Zum Inhalt springen

Ford Kuga 1.5 EcoBoost 150 PS im Test

Blauer Ford Kuga 1.5 SUV auf weißem Podest in heller Ausstellungshalle.

Der Ford Kuga tritt in seiner dritten Generation in einem der umkämpftesten Marktsegmente an und bringt mehr Argumente denn je mit. Die umfassende Antriebspalette reicht von reinen Benzin- und Dieselmotoren bis zu Mild-Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Varianten.

Nachdem wir den neuen Kuga bereits als Plug-in-Hybrid getestet haben, ist nun die Ausführung am anderen Ende des Spektrums an der Reihe: Sie wird ausschliesslich mit Benzin betrieben und verfügt über den 1.5 EcoBoost mit 150 PS.

Reicht dem Kuga ein klassischer Verbrennungsmotor oder ist elektrische Unterstützung tatsächlich unverzichtbar? Zeit, seine Qualitäten genauer zu betrachten.

Von Natur aus zurückhaltend …

Die Rolle des SUV mit besonders abenteuerlicher und robuster Optik übernimmt künftig der brandneue Bronco Sport – dessen Europa-Start noch nicht bestätigt ist. Der Ford Kuga setzt dagegen auf eine deutlich urbanere Gestaltung, die eher an einen klassischen Pkw erinnert.

Sein Erscheinungsbild orientiert sich deshalb stark an den übrigen Modellen der US-Marke. Vorn trägt er den typischen „Ford-Kühlergrill“, während das Heck unverkennbare Parallelen zum Focus Kombi zeigt.

Unterm Strich entsteht ein nüchtern gestaltetes und eher unauffälliges Modell – weniger SUV als sein Vorgänger. Das ist in einem Segment durchaus positiv, in dem zahlreiche Konkurrenten mit Kunststoffbeplankungen geradezu übertreiben, um Abenteuerlust zu vermitteln, die sie meist nicht einlösen können.

… und ebenso geräumig

Wie bei jedem SUV dieser Klasse richten sich die Ford Kuga vor allem an Familien. Nach einigen Tagen am Steuer des Ford-SUV kann ich in dieser Hinsicht Entwarnung geben.

Er ist breiter als der Vorgänger, besitzt einen niedrigen, kaum störenden Mitteltunnel und zudem sehr praktische verschiebbare Rücksitze. Dadurch wirkt der Innenraum des neuen Ford Kuga ausgesprochen grosszügig.

Vier Erwachsene finden im Kuga problemlos bequem Platz, ohne dass darunter das Gepäckvolumen leidet. Ein klarer Vorteil des Ford Kuga mit reinem Verbrennungsmotor: Sein Kofferraum fällt gegenüber dem des Plug-in-Hybrids deutlich grösser aus. Er fasst zwischen 475 und 645 Litern, während die Variante, die auch Elektronen nutzt, bei 411 Litern liegt.

Bei den Materialien kombiniert der Kuga weichere, angenehm anfühlende Oberflächen im oberen Bereich von Armaturenbrett und Türen mit harten Kunststoffen in den unteren Zonen, die Augen und Hände seltener erreichen. Dennoch liegt er etwas hinter dem Niveau von Modellen wie Mazda CX-5 oder Peugeot 3008 zurück.

An Verarbeitung und Ergonomie gibt es hingegen nichts auszusetzen. Letztere profitiert vom konventionellen, dem Focus ähnlichen Innenraumkonzept, das auf einfache Bedienung ausgelegt ist – auch wenn es dadurch nicht besonders originell wirkt.

Ein SUV kann auch dynamisch sein

Ganz im Sinne eines längst etablierten Ford-Markenzeichens überrascht der Kuga mit seinen dynamischen Fähigkeiten – oder vielleicht auch nicht. Komfort, Berechenbarkeit und Sicherheit sind selbstverständlich vorhanden, doch zugleich besitzt der Kuga eine weitere Seite, die ihn zu einem der interessantesten Fahrzeuge seines Segments macht.

Da er Plattform und Fahrwerk mit dem Focus teilt, lässt sich der Kuga gewissermassen als höher gelegte Variante des Ford-Modells der Kompaktklasse verstehen. Entsprechend bleiben dessen fahrdynamische Vorzüge erhalten.

