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Ich suchte einen Yaris Cross im anderen Gewand und fand im Lexus LBX geballte Lexus-DNA – bis hin zum Preis

Bronzefarbener Lexus LBX Hybrid SUV, präsentiert auf weißem Messestand vor Glaswand mit Stadtansicht.

Auf der Suche nach einem Yaris Cross im anderen Gewand entpuppte sich der LBX als geballte Lexus-DNA – bis hin zum Preis.


Zwei ungewöhnliche Tage verbrachte ich in Valencia, Spanien, bei der internationalen dynamischen Präsentation des neuen Lexus LBX.

Zum einen kletterten die Temperaturen trotz Dezember auf bis zu 28 °C. Zum anderen erwiesen sich sämtliche vorgefassten Meinungen, die ich zum LBX hatte, als falsch. Er ist deutlich mehr als ein Yaris Cross – mit dem er Plattform und Antrieb teilt – in anderer Verkleidung.

Eigentlich hätte ich wissen müssen, dass Lexus seinen Ruf nicht aufs Spiel setzen würde. Das gilt selbst für das kleinste und zugleich günstigste Modell der Marke, wobei „günstig“ natürlich relativ ist. Schließlich wurde der LBX speziell mit Blick auf europäische Kunden entwickelt.

Auf ausführliche Beschreibungen von Exterieur und Interieur des LBX möchte ich hier nicht weiter eingehen. Das haben wir bereits bei der statischen Präsentation des Modells getan, bei der Miguel Dias alles „Schritt für Schritt“ erläutert. Sehen Sie es sich an oder schauen Sie noch einmal rein:

Zahlreiche Änderungen mit spürbarer Wirkung

Am liebsten würde ich direkt zum Fahrerlebnis kommen, doch zuvor müssen einige Anpassungen erwähnt werden, welche die Lexus-Ingenieure an der mit dem Yaris Cross geteilten GA-B-Plattform vorgenommen haben. Sie prägen den dynamischen und allgemeinen Eindruck des LBX maßgeblich.

Den Anfang machen die strukturellen Verstärkungen. Besonders hervorzuheben ist dabei die neue Querstrebe, welche die unteren Bereiche der A-Säulen verbindet und der Lenkung einen neuen, steiferen Befestigungspunkt verschafft.

Auch die Spurweite wuchs um einige Zentimeter. Mit 1,82 m Breite übertrifft der LBX mehrere Fahrzeuge aus dem darüberliegenden Segment. Hinzu kommen große Räder mit 18 Zoll; lediglich die Basisversion fährt auf 17-Zoll-Felgen.

Ebenso wenig wurde die Sitzposition vernachlässigt: Im LBX sitzt man niedriger als im Yaris Cross. Die Liebe zum Detail zeigt sich außerdem etwa an der neu positionierten Getriebebedienung.

Die Sitzposition ist zwar gelungen, doch die Sicht nach hinten könnte besser sein. Das Zusammenspiel aus kleiner Heckscheibe und sehr breiter C-Säule schränkt sie ein.

Lexus LBX übertrifft die Erwartungen

Wie machen sich all diese Lexus-Änderungen auf der Straße bemerkbar? Es genügen nur wenige Meter am Steuer des LBX, um ihren sehr positiven Effekt zu erkennen.

Der Lexus LBX überzeugt durch die Solidität des gesamten Fahrzeugs und ein höheres Maß an Kultiviertheit. Gleichzeitig wirkt er stabiler und agiler als sein Toyota-„Cousin“. Mitunter entsteht sogar der Eindruck, in einem Fahrzeug des nächsthöheren Segments zu sitzen.

Besonders hervorzuheben ist die Lenkung, die viel Vertrauen vermittelt. Lexus widerstand der Versuchung, sie übermäßig leichtgängig auszulegen – wie es bei vielen anderen Modellen offenbar der Fall ist. Davon profitieren der Eindruck von Präzision und Solidität.

Am meisten überraschte der LBX jedoch auf der Autobahn, einem Umfeld, in dem kleinere Autos gewöhnlich nicht glänzen. Dort gelingt ihm am überzeugendsten der Eindruck, größer zu sein, als er tatsächlich ist.

Seine Richtungsstabilität ist sehr gut, wozu die großzügige Spurweite sicherlich beiträgt. Auch das Geräuschniveau im Innenraum fällt hochklassig aus. Lediglich um die Außenspiegel herum sind einige Windgeräusche wahrnehmbar. Die Akustikfrontscheibe, die in den besser ausgestatteten Versionen erhältlich ist, macht jedoch einen deutlichen Unterschied.

