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Peugeot 2008 im Test: Löwenhafte Optik, sanfter Charakter

Orangefarbener Peugeot SUV LIONCUB-2008 auf Präsentationsbühne in hellem Ausstellungsraum

Mit dem Innenraum des Peugeot 2008 im Allgemeinen und dem i-Cockpit im Besonderen müsste dieser Test eigentlich beginnen. Denn auch Jahre nach seiner Einführung 2012 im ersten 208 zählt es weiterhin zu den meistdiskutierten Merkmalen der Modelle der französischen Marke.

Das konnte ich selbst feststellen, als ich einigen Verwandten und Freunden die zweite Generation des B-SUV zeigte: Das i-Cockpit zog den Großteil der Aufmerksamkeit auf sich. Die Meinungen gingen dabei auseinander wie Linke und Rechte in einer politischen Debatte …

Wer mit dem i-Cockpit nichts anfangen konnte, beanstandete nicht nur das kleine Lenkrad. Wurde es auf die für die jeweilige Person übliche Höhe eingestellt, verdeckte es zudem teilweise das attraktive digitale 3D-Kombiinstrument.

Man muss akzeptieren, dass die Eigenheiten dieser Gestaltungslösung dazu führen, dass nicht jeder eine vollständig zufriedenstellende Sitz- und Fahrposition in den Bedienbereichen des 2008 und anderer Peugeot finden wird.

Bei mir? Ich muss zugeben, dass es wie angegossen passte. Da ich das Lenkrad gewöhnlich eher tief einstelle, beeinträchtigte das kleine, abgeflachte Lenkrad den Blick auf das Kombiinstrument nie. Zwar bevorzuge ich nach wie vor völlig runde Lenkräder, doch nach einiger Zeit störte die abgeflachte Form des kleinen Volants kaum noch oder gar nicht mehr.

Tatsächlich war die besondere Anordnung des i-Cockpit einer von mehreren Faktoren, die zum sehr angenehmen Fahrerlebnis des französischen B-SUV beitrugen – auch wenn andere das sicherlich anders sehen werden.

Löwenhafte Optik …

Auch das übrige Interieurdesign dürfte nicht jedermanns Geschmack treffen, doch alles darin scheint auf ein ausgesprochen … GRRRRR-artiges Fahrerlebnis hinzudeuten. Nicht nur das kleine, abgeflachte Lenkrad wirkt, als stamme es aus einem Konzeptfahrzeug eines mutigen Sportwagens; Gleiches gilt für das gesamte Armaturenbrett, sei es durch seinen geschichteten Aufbau oder die großflächigen, kohlefaserähnlich strukturierten Oberflächen.

Doch nicht nur im Innenraum: Auch äußerlich präsentiert sich die zweite Generation des Peugeot 2008 deutlich ausdrucksstärker, gewagter und … aggressiver – genau wie die zweite Generation des 208. Sie besitzt sogar etwas Raubtierhaftes, passend zum Löwen als Markensymbol, insbesondere in der Frontansicht. Dafür sorgen das Zusammenspiel des XL-Kühlergrills und der unverwechselbaren, katzenhaften Lichtsignatur.

Auf der Straße wirkt der 2008 durch seine SUV-Form und die sehr aufrechte, aggressiv gestaltete Front sogar ausgesprochen imposant. Damit hebt er sich klar von der Konkurrenz ab.

…, aber mit dem Charakter eines Löwenjungen

Wie bei vielen bereits getesteten Autos zeigt sich jedoch auch beim Peugeot 2008 eine gewisse Diskrepanz zwischen Erscheinung und Charakter beim Fahren. Schon der expressive französische B-SUV, erst recht in der auffälligen und dynamischen GT-Line-Ausführung, weckt vor der ersten Fahrt bestimmte Erwartungen.

Sobald man losfährt, wird allerdings rasch deutlich, dass der 2008 nicht diese Art von … Kreatur ist. Im Alltag ebenso wie auf längeren Strecken stehen vielmehr sein überdurchschnittlicher Komfort und seine Kultiviertheit im Vordergrund: Motor-, Wind- und Abrollgeräusche werden wirkungsvoll gedämmt.

Kombiniert man dies mit dem Antriebsstrang des Testwagens – dem 1.5 BlueHDI mit 130 PS und der Achtgang-Automatik EAT8 –, gehört der Peugeot 2008 zu den angenehmsten B-SUV zum Fahren.

