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Renault Scenic: Ist das elektrische Crossover noch das richtige Familienauto?

Türkisfarbener Renault Scenic EV Elektro-SUV in hellem Autohaus mit Ladestation im Hintergrund.

Der Renault Scenic ist heute ein elektrisches Crossover. Es bleibt abzuwarten, ob er weiterhin das passende Auto für Familien ist.


Nach 28 Jahren auf dem Markt und fünf Generationen folgt der Renault Scenic dem Zeitgeist: Seine äußere Form und sein Innenraumkonzept wurden zum Crossover umgestaltet, während er sich von seinen Wurzeln als Van verabschiedet.

Konstruktiv steht er dem Megane E-Tech sehr nahe, fällt jedoch 6 cm höher, 10 cm breiter und vor allem 27 cm länger aus. Auch der Radstand wächst um 10 cm. Die Bodenfreiheit wäre eigentlich identisch, doch die größeren Räder des Scenic schaffen letztlich einen Abstand von 2 cm zwischen den beiden Modellen.

Wie bei fast allen neueren Elektroautos sitzt die Batterie des vollelektrischen Scenic unter dem Fahrzeugboden zwischen den beiden Achsen.

Das getestete Fahrzeug wurde eigens für diese Fahrveranstaltung von Paris nach Lissabon gebracht. Es fand im Rahmen der Wahl zum europäischen Car of the Year statt, bei der der Scenic zu den sieben Finalisten gehört. Die Batterie fasst 87 kWh und ist damit die größte im Angebot; die kleinere Variante bietet 60 kWh.

Der Akku stammt von LG Chem und „verspricht“ bis zu 625 km Reichweite. Laden kann er mit bis zu 22 kW Wechselstrom (AC) oder maximal 150 kW Gleichstrom (DC).

Ein noch technologischerer Renault Scenic

Aufbau, Ausstattung und Technologie des Armaturenbretts entsprechen weitgehend dem, was aus Megane E-Tech und Espace bekannt ist. Das intuitive Android-Betriebssystem mit integrierten Google-Anwendungen – darunter Maps, Assistant und Play Store – erleichtert die Nutzung für Menschen, die Mobilgeräte mit diesem „genetischen Code“ verwenden.

Zudem vereinfacht diese Lösung die Sprachkommunikation mit dem Auto erheblich, denn die Spracherkennung arbeitet ausgezeichnet. Gleichzeitig ist das System vollständig mit Apple-Geräten kompatibel, ob mit oder ohne Kabelverbindung.

Das digitale Kombiinstrument und der zentrale Infotainment-Bildschirm sind nahezu gleich groß: 12,3 bzw. 12,0 Zoll. Während das Display vor dem Fahrer horizontal ausgeführt ist, steht der zentrale Bildschirm senkrecht und ist leicht zum Fahrer ausgerichtet.

Der inzwischen altmodische Satellitenhebel für die Audioanlage, der an der Lenksäule befestigt ist, wirkt in diesem modernen Innenraum deplatziert. Ebenso schwer nachvollziehbar ist das Fehlen eines Head-up-Displays.

Positiv ist, dass Renault physische Bedienelemente für die Klimatisierung und weitere häufig genutzte Funktionen beibehalten hat. So müssen diese nicht erst in den Menüs des zentralen Bildschirms gesucht werden.

Die Armaturentafel besteht überwiegend aus harten Materialien; lediglich diese Topversion verfügt über Kunstleder. Insgesamt entsteht daher nur ein durchschnittlicher Qualitätseindruck. Bemerkenswert sind die innen ausgekleideten Türtaschen, was in diesem Segment ungewöhnlich ist. Die hinteren Luftausströmer erlauben dagegen nur die Einstellung der Luftstromrichtung.

Die Sicht nach hinten wird beim Renault Scenic durch die schmale Heckscheibe und die breiten C-Säulen eingeschränkt, weshalb die Rückfahrkamera besonders hilfreich ist.

Großzügige Platzverhältnisse im Innenraum

Vorn steht reichlich freier und ungehinderter Raum zur Verfügung, auch weil sich der Wählhebel für Getriebe und Fahrmodi nun am Lenkrad befindet.

Der große Radstand des neuen Scenic sorgt in der zweiten Sitzreihe für ausgesprochen viel Beinfreiheit – selbst für Passagiere, die größer als 1,80 m sind und entsprechend lange Beine haben.

Der Boden ist in der Mitte eben, was den Bewegungsfreiraum auf dem mittleren Platz verbessert. Dieser bleibt allerdings erwartungsgemäß schmaler und besitzt eine härtere Rückenlehne. Lob verdient auch die hintere Mittelarmlehne: Sie ist innen ausgekleidet und bietet Schienen zur Befestigung von Tablets, Getränkehalter sowie USB-Anschlüsse.

Optional ist ein Panorama-Glasdach erhältlich, dessen Transparenz sich mittels Flüssigkristalltechnik verändern lässt. Es kann über der vorderen Sitzreihe stärker abgedunkelt und über der hinteren Reihe transparenter sein – oder umgekehrt.

Hervorzuheben ist das Kofferraumvolumen von 545 Litern, das zur Spitze dieser Klasse gehört, auch wenn sich 50 Liter davon unter dem Bodenfach befinden. Weniger praktisch ist die große Stufe zwischen Ladekante und Ladeboden, die das Ein- und Ausladen größerer sowie schwererer Gegenstände erschwert.

Komfort „versus“ Fahrdynamik

An allen vier Rädern arbeitet eine Einzelradaufhängung, während der Elektromotor vorn eingebaut ist. Eine Allradversion ist nicht vorgesehen. Wie die vor drei Monaten in Paris getesteten Fahrzeuge war auch der nach Lissabon gebrachte Scenic mit riesigen 20-Zoll-Felgen und Reifen der Dimension 235/45 ausgestattet.

In Verbindung mit der stets schweren Batterie führen sie zu einem recht straffen Fahrverhalten, das auf schlechtem Asphalt zu hart ausfällt. Die positive Kehrseite: Bei zügiger Fahrt durch aufeinanderfolgende Kurven bietet das Auto eine sehr gute Stabilität.

Der 160-kW-Motor (218 PS) spricht spontan und kräftig an, besonders in den Fahrprogrammen Comfort und vor allem Sport. Gemeinsam mit Eco und Perso bilden sie die vier verfügbaren Fahrmodi, die über eine Taste an der Lenkradspeiche gewählt werden.

Verbesserungsbedarf bei Bremsen und Lenkung

Die zwei weniger gelungenen Aspekte der Fahrdynamik des neuen Renault Scenic sind das Bremsgefühl und die Lenkung. Zu Beginn des Pedalwegs scheinen die Bremsen zunächst nicht zu reagieren; selbst nachdem sie einsetzen, bleibt der Druckpunkt recht „schwammig“. Das vermittelt beim Kontrollieren von mehr als 1,8 Tonnen Fahrzeuggewicht kein optimales Gefühl.

Die Lenkung wirkt durchgehend sehr „synthetisch“ und leicht, wodurch zwischen Fahrer und Straße eine große Distanz entsteht. Im Sportmodus ist sie leichtgängig, im Normalmodus sehr leicht und im Eco-Modus extrem leicht.

Zusätzlich stehen drei Intensitätsstufen für Verzögerung und Energierückgewinnung bereit, die über Schaltwippen hinter dem Lenkrad eingestellt werden. Die Unterschiede zwischen ihnen fallen allerdings relativ gering aus.

Eine „One-Pedal-Drive“-Funktion gibt es ebenfalls nicht. Der Scenic kommt nach dem Lupfen des Fahrpedals also nicht vollständig zum Stillstand, ohne dass zusätzlich das Bremspedal betätigt wird.

Verbrauch höher als erwartet

Wie schon in Paris lag der Verbrauch des Scenic auch in Lissabon über den Erwartungen, wenn man den angegebenen Wert von 16,8 kWh/100 km zugrunde legt.

Auch unter Berücksichtigung, dass ein Testeinsatz stets anspruchsvoller gefahren wird als im Alltag, lassen die gemessenen 21,3 kWh keine Reichweite erwarten, die deutlich über 400 km liegt – selbst nicht mit der Batterie mit der höheren Kapazität.

Der Bordcomputer zeigt stets zwei Werte für die verbleibende Reichweite an: einen niedrigeren für schnelle Autobahnfahrten und einen höheren, wenn die restliche Strecke im Stadtverkehr zurückgelegt wird. So standen zu einem Zeitpunkt des Tests bei einem Batteriestand von 73 % noch 337 km „in der Tasche“. Auf der Autobahn konnten daraus 251 km werden, in der Stadt hingegen bis zu 462 km.

Scenic auf dem deutschen Markt

Auf dem deutschen Markt startet der neue Renault Scenic als Evolution mit 125-kW-Motor (170 PS) und 60-kWh-Batterie. Diese Variante gibt eine maximale Reichweite von 430 km an. Alternativ gibt es den Techno, der mit demselben Elektroantrieb und Akku ausgestattet ist.

Für die stärkere Ausführung mit 218 PS und der größeren 87-kWh-Batterie – wie beim gefahrenen Testwagen – stehen vier Ausstattungslinien zur Wahl: Evolution, Techno, Esprit Alpine und Iconic. Die Preise reichen dabei von Evolution bis Iconic, der Variante aus diesem Test.

Bei der stärkeren Version bewegt sich das Preisniveau auf Augenhöhe mit dem wohl größten Konkurrenten: dem neuen Peugeot e-3008 als 157-kW-Variante (213 PS) mit 73-kWh-Batterie. Deren Akku ist kleiner als der 87-kWh-Akku des Scenic, wodurch der Peugeot 100 km Reichweite verliert: 525 km gegenüber 625 km.

Urteil

Technische Daten

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