Das Fahrwerk ist eher straff abgestimmt, was sich in Präzision und kontrollierten Karosseriebewegungen niederschlägt. Dennoch leidet der Komfort des LBX nicht darunter – obwohl an der Hinterachse nur eine Verbundlenkerachse arbeitet. Nach mehr als zwei Stunden ohne Unterbrechung hinter dem Lenkrad stieg ich noch immer recht „frisch“ aus. Das sagt auch viel über die bequemen und gut stützenden Sitze dieses Crossover aus.

Hybridantrieb überzeugt mit zwei Einschränkungen

Der kleinste Crossover von Lexus macht sich am Steuer sehr gut, wobei ihm der einzige verfügbare Hybridantrieb ohne Plug-in-Technik ein guter Partner ist. Er ist bereits aus dem Yaris Cross bekannt: ein frei saugender 1,5-Liter-Dreizylinder-Benzinmotor in Kombination mit einem Elektromotor. Im LBX leistet das System jedoch 136 PS (100 kW) statt 116 PS.

Neben der Leistung bringt dieser Antrieb auch einen neuen bipolaren Nickel-Metallhydrid-Akku mit lediglich 1 kWh Kapazität mit. Er ist leichter und kompakter und soll zudem schneller laden und Energie abgeben können.

Die Leistung des Systems ist angemessen – 9,2 s von 0 auf 100 km/h –, ohne wirklich zu beeindrucken. Zum Antrieb habe ich allerdings zwei Anmerkungen.

Die erste betrifft erwartungsgemäß das e-CVT, also das stufenlose Getriebe. Es ist zwar zunehmend besser geworden und bei entspannter Fahrweise kaum wahrnehmbar. Fordert man vom LBX jedoch mehr, schnellen die Drehzahlen des Dreizylinders hoch und bleiben dort. Das führt direkt zur zweiten Anmerkung.

Gemeint ist der Klang, wenn der Motor „diese höheren Drehzahlbereiche besucht“: Er dringt dann regelrecht in den Innenraum. Der Sound ist an sich nicht unangenehm, doch angesichts der Ruhe, die der LBX bei fast allem anderen ausstrahlt, fällt der Kontrast deutlich auf.

Sparsam wie erwartet

Auch wenn das e-CVT weiterhin weit davon entfernt ist, mein bevorzugtes Getriebe zu sein – das gefahrene Fahrzeug verfügte immerhin über Schaltwippen am Lenkrad sowie einen „S“-Modus, der ein Sechsganggetriebe simulieren kann –, sprechen die Fakten für sich: Für möglichst niedrige Verbräuche ist es die beste Wahl.

Zwar sind die Verbrauchswerte bei ersten Fahreindrücken nicht immer repräsentativ, sei es wegen der Fahrweise oder der Länge des Tests. Auf einer sehr abwechslungsreichen Strecke mit Stadtverkehr, Autobahn und Bergstraßen kam ich dennoch auf weniger als 5,5 l/100 km. Einige Kollegen blieben sogar unter fünf Litern und lagen damit auf dem offiziellen Wert von 4,8 l/100 km.

Premium, aber dennoch teuer

Der Lexus LBX kann bereits bestellt werden, die ersten Auslieferungen erfolgen allerdings erst im März 2024. Die Basisversion folgt später, im Juni. Die Preise starten bei 34.950 Euro.

Diese Preise machen deutlich, dass der neue Einstieg in die Lexus-Welt alles andere als günstig ist. Hinzu kommt, dass gerade mehrere Konkurrenzmodelle auf den Markt kommen, darunter auch rein elektrische Fahrzeuge, die für ähnliche Beträge letztlich mehr bieten.

Das wohl prägnanteste Beispiel ist der Volvo EX30. Wie der LBX stellt der EX30 den ersten Vorstoß von Volvo in dieses Segment dar, doch Volvo setzt dabei auf ein rein elektrisches Modell. Die Preise beginnen bei rund 38.000 Euro, dafür bietet er die doppelte Leistung von 272 PS und deutlich bessere Fahrleistungen.

Auf diesem Niveau wird der LBX kaum konkurrieren können, auch wenn er andere Argumente auf seiner Seite hat: einen Innenraum mit hoher Verarbeitungs- und Materialqualität, einen großzügigeren Kofferraum mit 402 l sowie den Vorteil eines Hybrids, der keine Ladezeit benötigt – Tanken geht immer schneller.

Lexus rechnet damit, dass der LBX die europäischen Verkaufszahlen der Marke um 25.000 Einheiten pro Jahr steigern wird, was 2024 ein deutliches Absatzwachstum verspricht. In Portugal begann die Bestellphase im November, und die Marke verzeichnete bereits mehr als 50 Reservierungen.

Urteil

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