Wenn man seine dynamischen Fähigkeiten intensiver auslotet, zeigt sich hingegen, dass dies nicht sein bevorzugtes Terrain ist. Das kleine Lenkrad lädt zwar zu einer agileren Fahrweise ein, und die Vorderachse setzt Lenkbefehle kompetent um. Doch die weiche Federung und die ebenfalls weichen Michelin Primacy-Reifen, zusammen mit einer Abstimmung, die Stabilität stärker gewichtet als Agilität, lassen bei engagierter Fahrt nur begrenzt Fahrfreude aufkommen.

Er mag nicht brüllen, doch im Alltag ist sein Schnurren zweifellos deutlich nützlicher und angenehmer.

Gelungene Kombination aus 1.5 BlueHDI und EAT8

Die Verbindung des 1.5 BlueHDI mit 130 PS und der EAT8 könnte kaum besser gelungen sein und ist einer der wichtigsten Gründe für das angenehme Fahrerlebnis im 2008.

Die EAT8 wirkt, als wäre sie speziell für diesen Motor entwickelt worden. Sie schaltet schnell und sanft, zögerte zu keinem Zeitpunkt und schien für jede Situation stets den passenden Gang „zu erraten“. Ihre Effizienz ist so hoch, dass man den manuellen Modus schnell vergisst – nicht zuletzt wegen der kleinen Schaltwippen.

Kleine Dieselmotoren gehörten persönlich nie zu meinen Favoriten, doch Anerkennung ist angebracht, wenn sie verdient ist. Dieses Peugeot-Aggregat zählt zu den angenehmsten, die ich gefahren bin, und bietet eine Leistungsentfaltung sowie einen nutzbaren Drehzahlbereich, die ein weniger aufmerksamer Fahrer mit einem Benzinmotor verwechseln könnte.

Allein der Klang verrät diesen Eindruck, denn er täuscht niemanden. Überraschenderweise ist er jedoch keineswegs unangenehm; zusammen mit der sehr guten mechanischen Dämmung bleibt der Vierzylinder in den meisten Situationen dezent.

Neben seinem angenehmen Charakter ermöglicht er durchaus ordentliche Fahrleistungen – ein Mangel an „Durchzug“ war nie spürbar – und erweist sich zudem als sparsam. Bei konstanten 90 km/h verzeichnete ich weniger als 4,5 l/100 km, während auf der Autobahn 5,5 l/100 km üblich waren. In der Stadt steigt der Verbrauch über sechs Liter, bleibt damit aber in einem vertretbaren Rahmen.

Ist er das richtige Auto für mich?

Der Peugeot 2008 1.5 BlueHDi 130 PS EAT8 GT Line hinterließ einen sehr positiven Eindruck. Blickt man jedoch auf den Preis von mehr als 30.000 Euro ohne Sonderausstattung, sollten auch andere Optionen in Betracht gezogen werden.

Braucht man wirklich den Diesel? Sofern man nicht viele, wirklich sehr viele Kilometer fährt, erscheint der 1.2 PureTech mit 130 PS als Benziner, ebenfalls mit EAT8, als die bessere Wahl. Er wird zwar mehr verbrauchen, doch die Preisersparnis von fast 3500 Euro reicht für eine Menge Benzin.

Für den 2008 gibt es außerdem eine günstigere Dieselvariante, die jedoch immer noch leicht teurer als der erwähnte 1.2 PureTech ist. Sie leistet lediglich 100 PS und wird ausschließlich mit manuellem Getriebe angeboten.

Hat er Argumente gegen den Renault Captur?

Der Zufall wollte es, dass ich den 2008 kurz nach seinem Erzkonkurrenten Captur testete – Vergleiche waren daher unvermeidlich. Daran besteht kein Zweifel: Der 2008 ist vielleicht der ernsthafteste Rivale des Captur und eine der größten Gefahren für dessen Führungsrolle im Segment.

Doch auch die neue Captur-Generation hat überzeugende Argumente, vor allem für alle, die ein Familienfahrzeug suchen. Bei Raumangebot, Variabilität und sogar Übersichtlichkeit übertrifft sie den 2008 knapp.

Interessanterweise besitzt trotz des digital ausgerichteten 2008-Innenraums, in dem ein Großteil der Funktionen über das Infotainmentsystem gesteuert wird, der Captur das bessere System. In Bedienbarkeit und Reaktionsgeschwindigkeit liegt er vor dem 2008.

Persönlich ist der Peugeot 2008 mein Favorit, vor allem wegen seines angenehmeren, kultivierteren und zugleich eigenständigeren Fahrerlebnisses durch das i-Cockpit. Der Captur hält dem bemerkenswerterweise ein überzeugenderes Fahrwerk für engagiertere Fahrweise entgegen. Unterm Strich sind beide gleichwertig, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

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