Zum Inhalt springen

Citroën C3 1.2 PureTech 83 Shine im Test

Weißer Citroën C3 PureTech mit schwarzem Dach und rotem Akzent am Kühlergrill auf Autoshow.

Guilherme hat in seinem Video aus Madrid in Spanien, das während der internationalen Präsentation des Modells entstand, bereits fast alles Wichtige zu den Neuerungen des überarbeiteten Citroën C3 gesagt.

Lediglich bei seiner Einschätzung der stilistischen Änderungen, die Citroën am C3 vorgenommen hat, bin ich anderer Meinung. Gegenüber dem bisher bekannten C3 beschränken sich die Unterschiede auf die neu gestaltete Frontpartie, die sich zwar am interessanten CXperience orientiert, mich aber leider nicht überzeugt.

Der Kleinwagen wirkt nun überladener und grimmiger, nach dem Motto „Alle schulden mir etwas, aber niemand zahlt“, statt den jugendlichen und sympathischen Auftritt des Vorgängers zu bewahren. Das passt weder zum übrigen Design noch zum grundsätzlich gelassenen Charakter des C3.

Ist der 1.2 PureTech mit 83 PS empfehlenswert?

Die wohl wichtigste Aussage betrifft den Motor des hier getesteten C3: den 1.2 PureTech mit 83 PS als Saugmotor ohne Turbo. Laut Guilherme lohnt sich die von ihm bei der Präsentation gefahrene Variante 1.2 PureTech mit 110 PS und Turbo trotz ihres um 1200 Euro höheren Preises gegenüber dieser 83-PS-Version stärker. Dem kann ich nur voll zustimmen.

Weshalb? Nicht allein wegen der besseren Fahrleistungen – beim Sprint von 0 auf 100 km/h fast 4s schneller und deutlich durchzugsstärker –, sondern auch, weil die zusätzliche Leistung weder auf dem Papier noch im Alltag mit höherem Verbrauch oder mehr Emissionen erkauft wird. In den offiziellen Daten trennen beide nur 0,1 l/100 km und 1 g/km. Zwar sind auch mit dieser Version niedrige Verbräuche möglich – bei konstant moderatem Tempo habe ich weniger als fünf Liter erreicht –, doch das gelingt ebenso problemlos mit der 110-PS-Ausführung.

Darüber hinaus passt die 110-PS-Variante besser zu den übrigen Eigenschaften des überarbeiteten Citroën C3, die ich sehr zu schätzen gelernt habe – doch dazu später mehr …

Die 83 PS und 118 Nm dieses Motors wirken dagegen etwas knapp bemessen. Um Steigungen zu bewältigen oder auf der Autobahn die erlaubte Höchstgeschwindigkeit zu halten – manche Strecken sind eben nicht völlig eben –, muss man das Gaspedal kräftiger betätigen oder „einen Gang zurückschalten“ und den Dreizylinder entschlossener drehen lassen. Ehrlich gesagt hat das durchaus seinen Reiz, denn dem Motor selbst ist nichts vorzuwerfen: Er lässt sich interessant ausfahren und klingt dabei sogar angenehm.

Die Kombination aus 1055 kg – damit gehört er zu den leichtesten Modellen seiner Klasse, doch selbst das scheint für die bescheidenen Werte des 1.2 schon etwas viel zu sein – und vor allem den recht lang übersetzten Getriebegängen schwächt die ohnehin begrenzte Beschleunigung und Elastizität dieser 83 PS zusätzlich ab.

Auch die Fünfgang-Handschaltung überzeugt bei ihrer Bedienung nicht ganz, vor allem wegen ihrer sehr, sehr langen Schaltwege. Das stellte ich nach zwei kratzenden Schaltvorgängen in den dritten Gang fest: Obwohl der Gang vermeintlich schon eingelegt war, musste der Schalthebel noch ein Stück weiter nach vorn gedrückt werden.

Citroën C3: Ein Kleinwagen mit Langstreckenqualitäten

Mit diesem Motor ist der Citroën C3 im Einsatz im Grunde überwiegend auf den Stadtverkehr beschränkt. Die lange Übersetzung lässt sich zwar durch stärkeres Beschleunigen oder einen niedrigeren Gang als üblich teilweise ausgleichen, der wenig überzeugenden Schaltbetätigung kann man jedoch nicht entkommen – und sie bleibt mein grösster Kritikpunkt am Modell.

