Und was ist darüber hinaus wirklich neu? Die CLAR-Plattform von BMW – die technische Basis für nahezu alle Modelle ab dem 3er – bietet bereits die Möglichkeit, zwischen Elektroantrieb und Verbrennungsmotor zu wählen. Ein erstes Beispiel ist der iX3 als vollelektrische Ausführung des X3; in Kürze sollen die Serienversionen von iNext und i4 folgen.
Anders als etwa der Volkswagen-Konzern, der die ausschliesslich für Elektrofahrzeuge bestimmte MEB entwickelt hat und über Porsche sowie Audi an der PPE (Premium Platform Electric) arbeitet, setzt BMW auf eine Multi-Energie-Plattform. Damit verfolgt der Hersteller einen ähnlichen Ansatz wie die Groupe PSA.
Die Ankündigung von BMW-Vorstandschef Oliver Zipse lässt jedoch darauf schliessen, dass die CLAR für die künftigen Elektroambitionen der BMW Group gewisse Grenzen hat. Dies dürfte die Entwicklung der neuen Plattform begründen.
Neue BMW-Plattform für Elektroautos ab 2025
Die neue Architektur soll in erster Linie für Elektrofahrzeuge ausgelegt sein. Zipse geht davon aus, dass die Nachfrage nach Elektroautos ab der Mitte des nächsten Jahrzehnts deutlich zunehmen wird, fügt jedoch eine wichtige Einschränkung hinzu.
Seiner Prognose zufolge werden BMW-Kunden um 2025 mehr Modelle mit Elektromotoren als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor kaufen. Dennoch werde die Nachfrage nach Verbrennern bestehen bleiben. Zudem dürfe nicht ausser Acht gelassen werden, dass manche Märkte die Elektrifizierung nicht so schnell vorantreiben wie Europa oder China. Darin sieht Zipse die Begründung für die zusätzliche Flexibilität, die diese neue Architektur bieten muss. Ihr Debüt in einem Modell soll laut Zipse 2025 erfolgen.
Produktion im BMW-Werk Debrecen
Die Produktion von Modellen auf Basis der neuen Plattform dürfte im neuen BMW-Werk im ungarischen Debrecen beginnen. Das Werk ist noch nicht fertiggestellt, da die Pandemie die Baupläne verzögert hat. Sobald es voraussichtlich 2021 den Betrieb aufnimmt, sollen dort jährlich bis zu 150.000 Fahrzeuge gefertigt werden; mehr als 1.000 Mitarbeiter werden vor Ort beschäftigt sein.
Nicht die erste reine Elektroplattform von BMW
Tatsächlich gehörte BMW zu den Vorreitern bei der Entwicklung einer speziellen Plattform für Elektrofahrzeuge. Der BMW i3 nutzt eine eigene Basis, die auf die besonderen Anforderungen eines elektrischen Antriebsstrangs zugeschnitten ist. Allerdings sind die Kosten sehr hoch, und auch bei der Flexibilität ist die Lösung nicht optimal – Vorreiter zu sein, birgt Risiken.
Auch die Konstruktion aus Aluminium und Carbonfaser trägt trotz ihrer hohen Steifigkeit und ihres geringen Gewichts nicht zu niedrigeren Kosten bei. Sie wurde gewählt, um das zusätzliche Gewicht der Batterie abzumildern. Das gilt ungeachtet aller Fortschritte, die der deutsche Hersteller bei der Massenproduktion von Carbonfaser erzielt hat.
Die Entscheidung von BMW für eine Architektur, die einem elektrischen Antrieb den Vorrang gibt, zugleich aber weiterhin Verbrennungsmotoren aufnehmen kann, ist daher nachvollziehbar. Aus Kostensicht ist sie sinnvoll: Trotz unterschiedlicher Antriebe lässt sich mit einer einzigen Plattform dieselbe Produktionslinie nutzen. Gerade in dieser Übergangsphase kann diese Flexibilität sehr wertvoll sein. Schliesslich elektrifiziert sich die Automobilwelt nicht überall im gleichen Tempo, und BMW ist ein global tätiger Akteur.
Quelle: Auto Motor und Sport.
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