Der Volkswagen Passat war nie ein Auto, das große Leidenschaften weckte. In den vergangenen fünf Jahrzehnten überzeugte er seine Käufer vor allem mit rationalen Argumenten: Platzangebot, technischer Qualität und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.
In der neunten Generation gibt es ihn ausschließlich als Passat Variant, also als Kombi. Bereits bei der aktuellen Generation war das seit 2022 der Fall, nachdem die Produktion der Limousine eingestellt worden war.
Bei einem konservativ ausgelegten Fahrzeug wie dem Passat Variant bringt ein Generationswechsel gewöhnlich keine Revolution mit sich. Auch diesmal lässt sich die Entwicklung treffend mit der oft bemühten Formel „Evolution statt Revolution“ beschreiben.
Obwohl die neue Generation erst jetzt vorgestellt wird, konnten wir den Passat Variant bereits im Juli fahren – allerdings noch in einem Vorserienfahrzeug.
Der größte Volkswagen Passat Variant aller Zeiten
Nun zeigt sich der neue Passat Variant endlich unverhüllt. Er ist der bislang größte seiner Art und in nahezu alle Richtungen gewachsen. Dass seine Entwicklung mit jener des neuen Skoda Superb verknüpft war, macht das vielleicht wenig überraschend.
Doch nicht nur bei den Abmessungen hat sich etwas getan. Zu den wichtigsten Fortschritten an der Karosserie zählt die deutlich verbesserte Aerodynamik: Der cW-Wert sank von 0,31 auf 0,25.
Sowohl die beträchtliche aerodynamische Verbesserung als auch eine gewisse optische Nähe legen nahe, dass die deutschen Ingenieure und Designer Erfahrungen aus der Entwicklung des ID.7 genutzt haben.
Zahlreiche technische Lösungen unterstreichen die Verwandtschaft mit dem elektrischen ID.7. Dazu gehören ein Kühlergrillverschluss, der sich nur bei Kühlbedarf öffnet, und Luftvorhänge, die die Luftströmung an den Rädern und bei der Bremsenkühlung optimieren.
Hinzu kommen Außenspiegel mit einer möglichst kleinen Luftangriffsfläche und eine entsprechend gestaltete untere Heckpartie bis hin zum Diffusor. Die Luftführung an den hinteren Dachsäulen verringert zusammen mit dem Spoiler die Verwirbelungen in diesem Bereich.
Mehr Platz …
Der Passat nutzt erstmals die Plattform MQB evo – nahezu zeitgleich mit dem neuen Tiguan, der sich mit ihm die technische Basis sowie das Armaturenbrett und die Motorisierungen teilt. Die Plattform bringt verschiedene Neuerungen bei Hardware und Software mit sich.
Auf der Münchner Automobilmesse, die am 5. September öffnet, gehört der neue Volkswagen Passat Variant zu den Stars. Besucher können dort sehen, dass die gewachsenen Außenmaße auch mehr Platz im Innenraum schaffen.
Das fällt insbesondere auf den Rücksitzen auf. Dort gefällt die amphitheaterartige Anordnung, bei der die zweite Sitzreihe höher liegt als die erste.
… und mehr Technik
Am Armaturenbrett zeigt sich ebenfalls das Bestreben, die Volkswagen mit Verbrennungsmotor und die elektrischen ID-Modelle einheitlicher zu gestalten.
Auch im Innenraum wird diese Annäherung deutlich: Der Infotainment-Bildschirm misst serienmäßig 12,9 Zoll und ist optional mit 15 Zoll erhältlich. Die berührungsempfindlichen Schieberegler wurden überarbeitet und sind nun hintergrundbeleuchtet. Das Fehlen dieser Beleuchtung war bei den ersten ID-Modellen der deutschen Marke stark kritisiert worden.
Die Infotainment-Software der Generation MIB4 entspricht vollständig jener, die gerade im ID.7 eingeführt wurde. Bedienlogik, Anpassungsmöglichkeiten, Grafiken und Instrumentenansichten sind ebenso identisch wie die übrigen Funktionen.
Wie bei den ID-Modellen ist auch hier der Getriebewählhebel von der Mittelkonsole an die Lenksäule gewandert und folgt derselben Bewegungslogik. Dadurch wird der Bereich zwischen den Vordersitzen frei.
Eine weitere Änderung dürfte künftigen Passat-Fahrern gefallen: Statt auf eine ausfahrbare Scheibe projiziert das Head-up-Display seine Anzeigen nun direkt auf die Windschutzscheibe. Das ist bei Fahrzeugen höherer Marktsegmente und Premiummarken üblich.
