Sie wirkt wie ein reines Arbeitstier, doch die Volkswagen Amarok kann deutlich mehr.
Erinnern Sie sich an den Volkswagen Amarok? Der erste Pick-up der deutschen Marke kam 2010 auf den Markt und setzte zahlreiche Konkurrenten in einem zuvor eher stagnierenden Segment unter Zugzwang.
Fast 14 Jahre und mehr als 830.000 weltweit verkaufte Exemplare später konnte ich endlich die zweite Generation fahren. Sie läuft gemeinsam mit dem Ford Ranger, mit dem sie nahezu sämtliche technische Komponenten teilt, im südafrikanischen Werk Silverton vom Band.
Abgesehen von der Form der Fensterrahmen sind die Gemeinsamkeiten mit seiner „Zwillingsschwester“ mit blauem Oval kaum zu erkennen. Volkswagen hat diesen Punkt ernst genommen: Auf den ersten Blick soll klar sein, dass hier ein Volkswagen steht.
Obwohl es sich um einen besonders robust gezeichneten Pick-up handelt, besitzt der Volkswagen Amarok eine durchaus ansprechende Erscheinung.
Vorn prägen Scheinwerfer mit eigener LED-Lichtsignatur und IQ.Light-Technik das Bild. Auch das Heck erhält eine unverwechselbare Lichtgrafik, während die erhabene Amarok-Schrift auf der Heckklappe keinen Zweifel am Modell aufkommen lässt.
Das Markenlogo fällt ebenfalls großzügig aus und verbirgt zugleich die Rückfahrkamera für die Einparkhilfe. An den Flanken weist der Schriftzug 4Motion auf den Allradantrieb hin.
Pick-up oder Pkw?
Auch im Innenraum passt der Eindruck nicht zu dem Bild, das man üblicherweise von einem Pick-up hat. Solche Modelle werden meist in erster Linie mit dem Arbeitseinsatz und langlebigen statt attraktiven Materialien verbunden. Hier sind jedoch die Oberseite des Armaturenbretts und die Türverkleidungen mit Leder sowie Kontrastnähten bezogen.
Die Sitzposition ähnelt inzwischen viel stärker der eines gewöhnlichen Familienwagens und deutlich weniger der eines „Arbeitsfahrzeugs“. Lenksäule und Lenkrad sitzen genau richtig; Letzteres rahmt ein vollständig digitales Kombiinstrument ein, das für jeden Fahrmodus eigene Animationen zeigt. Im Modus „Rutschig“ sind sogar Regentropfen zu sehen.
In der fünfsitzigen Doppelkabine gibt es weder vorn noch hinten Platzprobleme. Die Fondpassagiere müssen zudem nicht mehr so aufrecht sitzen wie noch vor einigen Jahren in anderen Modellen, was längere Fahrten wesentlich angenehmer macht. Über die 230-Volt-Steckdose lassen sich Ladegeräte und andere Geräte anschließen – fast wie zu Hause.
Als Pick-up bringt er allerdings weiterhin einen Nachteil mit: Statt eines klassischen Kofferraums gibt es eine große Ladefläche. Ihre Zuladung liegt bei nahezu einer Tonne; optional bietet Volkswagen mehrere Lösungen an, um diesen Bereich vor allzu „neugierigen“ Blicken zu schützen.
Beim Innenraum verbindet der Volkswagen Amarok Komfort mit Alltagstauglichkeit – auch wenn kleinere Familien mit verschiedensten Gegenständen unterwegs sind.
Dem Wetter trotzen mit dem Volkswagen Amarok
Zwischen den Vordersitzen befinden sich der Wählhebel für die 10-Gang-Automatik – identisch mit dem des Ford Ranger – und der Drehregler für die verfügbaren Antriebsarten: Hinterradantrieb, automatischer Allradantrieb, permanenter Allradantrieb mit hoher Übersetzung sowie permanenter Allradantrieb mit Untersetzung. Bei Bedarf steht außerdem eine Hinterachsdifferenzialsperre bereit.
Zehn Gänge mögen zunächst übertrieben wirken, in diesem Fall sind sie es jedoch nicht. Dadurch scheint für jede Situation stets die passende Drehmomentdosis verfügbar zu sein, wovon der 2.0 TDI mit 205 PS optimal profitiert.
Da es während 99,9 % der Testzeit regnete, fuhr ich fast durchgehend mit permanentem Allradantrieb und automatischer Regelung. Bei niedrigen Geschwindigkeiten werden stets alle vier Räder angetrieben; mit zunehmendem Tempo übernehmen ausschließlich die Hinterräder diese Aufgabe, um Kraftstoff zu sparen.
Selbst unter den widrigsten Bedingungen draußen bleibt die Atmosphäre im Volkswagen Amarok bemerkenswert gelassen. Auch auf Strecken, die zu Fuß kaum noch passierbar sind, verlangt das Allradsystem praktisch keine andere Einstellung als die automatische Regelung.
Mit eingelegter Untersetzung wurde deutlich, dass es wohl einige Zeit dauern würde, die Grenzen des Volkswagen Amarok auszuloten.
Asphalt, Schlamm, Sand oder … irgendetwas anderes
Ob auf Asphalt oder abseits davon: Die Reifen des Testwagens wirken für die meisten Situationen wie die passende Wahl. Das gilt umso mehr, weil das Wetter während dieses Tests alles andere als „freundlich“ war – was meine Sympathie für den Amarok noch verstärkte.
Auf schlechten Straßen ist das typische „Hüpfen“ der Hinterradaufhängung weiterhin spürbar. Es zeigt, dass diese Blattfederkonstruktion für hohe Lasten ausgelegt ist und die Ladefläche in diesem Fall leer bleibt. Dennoch entspricht das Verhalten kaum noch meiner bisherigen Vorstellung: Auch hier hat sich der Volkswagen Amarok deutlich weiterentwickelt.
Im Stadtverkehr oder in engen Parkhäusern bleibt es naturgemäß schwierig, ein Fahrzeug mit 5,36 m Länge, knapp 1,92 m Breite und einer Dachantenne in mehr als zwei Metern Höhe zu bewegen.
Der Volkswagen Amarok bietet jedoch entscheidende Unterstützung und erleichtert das Rangieren erheblich: Parksensoren vorn und hinten sowie eine Rückfahrkamera sind an Bord.
Angesichts seiner Abmessungen und seines Gewichts von mehr als 2,3 Tonnen erwies sich der 2.0 TDI als lauter und durstiger als gewünscht. Auf der Autobahn „konkurriert“ er mit den Windgeräuschen dieses gewaltigen Gesamtpakets, während er im gemischten Betrieb fast 10 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer benötigt.
Viel mehr als ein SUV
Der getestete Volkswagen Amarok war in der Ausstattung Style unterwegs, die genau zwischen den auf dem hiesigen Markt verfügbaren Versionen Life und Aventura positioniert ist.
Mit dem 2.0 TDI mit 205 PS, Doppelkabine, vier Türen und fünf Sitzplätzen startet der Preis bei 60.573 Euro. Durch die bei diesem Exemplar verbauten Extras, die überwiegend den Einsatz erleichtern sollen, „springt“ der Endpreis auf 64.074 Euro.
Das ist ein recht hoher Betrag. Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass der Volkswagen Amarok bei seinen Fähigkeiten einem Schweizer Taschenmesser ähnelt und auf die große Mehrheit der Aufgaben reagieren kann, die man ihm stellt.
Einige dieser Aufgaben können entscheidend sein – etwa Leben zu retten:
Damit er wirklich perfekt ist, fehlt lediglich die Wahl einer Lösung zum Schutz der Ladefläche. Danach muss nur noch jede Route unter dem Gesichtspunkt geplant werden, dass der Volkswagen Amarok an Mautstationen in Klasse 2 eingestuft wird.
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