höhere Energiedichte in Wh/kg, ihre Rohstoffe sind jedoch teurer.
Elektrischer Fiat Panda ist unterwegs
Bei den sieben Modellen auf Basis der Smart Car Platform liegt der Schwerpunkt auf Elektroantrieben; Verbrennungsmotoren sind aber ebenfalls möglich. Zu ihren größten Argumenten dürfte jeweils ein günstiger Preis innerhalb der eigenen Klasse zählen.
Den Anfang macht der indirekte Nachfolger des Fiat Panda, der den Namen voraussichtlich behalten wird. Indirekt ist die Nachfolge deshalb, weil der neue Panda anders als das heutige Stadtauto der Kleinstwagenklasse A ähnliche Abmessungen wie der ë-C3 erhält: rund 4,0 m Länge und 1,8 m Breite. Damit steigt er in die Kleinwagenklasse B auf.
Als wichtigste gestalterische Vorlage dürfte die Studie Centoventi von 2019 dienen. Hinzu kommen soll der praktische und minimalistische Geist des ersten Panda, der 1980 auf den Markt kam.
Es liegt nahe, dass die technischen Daten denen des ë-C3 entsprechen: 83 kW (113 PS) und eine LFP-Batterie mit 44 kWh. Im französischen Modell ermöglicht diese eine Reichweite von 320 km.
Kann der neue Fiat Panda an die Erschwinglichkeit des Originals anknüpfen und sogar günstiger sein als der ë-C3? Die Antwort dürfte am 11. Juli 2024 folgen. An diesem Tag wird das Modell vorgestellt, zeitgleich mit dem 125. Geburtstag von Fiat.
Welche weiteren günstigen Elektroautos von Stellantis sind zu erwarten?
Neben den Citroën-Modellen und dem Fiat Panda steht bislang nur fest, dass auch Opel die Smart Car Platform nutzen wird. Wie schon heute wird der Nachfolger des Crossland eng mit dem künftigen C3 Aircross verwandt sein. Ob der Name Crossland erhalten bleibt, ist allerdings offen. Wird er Frontera heißen?
Angesichts der Nähe zum künftigen C3 Aircross dürfte der Crossland-Nachfolger größer werden und mehr Plätze bieten. Für den kommenden C3 Aircross von 2024 wurden bereits maximal sieben Sitzplätze angekündigt.
Gerüchten zufolge arbeitet Opel außerdem an einem Elektroauto für 25.000 Euro, das unterhalb des Corsa positioniert werden soll. Dessen aktualisierte und stärkere Elektroversion sind wir bereits gefahren. Auf welcher Plattform das günstigere Modell stehen wird, ist derzeit jedoch ungewiss.
Möglich wäre die Smart Car Platform, alternativ aber auch die kommende STLA Small. Sie soll 2026 erscheinen und die heutigen Plattformen CMP und CMP2 ablösen.
Welche weiteren Modelle auf der Smart Car Platform entstehen, ist bislang nicht bekannt.
Nicht zu vergessen: Über diese sieben angekündigten Modelle hinaus werden die jüngsten Aktivitäten von Stellantis in China nach dem Erwerb einer Beteiligung an Leapmotor zum Import weiterer günstiger Elektroautos des chinesischen Herstellers führen:
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