Um den Innenraum leiser zu machen, setzt Volkswagen zudem an der Windschutzscheibe und an den vorderen wie hinteren Seitenscheiben Doppelglas ein.
Der neue Passat zeigt damit einige Premium-Anleihen: Sie reichen von den HD-Matrix-Scheinwerfern über die verstärkte Schalldämmung und Sitze mit mehreren Massageprogrammen bis zur Aufwertung des Fahrwerks.
Weiterentwickeltes Fahrwerk
Beim Aufbau der Radaufhängung bleibt der neue Volkswagen Passat Variant seinem Vorgänger treu: Vorn kommen MacPherson-Federbeine zum Einsatz, hinten eine unabhängige Vierlenkeraufhängung.
Die wichtigste Neuerung ist das optionale DCC Pro mit elektronisch variabler Dämpfung. Es arbeitet nun mit zwei Ventilen: eines für die Druckstufe und eines für die Zugstufe. So lassen sich die Bewegungen der Karosserie besser kontrollieren.
Volkswagen ist die erste Großserienmarke, die diese Technik anbietet. Sie soll die Karosserie besser von Fahrbahnunebenheiten abschirmen. Von ihrer Wirksamkeit konnten wir uns bereits überzeugen – mehr dazu in unseren ersten Fahreindrücken.
Elektrische Unterstützung
Ein Blick auf das Motorenangebot zeigt, dass der elektrische Antrieb eine größere Rolle spielt. Eine rein elektrische Version gibt es allerdings nicht. Wer einen vollständig elektrischen „Passat“ sucht, findet im ID.7 die entsprechende Alternative.
Für den stärkeren elektrischen Anteil sorgen die neuen Plug-in-Hybride, die Volkswagen eHybrid nennt.
Sie verbinden einen Elektromotor mit einem neuen Benziner, dessen Turbolader eine variable Geometrie besitzt. Der Hubraum beträgt 1,5 statt bisher 1,4 l; angeboten werden zwei Leistungsstufen mit 204 PS (150 kW) beziehungsweise 272 PS (200 kW).
Der Unterschied entsteht durch unterschiedliche Software-Abstimmungen: Bei der schwächeren Version steht die elektrische Reichweite im Vordergrund. In beiden Fällen beträgt das maximale Drehmoment 400 Nm. Begrenzt wird es durch das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe DSG, das für diese Varianten als einziges Getriebe verfügbar ist. Alle übrigen Motorisierungen nutzen ein DSG mit sieben Gängen.
Die Batterie des neuen Volkswagen Passat Variant eHybrid stellt für den elektrischen Antrieb nutzbare 19,7 kWh bereit und bietet damit fast doppelt so viel wie beim Vorgänger mit 10,6 kWh. Entsprechend steigt auch die elektrische Reichweite auf nahezu das Doppelte: auf rund 100 km.
Wie beim Vorgänger lässt sich der Plug-in-Hybrid auch in der neuen Generation nicht mit Allradantrieb kombinieren; dieser bleibt den Verbrennungsmotoren vorbehalten. Die Anhängelast des eHybrid ist dagegen von 1,6 auf 2,0 Tonnen gestiegen.
Unter den übrigen Antrieben fällt der 1.5 eTSI mit 130 PS oder 150 PS auf. Ein kleiner Elektromotor und eine kleine 48-V-Batterie unterstützen den Benziner dabei, mehr Leistung bereitzustellen und weniger Kraftstoff zu verbrauchen. Für dieses Ziel kann der Vierzylinder bei geringer oder fehlender Gaspedalbelastung zudem zwei Zylinder abschalten.
Darüber hinaus bleibt der neue Volkswagen Passat mit Dieselmotoren erhältlich: dem 2.0 TDI mit 122 PS, 150 PS und 193 PS. Bei den Benzinern gibt es den 2.0 TSI mit 190 PS oder 265 PS. Die jeweils stärkste Ausführung ist ausschließlich mit Allradantrieb erhältlich.
Wann kommt er?
Der neue Volkswagen Passat Variant wird auf der Münchner Automobilmesse vorgestellt. Die ersten Fahrzeuge sollen noch vor Jahresende auf der Straße sein.
In Portugal dürfte der Verkauf allerdings erst im ersten Quartal 2024 beginnen. Angaben zu den Preisen liegen dort noch nicht vor.
Das portugiesische Motorenangebot des neuen Volkswagen Passat Variant steht hingegen bereits fest: Neben den beiden eHybrid-Versionen mit 204 PS und 272 PS sind der 1.5 eTSI mit 150 PS sowie der 2.0 TDI mit 122 PS und 150 PS vorgesehen.
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