Das Fahrwerk begrenzt die Karosserieneigung zuverlässig, die Lenkung arbeitet präzise, sehr direkt und vermittelt ein gutes „Feeling“ – ich würde sogar sagen, dass sie neben jener des Hyundai Tucson zu den besten im Segment gehört. Dadurch kann der Ford Kuga tatsächlich … Fahrspass bereiten.

Der Ford-SUV beweist damit, dass SUV in Kurven nicht zwangsläufig „träge“ oder langweilig sein müssen, und bringt all jene Qualitäten in diese Klasse, für die die Modelle mit dem blauen Oval so oft gelobt werden.

Das schwächste Glied sind dabei eindeutig die komfortorientierten Reifen mit höherem Querschnitt in der Dimension 215/65 R17. Sie stossen vergleichsweise früh an ihre Grenzen. Selbst dann reagiert der Kuga jedoch berechenbar und progressiv, was die solide und gelungene Abstimmung des Fahrwerks unterstreicht.

Abseits kurvenreicher Strecken zeigt sich der Ford Kuga komfortabel und vor allem stabil. Auch dank seines guten Geräuschniveaus ist er ein angenehmer Reisebegleiter.

Passt ein solcher SUV mit Benzinmotor?

Erinnerst du dich an den langstreckentauglichen Charakter dieses Kuga? Bei dieser speziellen Variante passt eigentlich nur der Motor nicht ganz zu diesem Bild.

Der 1.5 EcoBoost mit 150 PS arbeitet gleichmässig und ist angenehm zu nutzen; bei Leistung und Fahrleistungen gibt es kaum etwas zu beanstanden. Unter Last klingt er gut, beschleunigt den Kuga engagiert und ermöglicht durchaus überzeugende Fahrleistungen – besonders angesichts eines bereits recht grossen SUV.

Hinzu kommt ein manuelles Sechsganggetriebe, das sich mangels eines besseren Begriffs einfach „köstlich“ bedienen lässt. Kurze Schaltwege, ein metallisches Gefühl und selbst der Schaltknauf laden zum Gangwechsel ein. Es zählt zu den besten Getrieben dieser Klasse; spontan fällt mir nur jenes des Mazda CX-5 als ebenbürtig ein.

Das Problem dabei: Der 1.5 EcoBoost verbraucht … Benzin. Lässt man sich von der dynamischen Seite des Ford Kuga mitreissen, steigen die Verbräuche auf über 8 l/100 km – kein besonders freundlicher Wert für ein Familienmodell.

Bei zurückhaltender Fahrweise sind zwar Durchschnittswerte von 5,5 bis 6 l/100 km möglich, und auf Überlandstrecken bewegen sie sich nahe der Ford-Angabe von rund 7 l/100 km. Trotzdem erscheint mir ein Familien-SUV dieser Klasse, sofern nicht nur wenige Kilometer gefahren werden, mit Dieselmotor oder elektrischer Unterstützung sinnvoller.

Ist er das richtige Auto für mich?

Mit seinem bemerkenswerten Verhältnis aus Komfort und Fahrverhalten ist der Ford Kuga die passende Wahl für alle, die einen SUV suchen, ohne auf Fahrvergnügen verzichten zu wollen.

Zu seinen dynamischen Stärken kommen sachliche Vorzüge wie ein sehr gutes Platzangebot und eine bereits recht attraktive Ausstattung. Das gilt besonders, wenn man berücksichtigt, dass diese Titanium-Version keine Topausstattung ist.

Auch der Preis verdient Erwähnung: Für rund 32.000 Euro bietet Ford einen geräumigen, komfortablen, fahrdynamisch überzeugenden und angemessen ausgestatteten SUV. Damit liegt er auf dem Niveau ähnlich starker Angebote, die allerdings einer Klasse darunter angesiedelt sind und entsprechend weniger Raum bieten.

Mit dem 1.5 EcoBoost und 150 PS kann der Ford Kuga somit durchaus das ideale Auto für eine Familie sein, die viel Platz benötigt, aber keine hohen Kilometerleistungen zurücklegt und dennoch gute Fahrleistungen erwartet.

Handelt es sich jedoch um eine Familie von „Vielfahrern“, ist vermutlich die Diesel-, Mild-Hybrid- – derzeit ausschliesslich in Verbindung mit dem 2.0 EcoBlue mit 150 PS erhältlich – oder Plug-in-Hybrid-Version die bessere Wahl. Letztere kostet 9000 Euro mehr, doch alle drei sind beim Tankstopp „geldbeutelfreundlicher“.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen