Karosserie, Raumangebot und Motoren des neuen Ford Fiesta
Der neue Ford Fiesta kommt ab April 2002 zunächst ausschließlich als Fünftürer auf den Markt. Gegenüber dem Vorgänger ist das Modell deutlich länger, breiter und höher; das spürbar großzügigere Platzangebot im Innenraum zählt damit zu seinen wichtigsten Verkaufsargumenten. Zur Auswahl stehen weiterhin die bekannten Ausstattungslinien LX, Zetec und Ghia. Preislich dürfte sich die Baureihe ungefähr auf dem Niveau des bisherigen Angebots bewegen.
Den Einstieg bildet ein 1,3-Liter-Benziner mit acht Ventilen und 67 PS. Darüber rangiert der voraussichtlich gefragteste 1,4-Liter-16-Ventil-Benziner mit 79 PS, während der 1,6-Liter-16-Ventiler mit 99 PS die Spitze des Benzinangebots markiert. Zu einer europäischen Modellpalette gehört natürlich auch ein Diesel, und so erhält der Fiesta der neuen Generation einen ebenfalls neuen TDCi-Selbstzünder. Sein Hubraum von 1,4 Litern, die acht Ventile und 67 PS wirken bescheiden, doch das Common-Rail-Turbotriebwerk stellt immerhin respektable 160 Nm Drehmoment bereit.
Innenraum und Ergonomie
Im Innenraum weckt der Fiesta leichte Erinnerungen an den Mondeo, etwa durch die Gestaltung der Türgriffe und die Oberflächenstruktur der Kunststoffe. Vollständig neu ist jedoch die übersichtlich und klar gezeichnete Instrumenteneinheit. Sie besteht aus zwei Rundinstrumenten für Geschwindigkeit und Drehzahl, einem quadratischen Flüssigkristall-Display für Tankinhalt und Motortemperatur sowie einem rechteckigen LCD für Digitaluhr, Tageskilometerzähler und Kilometerstand. In den dunklen Zwischenräumen leuchten die zusätzlichen Warnanzeigen und Blinker auf.
Die Sitze bieten einen recht guten Komfort. Durch die Höhenverstellung des Fahrersitzes, die Verstellmöglichkeit der Lenksäule nach oben und unten sowie den sorgfältig platzierten, höher als beim bisherigen Fiesta angeordneten Schalthebel ist eine passende Sitzposition schnell gefunden.
Fords neuer Kleinwagen hat lange auf sich warten lassen. Wie viele verspätete Babys ist er zudem etwas kräftiger geworden: Der fünftürige 1.6 Ghia bringt rund 50 Kilogramm mehr auf die Waage, und sämtliche Varianten sind 87 mm länger, 50 mm breiter sowie etwa 100 mm höher.
Fahrwerk, Motoren und Sicherheit
Erstaunlich ist, wie komfortabel ein Kleinwagen mit einem vergleichsweise kurzen Radstand federn kann. Das Fahrwerk des Fiesta ist außergewöhnlich gut gedämpft, souverän kontrolliert und rundum gelungen – für jeden Wettbewerber dürfte das schwer zu übertreffen sein. Und genau das ist im Grunde das Einzige, was an ihm schwerfällt.
Bis zu diesem Ergebnis war der Weg jedoch sicher nicht einfach. Das Fahrwerk fängt Fehler auf, etwa wenn man eine unbekannte Kurve falsch einschätzt und mitten darin bremsen muss, erlaubt aber zugleich, mit dem Gaspedal an der Ideallinie zu arbeiten. Jede Bewegung des Hecks bleibt sanft und vorhersehbar, ebenso wie die anschließende Stabilisierung. Dieses Fahrwerk kennt das Wort „Schnappen“ nicht.
Der gefahrene 1,4-Liter-Benziner kennt leider auch das Wort „Leistung“ nicht. Wer das Fahrwerk des Fiesta genießen möchte, braucht idealerweise einen kräftigeren Motor. Für akzeptablen Vortrieb muss dieses Triebwerk stark gefordert werden, was mir zu sehr nach Arbeit aussieht. Um auf der Autobahn im Verkehr mitzuschwimmen, dröhnt der Motor zudem dauerhaft.
Deutlich überzeugender ist der TDCi. Zwar fehlt ihm sowohl der Durchzug im mittleren Drehzahlbereich, den 160 Nm vermuten lassen könnten, als auch nennenswerte Kraft bei hohen Drehzahlen, doch der Selbstzünder ist elastischer und verlangt weniger Schaltvorgänge als der Benziner. Der Motor entstand gemeinsam mit dem französischen Unternehmen PSA, das Citroën und Peugeot produziert und deshalb als Meister der dunklen Dieselkunst gilt. Da er überwiegend aus Aluminium gefertigt und für einen Diesel leicht ist, lässt er den Fiesta nicht kopflastig wirken. Im normalen Fahrbetrieb bleibt er außerdem leise.
Auch die Bremsen verdienen Erwähnung. Vorn arbeiten Scheiben, hinten Trommeln; ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung EBD gehört serienmäßig dazu. Das Pedalgefühl stimmt, und die Anlage verrichtet ihre Arbeit ebenso gut.
Ein weiterer Vorzug des neuen Fiesta betrifft etwas, das hoffentlich niemand jemals benötigt: intelligente Zwei-Stufen-Airbags, zwei vorn und jeweils einer an den Seiten, der optionale aufblasbare Kopfairbag sowie per Computer entwickelte Knautschzonen und Crashschutz. Immerhin sind sie vorhanden.
Die Lenkung des Fiesta vermittelte allerdings nur wenig Rückmeldung. Der 1,4-Liter-Motor klang – obwohl sein Ansaugsystem offenbar auf einen kernigen Ton abgestimmt wurde – nach kaum etwas. Und in einem links gelenkten Fahrzeug musste ich mich in Linkskurven nach links und rechts bewegen, weil die linke A-Säule die Sicht behinderte.
Durch das höhere Gewicht und den höheren Schwerpunkt, beides angesichts der Sicherheits- und Platzanforderungen vernünftig und unvermeidbar, fühlt sich der Wagen nun überhaupt nicht mehr wie der frühere Fiesta an, den ich für fahrerisch wirklich magisch hielt. Mir fehlt jetzt diese unverfälschte Schärfe. So sieht Fortschritt eben aus.
Colin Ryan
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