Das ist bedauerlich, denn abseits des städtischen Stop-and-go-Verkehrs zeigte der Citroën C3 unerwartet ausgeprägte Langstreckeneigenschaften. Das ist ein weiterer Grund, zum 1.2 PureTech mit 110 PS zu greifen, der ihm die nötigen Reserven verleiht, um diese Rolle entspannt auszufüllen. Natürlich bleibt er ein Kleinwagen, doch der C3 besitzt mehrere grundlegende Eigenschaften, die ihn zu einem sehr kompetenten Reisewagen machen.

Zunächst setzt Citroën stark auf Komfort, und das wird auch im C3 deutlich. Man sitzt richtig auf breiten, üppig gepolsterten Sitzen, die mit einem angenehmen Stoff und etwas Leder bezogen sind und hohen Komfort bieten. Nur eine stärkere Seitenabstützung wäre wünschenswert. So werden auch längere Fahrten am Steuer zu einer entspannten Angelegenheit, ohne dass der Körper anschliessend Beschwerden meldet.

Auch die Dämpfung ist klar komfortorientiert abgestimmt, also eher weich als straff. Die Federung filtert die meisten Unebenheiten wirksam heraus und hält zugleich die Karosseriebewegungen gut unter Kontrolle. Bei besonders engagierter Kurvenfahrt neigt er sich etwas zur Seite, aber nicht übermässig. In Kurven präsentiert er sich ohnehin eher effektiv und sicher als besonders agil oder unterhaltsam. Die präzise Lenkung vermittelt dabei kaum Rückmeldung darüber, was an der Vorderachse passiert, obwohl diese den Lenkbefehlen prompt folgt.

Zweitens besteht der Innenraum zwar fast vollständig aus harten Kunststoffen, die sich nicht besonders angenehm anfühlen, doch insgesamt ist die Verarbeitung recht solide – selbst auf dem schlechtesten Kopfsteinpflaster der Hauptstadt … – und widersteht Vibrationen sowie unerwünschten Geräuschen.

Drittens rundet eine sehr gute Geräuschdämmung das Gesamtpaket ab. Der Motor klingt stets weit entfernt, Windgeräusche bleiben zurückhaltend, und lediglich die Abrollgeräusche fallen etwas zu deutlich aus. Dafür sind mit hoher Wahrscheinlichkeit die optionalen, grösseren 17″-Räder unseres Testwagens verantwortlich – auf Fotos sehen sie gut aus, das bestreite ich nicht. Und überhaupt: Reifen der Breite 205 für lediglich 83 PS und 118 Nm? Das ist etwas übertrieben.

Ist er das richtige Auto für mich?

Nach allem Gesagten lässt sich der Citroën C3 erwartungsgemäss leicht empfehlen, allerdings kaum mit diesem Motor. Wer sich für den französischen Kleinwagen interessiert, sollte zur Version 1.2 PureTech mit 110 PS greifen. Sie verleiht dem C3 die erforderliche Flexibilität und Alltagstauglichkeit und harmoniert wesentlich besser mit seinen sonstigen Qualitäten.

Ansonsten ist es der Citroën C3, den wir bereits kennen. Im Fond bietet er ausreichend Platz für zwei Personen – die Beinfreiheit fällt geringer aus als bei den wichtigsten Konkurrenten –, doch interessant ist, dass der Zugang zu den hinteren Sitzen leichter gelingt als im neuen Peugeot 208 oder Opel Corsa, seinen Konzernverwandten aus der PSA-Familie. Das liegt an den weiter öffnenden und grösseren Türen. Bemerkenswert ist das, weil gerade der Citroën C3 noch die ältere PF1-Plattform statt der neueren CMP seiner „Cousins“ nutzt – müsste die neuere Lösung in diesem Punkt nicht besser sein?

Abgesehen von der Motorfrage stimme ich Guilherme auch bei seiner Empfehlung für die Ausstattungsstufe Shine erneut zu. Sie ist unter den verfügbaren Varianten die ausgewogenste und war auch beim von mir getesteten C3 verbaut. Sie bringt bereits eine umfangreiche Sicherheitsausstattung mit und ergänzt sie um sinnvolle Komfort- und Designmerkmale.

Der Testwagen verfügte zudem über Optionen im Wert von etwa 2500 Euro, wodurch der Preis des Citroën C3 1.2 PureTech 83 Shine auf 20.000 Euro stieg. Das ist durchaus hoch, liegt jedoch im Rahmen seiner Konkurrenten: Autos sind generell teuer geworden, und die Preise steigen weiterhin. Laufende Aktionen können den Preis allerdings auf wettbewerbsfähigere Werte senken.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen