Der Vorschlag der portugiesischen Regierung zur Überarbeitung der geltenden Fahrausbildung stößt auf heftigen Widerstand. Die praktischen Fahrstunden mit zertifizierten Fahrlehrern sollen halbiert werden: Statt bisher 32 wären nur noch 16 Stunden vorgesehen. Ein großer Teil des Lernens würde damit auf begleitetes Fahren mit einer Begleitperson verlagert.
ANIECA warnt vor Risiken für die Fahrausbildung
Der nationale Fahrschulverband ANIECA sieht darin eine Gefahr für die Verkehrssicherheit. Fahren zu lernen bedeute mehr als praktische Erfahrung am Steuer und erfordere eine fachkundige pädagogische Begleitung, betont der Verband.
„Die Fahrausbildung ist nicht nur eine praktische Erfahrung, sondern ein komplexer pädagogischer Prozess, der mit realen Risiken verbunden ist und technische sowie didaktische Kompetenzen verlangt, über die nur zertifizierte Fahrlehrer verfügen“, heißt es in einer Mitteilung.
Nach Daten, die ANIECA 2022 erhoben hat, betrachten 96 % der jungen Menschen die Fahrschulen als ihre wichtigste Quelle für Kenntnisse zur Verkehrssicherheit.
Fehlende internationale Einordnung des begleiteten Fahrens
Der Verband bemängelt auch, dass der Vorschlag nicht ausreichend in einen internationalen Zusammenhang gestellt werde. Länder wie Norwegen, die dieses Lernmodell zuvor eingeführt hatten, hätten die Praxis wegen „der damit verbundenen Risiken“ wieder aufgegeben. In Österreich, Belgien und Frankreich sei begleitetes Fahren nur mit direkten Familienangehörigen und über einen deutlich längeren Zeitraum beziehungsweise Strecken zwischen 1.500 und 3.000 km erlaubt.
ANIECA-Präsident António Reis befürchtet schwerwiegende Folgen. Eine geringere Vorbereitung neuer Fahrer bedeute, „mehr Unfällen und mehr Opfern auf den Straßen Tür und Tor zu öffnen“.
„Wir können nicht zulassen, dass unter dem Vorwand einer angeblichen Vereinfachung die Verkehrssicherheit gefährdet wird“, fügte er hinzu.
Der Verband weist außerdem darauf hin, dass der Vorschlag der nationalen Verkehrssicherheitsstrategie Vision Zero 2030 entgegenlaufe. Diese setze ausdrücklich auf mehr und nicht auf weniger Ausbildung.
ANIECA erklärt sich dennoch bereit, mit der Regierung und der portugiesischen Verkehrsbehörde IMT zusammenzuarbeiten. Der Verband betont jedoch: Begleitetes Fahren muss eine Ergänzung bleiben und darf die Ausbildung durch Fachleute niemals ersetzen. „Das Ziel muss klar sein: die Zahl der Verkehrsunfälle zu senken und nicht die Qualität der Ausbildung zu verringern“, schloss Reis.
Begleitetes Fahren in Portugal bereits unter Auflagen erlaubt
In Portugal dürfen Fahrschüler für Fahrzeuge der Klasse B schon heute mit einer Begleitperson fahren. Das regelt Artikel 9 der Verordnung Nr. 185/2015 vom 23. Juni, allerdings unter einigen wichtigen Bedingungen. Dazu gehört, dass der Bewerber mindestens „12 Stunden praktische Ausbildung und 250 gefahrene Kilometer im realen Straßenverkehr“ absolviert haben muss.
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